Beauty-Trend

Nein Danke, für mich nichts Süßes!

Emoji-Nagellack, Häschen-Flakons oder Einhorn-Lippenbalsam für erwachsene Frauen. Muss das wirklich sein? Warum der schräge Beauty-Trend wohl eher ins Kinderzimmer als ins Kosmetikregal gehört.

Veröffentlicht am 22.05.2017


Liebe Einhörner, bitte galoppiert doch wieder gen Märchenwald und nehmt bei der Gelegenheit auch den Feenstaub und die Häschen mit. Nur verschwindet bitte aus dem Bad und lasst Puderdosen und Lippenstifte wieder aussehen, als wären sie für erwachsene Frauen gedacht. 

Ich persönlich hab ja den Verdacht, dass diese populäre rosa Prinzessin wirklich magische Kräfte besitzt. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich die Lillifeeisierung wie ein unaufhaltbarer Zauber vom Kinderzimmer in Kosmetikregale ausgebreitet hat. Hüllen aus Glitzerstaub, Innenleben mit Sternchen, Herzchen, Gnomen oder Einhörnern. Selbst Luxusmarken lieben plötzlich infantiles Design und prägen im Moment allerlei Possierliches auf ihre teuren Tiegel.

Vielleicht liegt die Ursache aber auch nicht im Kinderzimmer, sondern in Korea. Dort werden jede Woche neue Trends und Produkte auf den Markt geworfen. Das meiste davon sieht aus, als hätte der Kreativdirektor seinen Posten einem Dreijährigen überlassen: Tigermasken, Häschen-Flakons, Augencreme in Panda-Dosen machen dort – und inzwischen auch hier – Furore. Wohlgemerkt: Die Zielgruppe sind Frauen, die Einhorn-Lippenbalsam aus der Chloé-Tasche ziehen und die Nägel vor dem Geschäftstermin mit einem Grinse-Emoji-Lack bemalen sollen. Es könnte aber auch sein, dass putzige Kosmetik ein Gegenentwurf zur harten Realität ist. Rosa gegen raue Wirklichkeit, Diminutive gegen den deprimierenden Alltag? Oder ist die Niedlichkeit lediglich die konsequente Fortsetzung der aktuellen Ansage, dass 50 das neue 15 sei? Die Riege in Rosa jedenfalls erinnert nicht nur mit lieblichem Äußeren an Teenager-Tage, sondern präsentiert süßliche Inhalte als Hommage an Erdbeerkaugummi, Schokoladeneis oder Batida de Coco. Wer bei dem Geruch schon die Nase rümpft, hat noch keinen Blick auf die INCIs (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) auf der Packung riskiert: Silikone und Paraffine, Duft-  und Farbstoffe sind als Inhalte etwa so unzeitgemäß wie ein aufgetakeltes Einhorn im Naturkundemuseum. 

Man kann nur hoffen, dass dieser putzige Trend bald wieder stirbt – und die Ära der Dinge, die Form und Funktion vereinen, zurückkehrt. Spätestens 2018 ist es so weit. Ich wette darauf einen Sack Feenstaub.