Fünf Minuten mit Usain Bolt

„Du willst Rekorde brechen? Dafür musst du aufstehen!”

Usain Bolt lief die 100 Meter erstmals unter 9,6 Sekunden und gerade tritt der elffache Weltmeister in Rio an. Im Fünf-Minuten-Interview erzählt uns der Rekordsprinter aus Jamaika, wie er sich jeden Tag motiviert und wie wichtig ein gutes Team ist.

Veröffentlicht am 18.08.2016

Usain Bolt beim Hublot Store Opening auf der 5th Avenue in New York.


New York, Central Park, Suite 2515 des Hotel Pierre. Hublot hat das Zimmer mit Uhren dekoriert. Gleich eröffnet der neue Store des Schweizer Herstellers auf der 5th Avenue, nur ein paar Häuser weiter, und die Firma hat ihren schnellsten Markenbotschafter eingeflogen. Ganz in Schwarz gekleidet, zwei Meter groß und wie es scheint, zwei Meter breit. Er streckt die Hand aus, am Handgelenk eine goldene Uhr. “Hey”, die Stimme ist tief und rauh. Usain Bolt, 29 Jahre alt, geboren in Montego Bay, Jamaika. Der schnellste Mann der Welt, 9.58 Sekunden auf hundert Meter. Er faltet seinen mächtigen Körper in einen Ledersessel.

Herr Bolt, wie motivieren Sie sich für den Tag, wenn Sie morgens aufstehen?
Ich denke an meine Ziele. Das funktioniert bei mir immer. Ich weiß, was ich will, warum ich aufstehen muss und woran ich arbeite. Es gibt auch bei mir diese Momente am Morgen, da will ich einfach überhaupt nichts tun. Aber dann sage ich mir selbst: Du willst einer der besten sein. Du willst Rekorde brechen. Du musst einfach nur aufstehen. Und rolle mich auf die Seite und raus aus dem Bett.

Was raten Sie mir als Nicht-Athlet? Wie kann ich mich dazu motivieren, morgens Sport zu machen?
Indem du ein Ziel setzt. Zum Beispiel: Ich will in dieses Kleid passen. Weißt du was ich meine? (lacht) Du wachst also auf und denkst dir: ‘Ich will das nicht machen.’ Du liegst da, grübelst. Dann ist es wichtig, dich zu erinnern: Du musst in das Kleid passen. Du musst die zehn Kilo wegbekommen. Du musst aufstehen. Indem du dich daran erinnerst, warum du das Ganze machst, beginnst du, dich besser zu fühlen. 

Man sieht Sie beim Training immer alleine: Alleine Hanteln stemmen. Alleine Sprints trainieren. Alleine Kniebeugen machen. Rennen ist kein Teamsport. Was motiviert Sie, wenn Sie alleine da draußen auf der Bahn sind?
Die Tatsache, dass ich das nicht nur für mich selbst mache. Sondern für mein Land. Für meine Fans. Für die Kinder, die ich motiviere. Das hilft. Das treibt mich an, wenn ich da draußen bin und schwitze, manchmal…

…übergeben Sie sich auch. Alles auf YouTube zu sehen.
Oh mein Gott. Ich versuche, dass mir das nicht zu oft passiert, aber du kannst das nicht aufhalten wenn’s kommt. (lacht)

Pele Peter Marino Usain Bolt

Pelé, Star-Innenarchitekt Peter Marino und Usain Bolt beim Hublot Store Opening auf der 5th Avenue in New York


Auf ihrem Instagram-Account @usainbolt legen Sie häufig jamaikanische Musik unter ihre Trainingsvideos. Was hören Sie, um sich zu aufzupumpen für ein Rennen?
Ich verstehe mich als mein eigener DJ und lege eine Menge verschiedener Genres auf. Ich will nicht nur jamaikanische Musik hören, sondern alles, was einen guten Beat hat. Der Beat ist das Wichtigste. Gerade erst habe ich Techno gehört - auch das geht, solange der Beat stimmt.

Wie definieren Sie Schonungslosigkeit für sich? Sie sind mit einer Verletzung an der Achillessehne in die vergangene Saison gestartet…
Ich habe die Verletzung das ganze Jahr mit mir rumgezogen. Aber anstatt aufzuhören, habe ich mich festgebissen. Und ich habe verkündet ‘Ich werde Champion’ - und gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet.  Als der Moment der Entscheidung kam, lief es dann richtig gut. (Anm. d. Red.: Bolt wurde 2015 Weltmeister über 100m und 200m)

Wann in ihrem Leben hatten Sie die größten Schwierigkeiten, ihr Leben im Griff zu behalten?
Als ich mit dem Sprinten angefangen habe. Ich wusste nicht, was ich wirklich wollte. Jeder hat mir erzählt, was das Beste für mich ist. Der beste Weg, die beste Richtung. Das war eine der härtesten Phasen meines Lebens. Die Leute haben nicht aufgehört, mich in die eine oder andere Richtung zu schieben. Ich hatte überhaupt keine Kontrolle über das, was um mich herum passierte.

Wir Menschen scheinen heute pausenlos connected, mit mehr Kontrolle über alles, aber auch mehr Ablenkungen um uns als je zuvor. Was ist ihr Ratschlag, um fokussiert zu bleiben?
Ein gutes Team. Wenn ich das Gefühl habe, etwas nicht machen zu wollen, oder es mir nicht gut geht, rufe ich meinen besten Freund an oder meinen Agenten und ich kann reden, ich kann zugeben, wie es mir wirklich geht. Sie helfen mir, sie verstehen mich, sie sagen ‘Hey, du machst grade eine harte Phase durch, und deswegen machen wir jetzt folgendes’. Sie wissen, was ich will, und erinnern mich daran. Ein gutes Team hilft, stark zu bleiben und die Motivation nie zu verlieren.