8 schlimme Tinder-Dates

The Dateful Eight

Manche finden auf Tinder die große Liebe. Die meisten finden schräge Typen. Wir haben acht kuriose Tinder-Verabredungen gesammelt.

Veröffentlicht am 13.05.2017
Bringt Tinder die große Liebe?


1. Der mit der Wohnung

In Düsseldorf hatte ich ein Match mit Fabian, groß, lustig, Locken. Wir trafen uns auf dem Markt. Er war kauzig, aber irgendwie mochte ich das. „Kommst du mit zu mir?“, fragte er nach zwei Stunden, und ich sagte Ja. In der Tram druckste er plötzlich rum, er müsse mir etwas sagen – er kiffe. Ich musste lachen. Ja und? Was er damit meinte, begriff ich erst, als wir in seiner Wohnung standen: überall Papierberge, Dreckwäsche, verkrustete Töpfe. Es roch nach Essensresten und kaltem Rauch. An der Wand stand eine Matratze, schimmelig. Natürlich hätte ich einfach gehen können, aber der Typ faszinierte mich. Wir setzten uns aufs Sofa, knutschten, doch ich konnte den Dreck nicht ausblenden. Dann musste ich auf die Toilette und dachte, besser nicht hier. Das habe ich auch so gesagt. Also hat er die Toilette für mich geputzt und mich danach verabschiedet. Wir haben uns wiedergesehen, bei mir, bei ihm. Seither erinnert er mich immer daran, locker zu bleiben – und ich ihn daran, aufzuräumen.

Marie, 30, Sportreporterin

2. Der mit der Dorade

Die Trennung war noch frisch. Meine Freundinnen meinten, Tinder würde mich auf andere Gedanken bringen. Johann war mein erstes Match, Unternehmensberater, wahnsinnig seriös. Wahnsinnig gut aussehend. Wir erwischten uns in einer arbeitsintensiven Phase, er war unter der Woche ausgebucht, ich an den Wochenenden. Zwei Monate lang trafen wir uns deshalb jeden Donnerstag bei „unserem“ Italiener, sprachen über Politik, die Arbeit, Gott und die Welt, lachten. Ich fragte ihn, warum er nie was trinke. Er sagte: „Wer soll dich denn sonst nach Hause fahren?“ Ich verliebte mich in diesen Satz. Die Dates waren unverbindlich, sie waren schön, genau das, was ich brauchte. Wir schmiedeten Pläne für das nächste freie Wochenende: endlich über Nacht bleiben, gemeinsam auf den Markt gehen, er wollte Dorade für mich kochen. Dann nahten ein freier Samstag und Sonntag, wir hielten beide Tage fest. Am Freitag schickte ich ihm meine Vorschläge: gemeinsam aufwachen, Kaffee, Markt, die Dorade. Er antwortete nicht. Nie mehr. Ich hatte schon viel über ghosting gelesen, wollte aber nicht glauben, dass es mir passiert – und wie weh es tut.

Rosa, 31, Doktorandin

3. Der mit der Insel

Sein Profilbild hätte mich misstrauisch machen sollen: zu dunkel. Der Typ kaum zu erkennen. Aber er schrieb so nett. Also haben wir uns getroffen. Kein schöner Mann, klein, mit Mondgesicht. Verstörend aber war seine Selbstvermarktung: Er hätte eine Rohstoffinsel gekauft, vor Alaska. Außerdem teste er gerade ein Diabetes-Medikament unter ärztlicher Aufsicht, und dieses Medikament verhindere, dass er altere. Oder zunehme. Als unser Essen kam, meinte er, er müsse telefonieren, und hauchte in den Hörer: „Hallo, Süße.“ Mir fiel fast die Gabel aus der Hand. Er akzeptierte, dass wir uns nicht wiedersehen würden, bat mich aber darum, „seinen Auftritt zu bewerten“: Er sei doch eigentlich ein ziemlich cooler Typ, oder?

Johanna, 41, Grafikerin

4. Der, der schnell nackt war

Er schlug vor, mit einer Flasche Wein zu mir zu kommen, und ich wusste, dass das ein Code für „Lass uns Sex haben“ war. Obwohl er beteuerte, er stehe nicht auf One-Night-Stands. Ich beteuerte dasselbe, trotzdem gab ich ihm meine Adresse. Wir leerten die Flasche und fingen an, uns zu küssen. Er war viel schneller nackt als ich und meinte nach fünf Minuten, dass das doch auch ohne Kondom gehe. Dass wir es so oder so nicht brauchen würden, hatte selbst er nicht kommen sehen: Er kam, zu früh, auf mein neues Kleid. Genauso schnell, wie er nackt war, zog er sich wieder an und schlug vor, später noch mal wiederzukommen. Er kam aber nicht mehr. Weder so noch so.

Martina, 35, Journalistin

5. Der mit den tanzenden Delphinen

Bei unserem ersten Treffen haben David und ich Literatur-Pingpong gespielt, wir haben uns Zitate zugerufen und geguckt, ob der andere den Ball zurückspielen kann – ein wirkliches Match! Schnell haben wir uns täglich auf WhatsApp geschrieben, bevor eine Pause entstehen konnte, hatte er schon tanzende Delphine geschickt. Insgesamt haben wir uns sechsmal getroffen, ich war oft auf Reisen und habe Fotos geschickt, kurze Nachrichten. Umgekehrt habe ich es geliebt, seine Alltagsbeobachtungen zu lesen. Ich habe mir eine Brille gewünscht, durch die ich die Welt hätte sehen können wie er. Selbst in schmuddeligen Ecken konnte er etwas Schönes entdecken. Irgendwann habe ich ihn begehrt, ich wollte, dass unsere Nähe körperlich wird. Das habe ich ihm gesagt, und er hat geantwortet: „Klar können wir knutschen, aber dafür bist du mir zu wichtig.“ Von einem Tag auf den anderen ist der Kontakt abgebrochen. Er fehlt mir bis heute.

Anne, 26, Werbetexterin

6. Der mit den Tattoos

Ich hatte schon immer ein Faible für raue Typen. Mark war muskulös, undurchdringlicher Blick, das mochte ich. Er schrieb nüchterne kurze Sätze, ein Mann der Tat. Als Treffpunkt schlug er den Hamburger Rathausmarkt vor, danach setzten wir uns in ein Café. „Ganz schön viele Tattoos“, sagte ich. Mark antwortete, er habe ja auch lange gesessen. Ich wusste nicht gleich, ob das ein Scherz war. War’s nicht. Mark hatte mit einem Kumpel Autos geklaut und eine Bank ausgeräumt. Später sei er mit der Wärterin durchgebrannt, dafür hätte es ein paar Jahre extra gegeben. Aber das sei nun vorbei, er wolle ein solides Leben beginnen. Mit mir könne er sich das gut vorstellen. Zum Glück kam gerade mein Himbeertörtchen, mit vollem Mund spricht es sich schlecht. Als ich es aufgegessen hatte, erklärte ich ihm, dass ich mir unsicher sei, ob unsere Vorstellungen von „solide“ übereinstimmten. Ich wünschte ihm alles Gute, legte zehn Euro auf den Tisch und flüchtete.

Franziska, 38, Gastronomin

7. Der Freund der Mutter

Er nannte sich Don Giovanni, spielte den Verführer, wurde schnell konkret und wollte mich zum Sex- Chat bewegen. Darüber musste ich lachen, ich fragte ihn nach seinem echten Namen. Den gab ich bei Facebook ein und weil er ungewöhnlich ist, fand ich sein Profil. Wir hatten eine gemeinsame Freundin: meine Mutter!

Paula, 45, Lektorin

8. Der mit den sechs anderen Frauen

Meine Cousine meldete mich auf Tinder an. Das einzige interessante Match gab es mit Frank, weil er gleich alles von mir wissen wollte. Wir trafen uns im Restaurant, zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich nicht aufessen, so nervös war ich. Bis vier Uhr morgens dachte ich, meine Mutter hätte das „Versteckte Kamera“-mäßig inszeniert, weil ich nicht glauben konnte, dass es solche Männer gibt. Ein halbes Jahr lang schrieben wir uns jeden Tag, trafen uns. Sex gab es nicht. Er sagte, er wolle warten, bis er sich ganz sicher ist. Im Büro sprach ich mit meinen Kolleginnen darüber, bis Kollegin A sagte: „Hast du gesehen? Der Frank likt die Instagram-Bilder von Kollegin B.“ Also sprach ich B darauf an, ob es sein könne, dass wir denselben Typen treffen. Bingo. Sie waren noch am selben Abend verabredet. Kollegin C stand neben uns, wedelte mit dem Handy und fragte: „Der Frank? Von der Versicherung?“, und zeigte mir ihre Match-Liste. Außerdem träfe sich ihre beste Freundin mit ihm. Da wartete ich eigentlich nur noch darauf, dass meine Mutter mit der versteckten Kamera die Teeküche stürmt. Tat sie nicht. Am Abend erzählte ich einer Freundin, wie verrückt das alles sei. Es wunderte mich kaum noch, als sie damit rausrückte, eine Freundin von ihr treffe den Versicherungs-Frank ebenfalls. Am Wochenende sah ich ihn zufällig beim Eisessen. Natürlich mit einer Frau.

Luisa, 28, Fotografin