Die neue Sex-Technik

Mehr Spaß im Bett mit Tracking?

Alles wird gemessen und optimiert – sogar die Lust. Unsere Autorin hat zusammen mit ihrem Mann drei Sex-Tracker ausprobiert.

Veröffentlicht am 02.10.2017

Wie war ich, Schatz? Frag die App, die weiß es besser.


Die App

„S-Log“ ist ein „Sex Activity Tracker“, die App soll für mehr Spaß im Bett sorgen. Na dann!

Wer seine Lust vermessen will, findet im App Store zwischen schmierigen Angeboten wie „Pimp Your Sex Life“ auch „S-Log“. Diese Gratis-App zeichnet Daten eigenständig auf, die Funktionen sind selbsterklärend, nur optisch ist sie so stimulierend wie ein Blutdruckmessgerät. Der Clou: Nach dem Download wird das Smartphone zum Messgerät. Die App analysiert Dauer, Bewegungen und Geräusche und erstellt daraus eine Statistik. Wer eintippt, mit wie vielen Partnern (oder Partnerinnen) er in der Kiste gelandet ist und welche Punktzahl der Akt jeweils verdient hat, soll daraus schließen können, dass...ja, was eigentlich? Wir probieren’s aus. Nachdem uns die App noch schnell einen Werbespot für Mikrofaser-Schwämme aufzwingt (heiß!), hakt die Stoppuhr. Noch mal downloaden. Die Zeit läuft, wir sollen das Telefon neben uns legen und vergessen. Zu dumm, dass die Bewegungs- und Geräuschkurven nur reagieren, wenn wir förmlich draufliegen. In ständiger Sorge, das Display versehentlich zu berühren und die „Session“, wie „S-Log“ jede Sex-Einheit nennt, mit dem Knie zu beenden, schieben wir das iPhone hin und her. „Vorsicht!“ „Bin ich dran gekommen?“ Das Gerät fügt sich so nahtlos in unser Liebesspiel ein wie ein 13 x 6 Zentimeter kleiner Spanner. Oder eine Katze, die uns vom Bettrand aus beobachtet. Nach zwölf Minuten, so viel wissen wir danach immerhin, hat das Gehampel ein Ende. Laut „S-Log“ haben wir Geräusche produziert, aber keine Bewegung. Finde ich beschämend, obwohl die App ja lügt. Weil ich mich unweigerlich frage, wer bei den Ergebnissen mitliest, trage ich nur den Vornamen meines Partners ein, bewerte unseren Sex mit sechs von zehn möglichen Punkten – was weniger mit uns als mit „S-Log“ zu tun hat. Auch bei weiteren Versuchen ist die App eher Hemmschuh als Anheizer. Sie zählt unsere „Zusammenkünfte“, deren Dauer und liefert ein paar abstrakte Kurven. Von diesen Daten, dämmert uns, haben andere aber deutlich mehr als wir. Und uns wird klar, dass wir besseren Sex haben können – wenn wir „S-Log“ wieder löschen.

Fazit: Stört mehr, als es bringt. Aber man lernt den Sex ohne Tracker echt zu schätzen!

„Wearables“ trägt man eng am Körper, sehr eng.


Der Zählring

Soll die Lust richtig anheizen: der „Zählring“ von Happy Lola (7,10 Euro, z. B. über eis.de).

Der „Zählring“ tarnt sich als Frauenfreund: Rosarot verpackt landet er im Briefkasten, in der Gebrauchsanleitung steht: „Männer lieben Wettkämpfe, und in Fällen wie diesem können wir Frauen davon profitieren.“ Den Wettkampf ums beste Design, so viel ist klar, gewinnt das Teil nicht: ein Penisring aus Gummi, versehen mit einer simplen Digitalanzeige. Um den Tasten-Aufdruck entziffern zu können, brauchen wir eine Taschenlampe. On/Off und Count/Cals/Time steht da – das Ding zählt Kalorien, Stöße und die verstrichene Zeit. Aber nicht gleichzeitig. Wir entscheiden uns zunächst für die Rubrik Stöße. Immerhin: Der Zählring ist so benutzerfreundlich wie ein Kondom und auf Knopfdruck startklar. Innerhalb der nächsten zwölf Minuten, die ja laut App „S-Log“ von uns zu erwarten sind, gerät er völlig in Vergessenheit. Schon besser, denken wir – und werden wieder enttäuscht: elf Stöße. Behauptet der Ring – und unterstellt uns die erotische Performance eines Zweifingerfaultiers. Kalorien zählen? Sparen wir uns. Dass das Ding unterirdische Ergebnisse dokumentiert, könnte natürlich auch Masche sein. „Wenn ihr Buch führt, wird er sich so gekränkt fühlen, dass es danach praktisch unmöglich ist, ihn wieder aufzurichten. Also: positive Daten!“, heißt es auf der Website. Aha. Der „Zählring“ ist eher Scherzartikel als Tracking-Tool. Dafür spricht, dass er bei uns nicht mal zwei Tage überlebt. Von wegen elf Stöße.

Fazit: Guter erster Eindruck – das war’s auch schon. Anders als wir ermüdet das Material sofort. Also: weg damit.

Kann auch vibrieren: der Penisring „Lovely“.


Die Lustmaschine

„Lovely“ ist eine App plus Penisring, der vibrieren kann (um 150 Euro, ourlovely.com).

Es gibt sie also doch: Sex-Tracker, die (zumindest optisch) etwas hermachen. „Lovely“ ist Sextoy und Messgerät in einem und landet nicht in der Shaming-Schublade, sondern auf unserem Nachttisch. Nachdem das Gadget per Ladegerät aufgetankt und die dazugehörige App heruntergeladen ist, erklärt sich der Rest fast von selbst: „Lovely“ ist ein ovaler Kunststoffring für den Penis und hat einen ähnlichen blutstauenden Effekt. Netterweise soll der integrierte Vibrationsmodus dafür sorgen, dass alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen – obwohl laut Hersteller vor allem die Messfunktion als Dienst am Liebespaar zu verstehen ist. Wie das? „Lovely“ misst Dauer, Stellungswechsel und verbrauchte Kalorien, übermittelt alle Daten an die zugehörige App und analysiert, wo es Verbesserungsbedarf gibt. So weit so theoretisch. „Am Mann“ wirkt das Teil erst mal angsteinflößend groß. Und wir fragen uns, ob es nicht nur Zahlen generiert, sondern auch Schmerzen zufügt. Ist Quatsch und dank anschmiegsamer Oberfläche – die übrigens auf erstaunliche Weise an die eines erigierten Penis erinnert – spüre ich von „Lovely“ nicht viel. Von der angepriesenen Vibration allerdings auch nicht. Mein Mann meint immerhin anschließend: Doch, hat was. Nachdem wir das Gerät beiseitegelegt haben, übermittelt es per Bluetooth unsere Daten. Und wir sind überrascht: Es funktioniert! Die App zeigt nicht nur an, wie viel Zeit wir uns genommen und wie viele Kalorien wir dabei verbraucht haben, sie verrät auch, mit wie viel km/h und g-Kraft wir uns geliebt haben (119 und 2,87, um mal ein bisschen anzugeben). Auch die Anzahl der Positionswechsel stimmt, obwohl „Lovely“ natürlich nicht erkennen kann, für welche Stellungen wir uns entschieden haben. Nachdem wir die fehlende Info ergänzt haben, wird uns tatsächlich ein Verbesserungsvorschlag unterbreitet: Die Lotus-Position, meint die App, sei pures Gold und die bessere Wahl fürs nächste Mal. Fragt sich nur: Brauchen wir das? Nach drei getesteten Sex-Trackern wissen wir mehr über uns, aber immer noch nicht, was uns das nützen soll. Länger, schneller, effizienter – wenn grandioser Sex eine Frage von Höchstleistungen ist, mag so ein Tracking-Tool sinnvoll sein. Wer sich, wie wir, aufs gute Gefühl verlässt, liebt wohl besser ohne.

Fazit: Misst ordentlich, macht sogar Spaß und gibt sinnvolle Tipps. Ziemlich heiß, wenn man Technik im Bett mag.