Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Wie uns Carolin Emcke versöhnen will

Caroline Emcke kämpft mit ihren Worten gegen den grassierenden Hass in unserer Gesellschaft. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde sie dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Veröffentlicht am 24.10.2016
Carolin Emcke wurde in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Carolin Emcke wurde in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.


„Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut“, sagt Carolin Emcke, als sie am gestrigen Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennimmt. Die 49-jährige Berlinerin wurde zum Ende der Buchmesse für ihre publizistischen Beiträge mit einem der wichtigsten Auszeichnungen der Bundesrepublik geehrt. Denn mit ihren Worten trifft sie immer wieder schmerzende Nerven in unserer Gesellschaft.

In ihrem Plädoyer „Gegen den Hass“ (S. Fischer) setzt sich Emcke, die unter anderem an der Londoner School of Economics und an der Harvard University studierte, mit der Frage auseinander, welche Ursachen der Hass in unseren Reihen hat und wie sich die daraus geschürten Ressentiments gegen Minderheiten, gegen Flüchtlinge, Andersgläubige oder Andersliebende, bekämpfen lassen: „Mit einer derart verengten Vorstellungskraft schwindet auch die Möglichkeit zur Einfühlung in ein konkretes Gegenüber. Wer sich nicht mehr vorstellen kann, wie einzigartig jede einzelne Muslima, jeder Migrant, wie singulär jede einzelne Transperson oder jeder einzelne schwarze Mensch ist, wer sich nicht vorstellen kann, wie ähnlich sie in ihrer grundsätzlichen Suche nach Glück und Würde sind, erkennt auch nicht ihre Verletzbarkeit als menschliche Wesen, sondern sieht nur das, was schon als Bild vorgefertigt ist."

Und Emcke weiß, wovon sie spricht: Als lesbische Autorin und Journalistin ist sie oft Projektionsfläche für Anfeindungen. Was sie nicht davon abhält, für mehr Pluralität, mehr Mitgefühl und mehr Menschlichkeit einzutreten. Doch alleine – auch das weiß Emcke – wird sie nicht weit kommen, weshalb sie an ein kollektives Gewissen appelliert: „Demokratische Geschichte wird von allen gemacht", sagt sie in ihrer Rede.

Gut, dass uns jemand daran erinnert.