Die Daunenjacke

Wie konnte es nur so weit kommen?

Einmal übergestreift, erinnert man unweigerlich an den Michelin-Mann. Trotzdem wird seit 80 Jahren mit der Daunenjacke dick aufgetragen. Warum nur?

Rosa Daunenjacke von Alexander McQueen.

Jacke und Plumeau? Kann dank Alexander McQueen funktionieren.


1936

Herrlich, so ein Eisregen. Wenn die Winterwasserkörner einen treffen wie Stecknadelstiche. So lange, bis eine dünne, knackende Eisschicht den Körper Magnum-Double-Caramel-mäßig ummantelt. Dieser Gruß von Frau Holle überrascht Unternehmer Eddie Bauer bei einem Angelausflug nahe Seattle. Blaulippig und halb erfroren hält ihn nur ein Gedanke warm: eine Jacke, gefüllt mit Gänsedaunen, das wär’s jetzt. Wieder aufgetaut, entwickelt Eddie Bauer die „Skyliner“, eine Jacke, die Wärme speichern, Wasser abweisen und federleicht sein soll. Sein revolutionäres Anti-Frostbeulen-Modell mit der rautenförmig gesteppten Naht, die die Daunen gleichmäßig im Futter verteilt und fixiert, lässt er 1940 patentieren. Das Teil wird zur Outdoor-Uniform.

1986

Im „Panino“, einem kleinen Bistro in Mailand, trifft sich Anfang der 80er das italienische Pendant der deutschen Popper: die paninari. Sie tragen hochgekrempelte Jeans, Boots, Poloshirts und – Daunenjacken. Weit weg von Pisten und Gletscherspalten eine stilistische Totalentgleisung, bis die Pet Shop Boys eben jenen Look 1986 enthusiastisch besingen: „Armani, Armani, ah-ah-Armani, Versace, cinque, Paninaro, Paninaro, oh, oh, oh.“ Sinnfrei, aber hymnisch.

Daunenjacke Skyliner.

Ein Lebensretter: Eddie Bauers Daunenjacke „Skyliner“ ist der Anfang einer Ära.


2000

Neben Tierschützern hat die Daunenjacke vor allem ein Problem: die Passform. Hat man sie einmal übergestreift, erinnert man unweigerlich an den Michelin-Mann. Moncler versucht deshalb, schmal auf Taille zu schneidern. Peuterey zurrt einen Gürtel drumherum, der dem figurkillenden Wattebausch so etwas wie eine schmeichelnde Silhouette verpassen soll. Und Woolrich säumt die Kragen mit Pelz, um die optische Verfettung gleichmäßig nach oben zu verteilen. Die vollgepackte U-Bahn sieht seither aus, als ob Polarforscher zur Expedition (ins Büro) aufbrechen.

Heute

Die prall gebotoxte Society-Lady trägt ihre glänzende Eiderenten-Daune in St. Moritz ebenso spazieren wie die acrylbenagelte Vorstadt-Tussi ihre Vollplastik-Garnitur. So stromern eigentlich zierliche Damen mit der Anmut eines Wombats um Glühweinstände und durch Einkaufspassagen. Sarah Burton vom Label Alexander McQueen setzt noch eins drauf: Ihre Models sehen aus, als seien sie gerade aus dem Bett gestiegen – samt wallendem Plumeau. Praktisch, wenn man morgens nicht weiß, was man anziehen soll.


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