Die besten Biografien

Das Leben der anderen

Kleine Sinnkrise? Dann holen Sie sich Inspirationen in diesen Biografien von klugen Paaren, starken Frauen und außergewöhnlichen Teenagern.

Veröffentlicht am 07.07.2017
Buchcover von Biografien.


Die Kanzler und ihre Familien

Jochen Arntz, Holger Schmale, DuMont, 22 Euro

Um wen geht’s?
Eine Biografie der BRD von Adenauer bis Merkel, die der Frage nachgeht, wie der familiäre Background der Kanzler das gesellschaftliche Klima des Landes verändert hat. Denn: Das Private ist politisch, schreiben sich die beiden Autoren auf die, ja, Fahne.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Zeitgeschichte als Familiengeschichte – eine smarte Idee. Was man da alles erfährt, beim Blick durch das Schlüsselloch der Republik. Kleine Komödien reihen sich an Tragödien. Etwa Walter Kohl, der als Kind verstört die Diskussionen um die Höhe des Lösegelds verfolgte – für den Fall einer Entführung („maximal 5 Millionen“).

Wer sollte es lesen?
Menschen, die sich für die Frage interessieren, wie wir wurden, was wir sind.

Die Kanzler und ihre Familien.


Zuhause

Daniel Schreiber, Hanser Berlin, 18 Euro

Um wen geht’s?
Aufgewachsen als schwuler Junge in einem mecklenburgischen Dorf, lebt Daniel Schreiber später in London, New York, Berlin und fragt sich, wo man in dieser globalisierten Welt eigentlich zu Hause ist.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Daniel Schreiber kann fabelhaft erzählen, sein Essay „Nüchtern“ über seine Alkoholsucht hat selbst Leser begeistert, die nie einen Tropfen angerührt haben. Jetzt liefert er eine Mischung aus Psychoanalyse, soziologischem Exkurs und Familiengeschichte.

Wer sollte es lesen?
Wer oft umgezogen ist und sich manchmal ein bisschen fremd im eigenen Leben fühlt.

Cover Zuhause.


Menschenskind

Dagmar Manzel, Aufbau, 19,95 Euro

Um wen geht’s?
Dagmar Manzel ist zwar nicht so präsent wie die Berben-Furtwängler-Neubauer-Fraktion, gehört aber zu Deutschlands vielseitigsten Schauspielerinnen (Franken-„Tatort“!). Bereits als Kind dirigiert sie vor dem verspiegelten Wohnzimmerbuffet Beethovens Fünfte.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Weil hier eine berufstätige Mutter nicht nur von der Kunst erzählt, sondern von Krankheit, schlechtem Gewissen, eben von beruflichen und privaten Tiefpunkten. Nette Idee: aus einem langen Interview ein Buch zu machen, weil Dagmar Manzel erfrischend ehrlich antwortet.

Wer sollte es lesen?
Starke Frauen – und solche, die es werden wollen.

Cover Menschenskind.


Alles außer gewöhnlich. Aufgewachsen im Chelsea Hotel

Nicolaia Rips, Nagel & Kimche, 20 Euro

Um wen geht’s?
Nicolaia ist selbst für New York ein ungewöhnliches Kind: Mit ihren Künstlereltern wohnt sie im „Chelsea Hotel“, umgeben von skurrilen Gestalten. Jetzt hat sie mit 18 ihre Story als Buch veröffentlicht.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Egal, wie mies es läuft – Humor hilft immer. Nicolaia wird zur Außenseiterin abgestempelt und beschreibt die irrwitzigen und absurden Momente dieser Situation. Ihr Vorbild ist Groucho Marx, der mal sagte: „Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.“ Nicolaia zeigt, dass Selbstironie souverän macht.

Wer sollte es lesen?
Alle, die sich ab und zu anders als die anderen fühlen – und darin keine Schwäche sehen wollen. Außerdem schärft das Buch den Blick für das Absurde im Alltag. Schön!

Cover Alles außer gewöhnlich.


How to Murder Your Life. Selbstporträt eines Hochglanzjunkies

Cat Marnell, Rowohlt, 12,99 Euro

Um wen geht’s?
Das Enfant terrible der New Yorker Partyszene: Cat Marnell schreibt für Hochglanzmagazine – wenn sie es aus dem Bett schafft. Denn Cat ist drogen- und tablettensüchtig.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Es sind im Grunde zwei Bücher in einem – weil Cat in zwei Welten lebt. Im schönen, gesunden, taufrischen (ihr Lieblingswort) Glamour-Kosmos der Hochglanzmagazine. Und in der kaputten, abgefuckten Drogenszene der Stadt. Entsprechend gewaltig war das Medienecho beim Erscheinen des Buches in den USA.

Wer sollte es lesen?
Magazinjunkies? Nein, im Ernst: Das Thema muss man mögen. Viel Erleuchtung bringt das Buch ehrlich gesagt nicht. Dann lieber „Panikherz“ von Stuckrad-Barre lesen.

Cover How to Murder Your Life. Selbstporträt eines Hochglanzjunkies.


Maria Theresia. Die Macht der Frau

Élisabeth Badinter, Zsolnay, 24 Euro

Um wen geht’s?
Maria Theresia von Österreich, geboren vor ziemlich genau 300 Jahren, wurde mit nur 23 Jahren zur Königin gekrönt. Ohne auf diese Rolle je vorbereitet worden zu sein, beherrschte sie halb Europa und war gleichzeitig Mutter von 16 Kindern.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Überraschend zu lesen, dass Maria Theresia die Mutterrolle nicht an der Machtausübung hinderte, sondern sie diese sogar dabei nutzte. Badinter zeichnet mit ihrem feministischen Blick auf die Geschichte ein anregend geschriebenes Porträt einer klugen Frau, die erfolgreich Macht und Herzenswärme zu verbinden wusste.

Wer sollte es lesen?
Working Moms, denen es an role models fehlt. Wer sagt, dass man nicht im Kleinen und im Großen regieren kann?

Cover Maria Theresia. Die Macht einer Frau.


Ninon und Hermann Hesse. Biographie eines Paares

Gisela Kleine, Insel, 16,95 Euro

Um wen geht’s?
Einerseits geht es um den eigenbrötlerischen Steppenwolf Hermann Hesse. Mehr aber noch um seine dritte Ehefrau Ninon, 18 Jahre jünger und schwer damit beschäftigt, sich einen halbwegs gleichwertigen Platz neben seinem Spätwerk zu erkämpfen.

Warum lohnt sich die Lektüre?
Auch wenn man heute den Kopf schütteln möchte über die junge Frau, die einem narzisstischen Eremiten zuliebe die eigene (archäologische) Karriere vernachlässigt: Nach der Lektüre ist man wieder versöhnt. Ninon machte Hermann Hesse erst zu Hermann Hesse. Das wusste sie. Und er wusste es auch. Eine Liebe, wie sie im Buche steht.

Wer sollte es lesen?
Kluge Frauen, die neben ihren klugen Männern manchmal den Verstand verlieren könnten und trotzdem zu Recht ihre Liebe retten – bis das Herz gesundet.   

Cover Ninon und Herrmann Hesse. Biographie eines Paares.