Literarischer Jahresrückblick

Die Top Ten der Bücher 2016

Wenn so viel gute Literatur auf den Markt kommt wie 2016, ist es schwer, sich für die zehn besten zu entscheiden. Ein Versuch (mit Lücken).

Collage aus den Top Ten-Büchern des Jahres 2016.

Das sind die 10 Besten aus dem Jahr 2016.


Beste Romane

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Die behutsam erzählte Geschichte von drei Geschwistern auf der langen Suche nach Geborgenheit ist nicht nur eine der besten des Jahres, sie ist eine der besten überhaupt. So voller feiner, warmer Sätze, mit denen man sich zudecken will. Einfach perfekt, nicht weniger.
Diogenes, 22 Euro

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

Was einen an der Hamburger Kriminalgeschichte nicht mehr loslässt, ist das verstörend mitfühlende Sezieren einer gefallenen Kiezgestalt: Frauenmörder Fritz Honka. Dazu kommt die Mischung aus Angst und perverser Faszination für jede neue Seite. Todtraurigkomisch, sprachlich brillant!
Rowohlt, 19,95 Euro

Benjamin von Stuckrad-Barre: Panikherz

Großartige Lebensbeichte eines großartigen Schriftstellers, die selbst Leser begeistert, die mit Abstürzen, Drogen und Entzugskliniken nichts am Hut haben. Am Ende kommt man nicht umhin, Udo-Lindenberg-Fan zu werden.
Kiepenheuer & Witsch, 22,99 Euro

Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe

Das Leben der Autorin war geprägt von Alkoholismus, Missbrauch, Drogen, Absturz. Diese Themen greift sie in ihren Kurzgeschichten auf, setzt dem Ganzen aber einen erfrischend lakonischen Ton entgegen. Wie sie in wenigen Worten alles zu sagen vermag, ist groß.
Arche, 22,99 Euro

Delphine de Vigan: Nach einer wahren Geschichte

Die Schreibblockade nach dem plötzlichen Ruhm: Schriftstellerin Delphine findet Halt bei einer neuen Freundin – und rutscht peu à peu in einen Strudel aus Täuschung, Kontrollverlust und Ohnmacht. Raffiniert, klug und atemberaubend spannend.
DuMont, 23 Euro

Juli Zeh: Unterleuten

Das Gesellschaftsporträt von Unterleuten, einem 200-Seelen-Kaff im Berliner Umland mit Alteingesessenen und zugezogenen Landlust-Hipstern, ist die gelungenste Sozialstudie seit Langem. Sie zeigt unterhaltsam ein entlarvendes Biotop der Neuzeit: viel Nebeneinander, wenig Füreinander.
Luchterhand, 24,99 Euro

Peter Stamm: Weit über das Land

„Wenn wir uns trennen, bleiben wir uns“, zitiert der Autor und meint: die Flucht aus der Liebe als Chance. Seine Hauptfigur, ein Familienvater, steht einfach auf – und geht. Dieses Buch ist eine stille Ode an das Verschwinden. Das Beste: Die Frage, wann sich Heimkehren lohnt, bleibt unbeantwortet.
S. Fischer, 19,99 Euro

Bestes Taschenbuch

Doris Knecht: Wald

Nach der Finanzkrise: Marian, früher Modedesignerin mit hippem Label und Leben, schlittert in die Insolvenz. Auf der Flucht vor den Gläubigern versteckt sie sich auf dem Land in einem alten, geerbten Häuschen. Genial beobachtet, großartig erzählt. Knecht eben.
rororo, 9,99 Euro

Bestes Kochbuch

Matthias F. Mangold: Das Prinzip Kochen

Selbst wer Gerichte aus dem Effeff beherrscht und in der Küche bereits einen Regalmeter Kochbücher stehen hat, wird von Matthias Mangold überrascht: moderne Optik, ungewöhnliche Ideen. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
Gräfe und Unzer, 24,99 Euro

Bestes Sachbuch

B. Schlei, U. Winterhager, T. Groß (Hrsg.): Köln

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute im Ruhrgebiet liegt? Der Architekturführer über die Domstadt wurde 2016 zum „Schönsten deutschen Buch“ gewählt. Zu Recht! Er erzählt die kleine Kölner Kulturgeschichte zwischen wunderbar detailreich gestalteten Seiten.
Verlag der Buchhandlung Walther König, 24,80 Euro


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