First Lady Melania Trump

10 Dinge, die man jetzt über Slowenien wissen muss

Die designierte First Lady Melania Trump stammt aus Slowenien. Wie die Familie unserer Kollegin Natascha Zeljko. Zehn Dinge, die man jetzt über das Land wissen muss – inklusive Gebrauchsanweisung.

Melania Trump

Vom slowenischen Mannequin zur First Lady: Melania Trump.


1. Zwischen Slavonien und Slowakei

Bis vor ein paar Jahren war es extrem mühsam, den Leuten zu erklären, wo Slowenien liegt. Da war jeder Slowene, der im Ausland lebte, auch so eine Art Außenminister. Im Grunde hatte man es mit drei verschiedenen Gesprächstypen zu tun:

Den Ignoranten:

„Was für ein Land soll das sein?“
„Slowenien, die ehemalige nördlichste Teilrepublik Jugoslawiens.“
„Ah, also Jugoslawien.“
„Nein, nicht mehr Jugoslawien. Jetzt Slowenien.“
„In Jugoslawien waren wir früher immer im Urlaub.“
„Ähm, ja…“

Den Entrüsteten:

„Warum musste sich das Land überhaupt abspalten? Europa wächst zusammen und Slowenien macht auf Kleinstaaterei.“
„Weil es ein eigenständiges Land ist, mit eigener Sprache. Und die Zentralregierung in Belgrad war zunehmend…“
„Da könnte ja jeder kommen. Wenn man sich das vorstellt, die Bayern und die Hessen, oder warum nicht gleich jede Stadt und jedes Dorf...“

Den Verwirrten:

„Slavonien?“ (Anm. der Verf.: Eine Region in Kroatien)
„Nein. Slowenien.“
„Slowakei?“
„Nein. Slowenien.“
„Hä?“

2. Balkan, das sind immer die anderen

Die Slowenen mögen es nicht besonders, wenn man sie zum Balkan zählt. Merke: Der Balkan beginnt immer ein Land weiter südlich. Von Österreich aus gesehen in Slowenien, von Slowenien aus gesehen in Kroatien, von Kroatien aus gesehen in Serbien, usw.

3. Ein Land, ein Witz

Slowenien trat 1991 nach vorangegangenem Referendum aus der sozialistischen föderativen Republik Jugoslawien aus, quasi ein „Sloxit“. Hans-Dietrich Genscher war der erste westliche Politiker, der das Land zeitgleich mit Kroatien als unabhängigen Staat anerkannte, was einen regelrechten Genscher-Kult auslöste; in Zagreb wurden damals reihenweise Cafés in „Cafe Genscher“ umbenannt. Zu dieser Zeit kursierte ein beliebter Witz in Slowenien:

Der slowenische Außenminister ruft nacheinander seine Amtskollegen an, um das neue Land vorzustellen. Auch in Japan.

„Sie sind also ein neues Land“
„Ja, genau. Slowenien.“
„Wie viele Einwohner habt ihr denn?“
„Knapp zwei Millionen“
„Und in welchem Hotel wohnt ihr?“

4. Die Slowenen und das Geld

Am 1. Mai 2004 wurde Slowenien Mitglied der EU, am 1. Januar 2007 der Euro eingeführt. Slowenien galt lange Zeit als Musterkandidat mit einer guten Infrastruktur, ordentlichem Wirtschaftswachstum. Doch dann der Schock: In den Büchern reihenweise faule Kredite, das Land schlitterte in eine heftige Bankenkrise und drohte unter den EU-Rettungsschirm zu kommen. Mittlerweile scheint die Krise mehr oder weniger überwunden.

5. Klein, aber Waldmeister

Slowenien ist halb so groß wie die Schweiz und wird gern als „Schweiz des Balkans“ oder auch als „Preußen des Balkans“ bezeichnet. (Warum das eher so mittel ankommt – siehe Punkt 2.) Für diese Fläche hat das Land aber ordentlich Holz vor der Hütte: Nach Finnland (77 %) und Schweden (75 %) besitzt Slowenien den drittgrößten Anteil an Waldflächen (65 %) in der EU und eine außergewöhnlich große biologische Vielfalt (Biodiversität). Auf kleinstem Raum bietet das Land: eine Küste (wenn auch nur 46 Kilometer lang), ein Hochgebirge (die Julischen Alpen. Höchster Berg: Triglav 2864 Meter) und drei große Weinanbaugebiete (sehr zu empfehlen: Weine aus „Goriska Brda“).

6. Berühmte Proud-of-Marken

Der Skihersteller ELAN und, kein Zufall, erfolgreiche Skifahrer wie Bojan Krizaj, Mateja Svet, Tina Maze und der amtierende Skispring-Weltmeister Peter Prevc.

  • Der Küchengerätehersteller Gorenje.
  • Die Band Laibach (Vorbild von „Rammstein“).
  • Der Philosoph und Kapitalismuskritiker Slavoj Zizek.
  • Aleksander Ceferin, der neue UEFA-Präsident und Nachfolger von Michel Platini.
  • Jan Oblak, Torhüter bei „Atletico Madrid“ (an dem die Bayern im Champions-League Halbfinal 2016 scheiterten).
  • Lipizzaner Pferde. Die ganze Welt glaubt, sie stammen aus Wien, aber das Ur-Gestüt Lipica liegt in Slowenien.

7. Ein Slowene, eine Bar

Slowenen trinken ganz gern das eine oder andere Glas. Bars tauchen an den absurdesten Stellen plötzlich auf, an gottverlassenen Landstraßen, an Tankstellen und jedem zweiten Supermarkt. Die Formel lautet: ein Slowene, eine Bar. Die erweiterte: ein Slowene, ein Weinberg, ein „Vikend“ (kleine Wochenend-Hütte, oft in Verbindung mit einem Weinberg). Die Slowenen sind ein Volk von leidenschaftlichen Winzern. Das meiste Zeug ist für den Hausgebrauch, schmeckt direkt aus dem Fass vor Ort noch ganz annehmbar, stellt sich aber mit zunehmender Distanz oft als untrinkbar heraus. Also Vorsicht.

8. Fahren Sie möglichst weit rechts, überholen Sie nicht

Autofahren in Slowenien ist für einen im westlichen Ausland sozialisierten Autofahrer kein Spaß. Warum zum Henker rasen die so? Wo kommen die her (aus der Bar)? Wo wollen die hin (in die Bar)? Haben die was getrunken (wahrscheinlich)? Sind die lebensmüde? Tja. Könnte sein. Slowenien gehört leider weltweit zu den Top Ten der Länder mit der höchsten Selbstmordrate – und zwar Platz 9 (zum Vergleich: Deutschland Platz 35).

9. Wer soll das alles essen?

Sollten Sie in Slowenien jemals zum Essen eingeladen werden, hungern Sie vorher eine Woche lang. Was es gibt? Rindfleisch-Suppe, mindestens drei Sorten Fleisch, Bratkartoffeln und „Mlinci“, eine Spezialität aus Brotfladen, der in kochendem Salzwasser gegart und mit Bratenschmalz nochmal kurz in den Ofen geschoben wird. Und wenn die ersten Hosenknöpfe abplatzen, gibt es Nachtisch: „Potica“, ein Hefeteig-Kuchen, gefüllt mit Walnüssen oder Mohn. Überhaupt Walnüsse: Die slowenische Küche hat dazu ein fast schon erotisches Verhältnis.

10. Man spricht auch Deutsch

Durch die Nähe zu Österreich und Italien kommt man in Slowenien mit Deutsch und Italienisch ganz gut über die Runden. Die jungen Slowenen sprechen außerdem ganz passabel Englisch. Im Gegensatz zur neuen First Lady Melania Trump. Ehemann Donald würde vielleicht ganz gut daran tun, ihr jetzt im Weißen Haus einen vocal trainer an die Seite zu stellen, der mit ihr ein bisschen „th“ übt. Ansonste einfach weiter, wie bisher: lächeln, winken, schweigen. #MannequinChallenge


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