Neue Wellness-Trends

Die kleine Spa-Revolution

Sauna, Massage und ein heißes Bad mit Rosenblüten? Wellness bedeutet inzwischen viel mehr. Die drei großen Trends und spektakuläre Behandlungen.

Veröffentlicht am 25.10.2016


Das Wort „Wellness“ löse im weiblichen Gehirn ähnliche Reaktionen aus wie guter Sex, will das Rheingold Institut herausgefunden haben. Kein Wunder also, dass Urlaub im Spa boomt: Die Zuwachsraten liegen bei sieben Prozent. Das darf auch was kosten: Wellness-Reisen sind dreimal so teuer wie ein normaler Urlaub. Allein in Deutschland haben sich knapp 1350 Hotels „Wellness“ über das Portal geschrieben. Für das Hochgefühl beim Gast reichen ein bisschen Sauna und Hot-Stone-Massage allerdings nicht mehr aus. Die drei wichtigsten Trends: Behandlungen werden auf jeden individuell zugeschnitten oder fördern nachhaltig das Wohlbefinden von Körper und Seele – und sogar Sex ist im Spa plötzlich ein Thema. 

1. Spa nach Maß 

Vorab-Checks sorgen dafür, dass jeder Gast genau die Behandlungen bekommt, die ihm guttun. Vier besonders ungewöhnliche Analysen:

Lebensfeuer-Messung

Mit diesem Verfahren erkennt man körperliche, geistige, emotionale und sozi-ale Befindlichkeiten. Dafür wird ein streichholzschachtelgroßes Mini-EKG- Gerät auf den Oberkörper geklebt, das über eine Dauer von 24 Stunden die so-genannte Herzratenvariabilität aufzeichnet. In dieser Zeit entstehen über drei Millionen Daten, die in einem „feuerähnlichen“ Diagramm dargestellt werden. Je intensiver die Farben (Blau, Rot, Gelb) und je höher die „Flammen“, umso vitaler, jünger oder durchtrainierter ist jemand. Schwaches Feuer deutet dagegen auf reduzierte Power, Erschöpfung oder Krankheit hin. Je nach Diagnose wird ein spezielles Programm angeboten.  

Wer es anbietet „Ritzlerhof“ in Sautens, Tirol, ein Solitär in alpiner Natur. 

Der Blutgruppen-Check

Um das Immunsystem zu stärken und den Energielevel anzuheben, werden Behandlungen genau auf die jeweilige Blutgruppe abgestimmt. Für Blutgruppe A etwa sollen Bergamotte, Grapefruit und grüner Tee gut sein, man bekommt also eine klärende Grünteemaske mit Früchten und Honig oder eine Anti-Stress-Massage mit Grapefruit-Öl und Kräutern zur Unterstützung des Stoffwechsels. Ob das wirklich funktioniert, ist noch nicht bewiesen.

Wer es anbietet Das „Sri panwa“ auf Phuket, Thailand, streichelt die Seele mit spektakulären Sonnenuntergängen.   

Entspannung je nach Gefühl

Per Intuition wird beim „Moods“-Programm die anschließende Behandlung ermittelt. Dafür greift man in eine „Sensual Box“, die u. a. mit Holzstücken, Steinen und Rosenblättern gefüllt ist, riecht an verschiedenen Ölen – und entscheidet sich spontan für ein Treatment, das einem zu diesem Zeitpunkt guttut. Fünf Themenbereiche stehen zur Auswahl: Wer Action will, braucht womöglich „Muscle“ mit einer anregenden Kräuterpackung und einer leistungssteigernden Majavascript:void('h1')ssage. Bei „Energy“, „Brain“, „Love“ oder „Soul“ sehen die Rituale entsprechend anders aus.

Wer es anbietet Die „Forsthofalm“ in Leogang, Pinzgau, setzt seit Juli auf das neue Gefühlskonzept.  

Körperkompositions-Messungen

Bei der „Body Composition“-Analyse wird zweimal Strom durch den Körper geleitet (man merkt nichts) und der Widerstand ermittelt. Anschließend wird am Computer alles sichtbar: Fett-, Knochen- und Muskelmasse, BMI, Wasseranteil, metabolisches Alter, der tägliche Kalorienbedarf und das Viszeralfett,
das für Herz und Kreislauf gefährlich werden kann.  

Wer es anbietet Das „Hotel Jungbrunn“ im Tannheimer Tal, wo nach TCM behandelt wird.  

2. Medical Spa 

Ganz ohne Terminvergabestress konsultiert man in Hotels mit Medical Spa den Physiotherapeuten, Psychologen, Arzt oder Beauty-Doc.

Schlafprogramm

Die innere Uhr ist aus dem Takt? Schlafforscher Dr. Michael Feld hat als Teil seines „Chrono Health“-Konzepts das angenehme Kurzprogramm „Deep Sleep“ entwickelt. Gestartet wird mit einem Nickerchen in der „Power-Nap-Lounge“, abends gibt es reine Berghöhenluft aus einer Atemmaske, im Bett liegt ein Soundkissen, aus dem „binaurale Beats“ säuseln. Die Töne synchronisieren die Gehirnhälften und entspannen.

Wer es anbietet Schlafen lernen kann man im „Swissôtel“ am Kurfürstendamm, mitten im betriebsamen Berlin. 

Gehirntraining

Eine Woche im Zeichen von Anti-Aging, das kennt man. Beim „Brain Health“-Programm dreht sich alles ums Gehirn. Vorträge und Workshops werden mit dazu passenden Fitness- und Entspannungsübungen kombiniert. Therapeuten analysieren die Gedächtnisleistung, zeigen Wege für konzentrierteres Denken, eine positive Grundstimmung und erhöhte Aufmerksamkeit. Ein gutes Investment. 

Wer es anbietet Das „Kaplankaya“ im türkischen Bodrum, der erste europä-ische Ableger der legendären amerikanischen „Canyon Ranches“. 

Kopf-Kur 

Die Erlösung für alle Migräne- und Kopfschmerzgeplagten heißt „Cranial Relief“. Meditation, Übungen zur Entspannung der Kiefer- und Gesichtsmuskulatur, ein abgestimmter Diätplan sowie Physiotherapie und Akupunktur sind ein sanfter Mix, der innerhalb von einer Woche nachhaltig Erleichterung verspricht. 

Wer es anbietet Die tempelartige Anlage des „Chiva-Som“ im thailändischen Hua Hin. P.S.: Das Hotel liegt an einem Traumstrand und gehört zu den weltbesten Health-Resorts. 

Infusionen

In Drip Spa“ hängt man 30 Minuten am Tropf. Der Gedanke dahinter: Alles was oral eingenommen wird, kann nur zu rund 35 Prozent verwertet werden. Vitamine und Co. hingegen, die direkt in der Blutbahn landen, nimmt der Körper zu 100 Prozent auf. 

Wer es anbietet Das Hamburger „Livion Healthcare Center“ hat elf verschiedene Infusions-Cocktails im Angebot, u. a. „Anti-Aging“, „Burnout“, „Hang--over“ und „Libido“. 

Burnout-Prophylaxe

Eine Auszeit auf der Gold-QuarzsandLiege wirkt als Allround-Therapie und wird sogar in Kliniken bei Burnout-Patienten eingesetzt. Die 37 Grad warmen Kristalle lösen Muskelverhärtungen und seelische Verspannungen. Dabei liegt man bequem auf vergoldetem Quarzsand, was eine optimale Druckentlastung und Tiefenentspannung mit sich bringt.

Wer es anbietet Der „Preidlhof“ bei Meran, Südtirol, liegt idyllisch inmitten von Weinbergen und Olivenbäumen. 

3. Sexual Well-being 

Wenn gestressten Paaren ein paar Tage in herrlicher Natur und verführerische Wellness-Küche nicht ausreichen, um das Liebesleben zu beflügeln, empfiehlt es sich, den aktuellen Trend auszuprobieren, nennt sich sexual well-being.

Verbindungsaufbau

Beim „Couples Connect Retreat“ kreist alles ums Sakralchakra, den Sitz der Lebenslust und Emotion. Mit Yoga, Meditationen und Spa-Ritualen wird die
Körperwahrnehmung verbessert, damit Paare wieder ein Gespür für Sinnlichkeit bekommen. Stimulierende Massagen sollen das Ganze vertiefen.

Wer es anbietet Romantik kommt im „Four Seasons Landaa Giraavaru“ auf den Malediven eigentlich von allein auf. Die Retreats der Paartherapeuten Denise und John Leicester finden im Juli und Oktober statt.  

Paar-Ritual

Nu suun vair (wahrer Sound) wurde von Dr. Gianni Rotondo entwickelt. Nur sieben Prozent unserer Kommunikation sind verbal, weiß der Psychologe und Musiktherapeut, der Paaren beibringt, ganz ohne Worte miteinander zu kommunizieren und gleichzeitig das gegenseitige Verständnis zu vertiefen. Zum Schluss werden die Akupressurpunkte an Kopf und Füßen „auf Liebe eingestellt“.

Wer es anbietet Kerzen illuminieren jeden Abend das „Borgo Egnazia“, ein kleines Hoteldorf in Apulien.