Das große Schaumwein-Einmaleins

Das knallt

Von der optimalen Trinktemperatur bis zur Säbelmethode: An Silvester fließt wieder jede Menge Champagner, Sekt und Schaumwein. Mit diesen prickelnden Fakten und Profi-Tipps können Sie mitreden – und mittrinken. Cheers!

Veröffentlicht am 29.12.2016

Zum Jahreswechsel knallen wieder die Korken!


Who’s Who  

Champagner

Darf sich nur Schaumwein nennen, der in der Champagne nach der Méthode traditionelle (Flaschengärung) hergestellt wird. Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier. Die beiden letzten sind zwar Rotweintrauben, werden aber so schnell gepresst, dass sich der Most nicht rot färben kann.

Sekt

Die deutsche und österreichische Bezeichnung für Qualitätsschaumwein mit genauen Vorschriften wie einem Alkoholgehalt von mindestens 10 Prozent und 3,5 bar Kohlensäuredruck. Das italienische Pendant ist der Spumante.

Prosecco

Ursprünglich der Name einer Rebsorte und zugleich Herkunftsbezeichnung. Man unterscheidet zwischen mäßig prickelndem Prosecco frizzante und dem spritzigeren Prosecco spumante.

Crémant

Außerhalb der Champagne in Flaschengärung hergestellter Schaumwein, darf heute auch außerhalb der ursprünglichen Regionen (Elsass, Burgund und an der Loire) produziert werden. Derzeit ziemlich angesagt bei den Society-Profis.

Cava

Nach der klassischen Flaschengärmethode hergestellter spanischer Schaumwein, der in 159 Orten in Spanien produziert werden darf. Im Korken ist immer ein Stern eingebrannt.

Die Säbelmethode

Klingt dekadent, aber Sie können die Flasche buchstäblich köpfen. Nennt sich Sabrage und funktioniert mit einem Champagnersäbel, erfordert viel Übung und, Achtung, nüchternen Zustand. Der Säbel wird in einem Winkel von etwa 20 Grad auf den Wulst des Flaschenkopfs geschlagen, der samt Korken mit bis zu 200 km/h nach vorn wegschießt. Dabei geht zwar etwas Champagner verloren, aber auch die Glassplitter werden mitgerissen. Erfand übrigens Napoleon, der mit dieser Show-Einlage 1812 eine gewonnene Schlacht gefeiert hat. Alter Haudegen

Zum Mitreden

Bollinger, Lily

Legendäre Champagnerproduzentin, von der folgendes Zitat stammt: „Ich trinke nur Champagner, wenn ich glücklich bin. Und natürlich, wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich Champagner, wenn ich allein bin. In Gesellschaft, finde ich, ist Champagner ein Muss. Wenn ich keinen Hunger habe, vertreibe ich mir damit die Zeit, und ich trinke ihn, wenn ich Hunger habe. Dazwischen rühre ich ihn nicht an - außer ich habe Durst.“

Cuvée

Verschnitt verschiedener Lagen, Rebsorten und Jahrgänge als Basis für Schaumweine. Die Zusammenstellung (Assemblage) bestimmt den Stil einer Marke. Cuvée Prestige oder Cuvée Spéciale bezeichnet den Spitzenchampagner eines Hauses.

Collerette

Halsetikett der Flasche.

Cordon

Die „Schnur“ der aufsteigenden Perlen im Champagnerglas.

Méthode traditionelle

Hieß früher Méthode champenoise: Flaschengärverfahren bei Schaumweinen.

Mousse

Strom der feinen Bläschen, die an die Oberfläche schweben.

Moussierpunkt

Kleine Aufrauung an der tiefsten Stelle des Glases, die Sekt oder Champagner stärker perlen, sprich moussieren lässt. 

Plaque

Metallplättchen auf dem Korken, verhindert das Einschneiden.

Der Liebling

Rosé-Champagner ist weicher und fruchtiger, aber auch teurer als weißer. Trotzdem legte der Umsatz in den letzten zehn Jahren deutlich zu. Die Rosé-Variante wird entweder durch das Mischen von weißem Champagner mit 5 bis 20 Prozent Rotwein gewonnen oder mit der Saignée-Methode (saignée = Aderlass), bei der die Haut der blauen Trauben im Most „ausblutet“.

Achtung!

Sprudelnde Weine steigen rascher zu Kopf. Untersuchungen zeigen, dass das Kohlendioxid der Bläschen den Alkohol einen Tick schneller in die Blutbahn bringt.

Kalt gestellt!

Die optimale Trinktemperatur für Champagner liegt bei 8 bis 10 Grad. Champagner liegt zudem lieber 10 Minuten im Eisfach als zu lang im Kühlschrank. Auch schockartiges Abkühlen (Frappieren) ist erlaubt: Dafür im Kühler viel Eis mit einer Handvoll Salz vermischen, das entzieht schneller Wärme als pures Eis.  

Alles Blender?

Wer zur Magnumflasche greift, ist kein Angeber, sondern kennt sich gut aus. Der Champagner ist harmonischer, da die Gärungsbedingungen besser sind. Mit der Magnum ist aber in puncto Geschmack der Höhepunkt erreicht. Alles andere ist dann wirklich Wichtigtuerei. Die Flaschengrößen haben übrigens so hübsche Namen wie Filette (0,375 l), Imperial (0,75 l), Magnum (1,5 l), Jeroboam (3 l), Rehoboam (4,5 l), Methusalem (6 l), Salmanazar (9 l), Balthazar (12 l), Nebukadnezar (15 l), Melchior bzw. Goliath (18 l).

Der richtige Dreh beim Öffnen

  1. Stanniolpapier mithilfe der Banderole oder mit einem Schnitt (Messer oder Korkenzieher) trennen, die obere Kappe lösen.
  2. Das Drahtkörbchen (Agraffe) an der runden Öse aufdrehen und öffnen, dabei mit dem Daumen den Korken festhalten. 
  3. Die Flasche im 45-Grad-Winkel halten, mit einer Hand den Korken fassen, mit der anderen die Flasche am Boden drehen.  
  4. Sobald der Korken sich bewegt, gedrückt kommen lassen, kurz vor dem Lösen an einer Seite anheben, bis ein leises Plopp ertönt.


Profi-Tipps

Klaus St. Rainer, „Goldene Bar“, München

„Mein Lieblings-Champagner: Belle Époque von Perrier-Jouët. Aber es gibt auch unter 15 Euro sehr guten deutschen Winzersekt, etwa den Rieslingsekt von Reichsrat von Buhl aus der Pfalz.“  

Uschi Prinzessin zu Hohenlohe-Oehringen, Eventmanagerin

„Fruchtig, trocken und unglaublich gut: der Rosé von Billecart-Salmon. Er hat wenig Kohlensäure, man kann viel davon trinken, ohne Kopfweh zu bekommen. Eine günstige Alternative? Ich hab einmal den von Aldi getrunken. War gar nicht schlecht.“

Hendrik Thoma, Master Sommelier

„Der Champagner Brut Les Clos von Laherte Frères ist ein eigenwilliges, aber köstliches Erlebnis. Der Blanc de Blancs von Larmandier-Bernier aus 100 Prozent Chardonnay schmeckt weinartiger, ist frischer und so gehaltvoll, dass er ohne die Süße vieler Cuvées auskommt. Für mich einer der besten Champagner.“

Unsere Top 3

Lanson White Label

Sensationelles Bouquet aus weißen Blumen und Früchten. Der Partyliebling!

Krug Grande Cuvée

Luxus pur! Kontrastreich und doch harmonisch. Hat das Zeug für Silvester zu zweit, Heiratsanträge perlen damit locker von den Lippen.

Bollinger Special Cuvée

Würzig, füllig. Perfekt für den Rutsch in kleiner Runde.