Digital Business

20 Frauen, die die Digitalbranche umkrempeln

Die Digitalbranche boomt. Warum das Feld aber nur Männern und Youngstern überlassen? Diese zwanzig Frauen über 40 krempeln das Digital Business um – mit Erfolg.

Veröffentlicht am 11.01.2017
Bild einer jungen Frau umkreist von verschiedenen, digitalen Bilder.

Frauen in der Digitalbranche: Unverzichtbar.


Julia Schössler, 44

Inhaberin der PR-Agentur Schoesslers

Status:
Hat den Markt im Blick. Ob Spotify oder Immobilienscout 24 – die Medienexpertin berät Big Player der Digitalwirtschaft in Sachen PR und Marketing. Als Professorin für Medienma­nagement bildet sie auch den Branchennachwuchs aus.

Ihr Motto:
In der Digitalwirt­schaft zähle vor allem Leis­tung, „egal ob von Frauen oder Männern“, sagt Schöss­ler, die in ihrer eigenen Agentur – aha – überwiegend Frauen beschäftigt.

Julia Derndinger, 40

Start-up-Gründertrainerin

Status:
Verhilft anderen zum Erfolg. Das US­-Fachblatt Bloomberg Businessweek nannte sie kürzlich die Thera­peutin der Berliner Start­-up­-Szene. Julia Derndinger selbst
bezeichnet sich als Sparrings­partner für Gründer, Unter­nehmer und CEOs, die bei ihr kompetente Rundum­-Bera­tung bekommen.

Ihr Tipp:
„Eine gute Idee löst ein Pro­blem, eine herausragende Idee noch mehr Probleme.“

Miriam Wolfarth, 46

Gründerin und Geschäftsführerin von RatePay

Status:
Allein auf weiter Flur. Als eine von wenigen Frauen im Fintech­-Bereich gründete die Vertriebsexpertin und Mutter vor sieben Jahren ihr Start­up.

Ihre Idee:
Online­ Shops unterschiedliche Zah­lungsmodelle zu ermöglichen – vom Lastschriftverfahren bis zum Ratenkauf. Inzwischen gehört RatePay zur Otto Group und arbeitet unter anderem für Germanwings.

Ihr Erfolgsrezept:
„Sich jeden Tag ein neues Ziel set­zen und es durch­ziehen.“

Swetlana Geisler-Reiche, 44

Gründerin und Geschäfts­führerin von Lensspirit

Status:
Sieht genauer hin. Ende der 90er­ Jahre gründet die damals 25­-Jährige ihren Versand­handel für Kontaktlinsen, heute ist er einer der führen­den Anbieter in Europa – mit gerade mal 45 Mitarbei­tern. Dafür wurde das Unter­nehmen 2014 von der EU­-Kommission als „Europe’s Digital Icon“ ausgezeichnet.

Ihr Erfolgsrezept:
Die zwei­fache Mutter legt Wert auf eine fami­liäre Unternehmens­kultur. Angestellte dürfen am Muttertag schon mal ihre Eltern mitbringen.

Franziska von Lewinski, 43

Digitalvorstand von Fischer Appelt

Status:
Die Frau für's Inhaltliche. Seit 2014 ist die Ingenieurin Vorstand bei Deutschlands erster Adresse für Content-Marketing. Wenn Marken wie BMW ihr Image aufpolieren wollen, klopfen sie bei ihr an.

Das Spannenste an ihrem Job?
„Durch die fortschreitende Digitalisierung gibt es ganz neue Möglichkeiten.“

Ihr Motto:
„Jede digitale Anwendung braucht eine emotionale Komponente, um erfolgreich zu sein. Wir sollten dieses Thema nicht den Männern überlassen.“

Britta Hilt, 48

Geschäftsführerin von Is Predict

Status:
Weiß, was die Zukunft bringt. Ihr Start-up begann als Feierabendprojekt. Inzwischen bietet die Informatikern ein ausgetüfteltes IT-Verfahren an, das Unternehmen mittels Datenanalyse hilft, vorausschauender zu arbeiten, um so zum Beispiel den künftigen Energieverbrauch genauer zu berechnen.

Ziel:
Mehr Effizienz, geringere Kosten.

Was sie sagt:
„Auch Männer sind froh, wenn Teams gemischt sind. So entsteht mehr Vielfalt und Kreativität.“

Claudia Helming, 42

Gründerin und Geschäfts­führerin von DaWanda

Status:
Die Pionierin. Eine Online-Plattform für Selbstgemachtes – Claudia Helmings Idee wird 2006 belächelt, was sich dank Kooperationen mit Obi und Vorwerk ändert. Heute beschäftigt DaWanda 200 Mitarbeiter aus 20 Nationen. Tja, wer zuletzt lacht ...

In ihrer Freizeit:
Näht und bastelt sie nicht, nein! Helming unterstützt die Rails Girls. Die Initiative führt junge Frauen ans Programmieren heran.

Birte Gall, 44

Berlin School of Digital Business

Status:
Gestaltet den Wandel. Nach Jahren als Führungskraft gründete die Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin mit über 40 die Berlin School of Digital Business – eine Akademie, die Unternehmen und deren Mitarbeiter fit macht für die digitale Zukunft. Deutsche Bahn und VW gehören genauso zur Kundschaft wie Ebay.

Größte Leidenschaft:
Neben der Digitalisierung? Sport. In ihrer Freizeit geht sie wandern, segelt und fährt Ski. So was nennt man wohl Powerfrau.

Alice Wiegand, 50

Stellvertreten­de Vorsitzende der Wikimedia Foundation

Status:
Offen für Neues. Absolviert nach dem VWL-Studium eine Schneiderlehre und zieht ein paar Jahre durch die Republik, bevor sie die IT-Abteilung der Stadt Meerbusch auf Vordermann bringt – was für ein Lebenslauf! 2004 ist sie beim Wikipedia-Start als Autorin dabei und verfasst zahllose Einträge, bevor sie 2008 in den Vorstand der Wikimedia Foundation eintritt.

Das Ziel:
Der freie Zugang zu Wissen für alle Menschen auf der Welt.

Ihr Motto:
„Offenheit führt zu Innovation.“ Digital und analog. Ihre persönliche Geschichte ist der beste Beweis.

Mira Mezini, 50

Informatikprofessorin an der TU Darmstadt

Status:
Auf der sicheren Seite. Wie lassen sich Daten vor unbefugtem Zugriff schützen? Logisch, durch Verschlüsselung. Die Leiterin des Fachbereichs Softwaretechnik an der TU Darmstadt entwickelt zuverlässige kryptografische Verfahren.

Beste Entscheidung:
Eigentlich wollte sie zu Hause in Albanien Elektrotechnik studieren – bis sie über den damals neuen Studiengang Informatik stolperte und sich spontan einschrieb.

Petra Vorsteher, 59

Smaato­-Mitgründerin und Mitglied der Geschäftsführung

Status:
Mobilisiert die Branche. Ihre Idee, Werbung aufs Smartphone zu bringen, klingt unspektakulär, war 2005 aber eine echte Innovation. Eine Erfolgsgeschichte: Smaato hat heute über 200 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Dieses Jahr ging das Unternehmen für – Achtung! – 148 Millionen Dollar an einen chinesischen Investor.

Was ihr wichtig ist:
„Die Förderung von Frauen. Ich bin stolz, dass fast 40 Prozent unserer Mitarbeiter weiblich sind.“

Laura Schulte, 48

Managing Director von windeln.de

Status:
Mommy’s Little Helper. Der Online-Shop für Babyprodukte zählt mit über 500 Mitarbeitern in zehn Ländern zu den Marktführern in Europa. Die Kunsthistorikerin verantwortet das operative Geschäft.

Was sie Frauen rät:
Die Mutter von zwei Töchtern bestellt Lebensmittel online und lässt sie zu sich nach Hause liefern: „Entlastet im Alltag, kann ich wirklich empfehlen.“

Susanne Gundlach, 55

Betreiberin des Blogs „Susie Knows ...“

Status:
Leistet Großes. Mit ihrem 2013 gegründeten Blog will die Journalistin kurvigen Frauen die Freude an Mode zurückgeben. Die zweifache Mutter trägt selbst Plus Size. Eine echte Mutmacherin.

Ihre Forderung:
„Schluss mit Frust! Es gibt eine modische Welt da draußen, und selbstverständlich auch in großen Größen!“

Stefanie Trzecinski, 44

Gründerin­ und­ Geschäftsführerin­ von­ Kopf,­ Hand­ +­ Fuß­

Status:
Lässt keinen zurück. Mehr als sieben Millionen erwachsene Analphabeten leben in Deutschland. Das 2010 gegründete Unternehmen der Sonderschulpädagogin und ehemaligen Microsoft-Managerin hat eine kostenfreie App entwickelt, die ihnen das Lesen und Schreiben beibringt.

Jüngstes Projekt:
Deutschlands erster barrierefreier Coworking-Space in Berlin.

Ihr Motto:
„Das Online-Business bietet die Chance, kreativ, innovativ und weltweit zu agieren. Das sollten wir nutzen.“

Sophie Rosentreter, 40

Gründerin­ von­ Ilses­ weite­ Welt

Status:
Kämpft gegen das Vergessen. Als 2010 Rosentreters demenzkranke Großmutter stirbt, entwickelt die Schauspielerin und Moderatorin mit Experten ein interaktives Beschäftigungskonzept für Demenzpatienten. Das mehrfach ausgezeichnete Programm hilft Erkrankten, mobil zu bleiben und sich, soweit möglich, an Schönes zu erinnern. Seit 2014 vertreibt die AOK das Programm.

Wichtigste Lektion:
„Sich Hilfe zu holen ist ein Zeichen von Stärke – nicht von Schwäche.“

Heike Scholz, 50

Strategiebe­raterin­ und­ Bloggerin

Status:
Ganz weit vorn. Sie schreibt schon über Digitalisierung, als viele den Begriff noch gar nicht kennen. 2006 gründet sie „Mobile Zeitgeist“, bis heute das führende Online-Magazin über Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Als Expertin für E-Commerce berät sie außerdem den Einzelhandel bei der digitalen Transformation.

Ihre Stärke:
Hatte früh den richtigen Riecher und überlässt das Feld nicht den Männern, auch wenn sie weiß: „Das Digitalbusiness hat ein Frauenproblem.“

Kixka Nebraska

Profilagentin

Status:
Holt das Beste raus. Die Expertin analysiert und optimiert digitale Profile von Privatpersonen und Organisationen (u. a. Goethe-Institut und Uni Hamburg). Daneben leitet sie Workshops für Medienprofis und hat den Verein Digital Media Women mitgegründet. Kixka Nebraska will kompetente Frauen in der Digitalwirtschaft sichtbar machen: „Viel zu häufig lehnen sie ab, weil sie sich selbst unterschätzen.“

Dringende Empfehlung:
„Bringt euch ins Gespräch und schlagt andere Frauen vor!“

Monika Zihlmann, 40

Leiterin Produktmanagement Digital Services von BMW

Status:
Die Frau hat Drive. Vernetztes Fahren ist eines der großen Zukunftsthemen im Automobilbereich. Die Schweizerin plant und steuert das digitale Produktportfolio von BMW. Eine ihrer Aufgaben: zusammen mit dem Entwicklerteam herauszufinden, welche Wünsche der Kunde beim Thema Connectivity­ hat. Das Ergebnis gibt es im Frühjahr zu sehen. Dann geht der neue, vollständig vernetzte BMW 5er in den Verkauf.

Die Herausforderung:
Einerseits die schnelle digitale Welt, andererseits die klassische Automobilindustrie mit langen Entwicklungszyklen – „das erfordert eine neue Unternehmenskultur: Mut, Dinge auszuprobieren, flexiblere Prozesse und interdisziplinäre Teams.“

Britta Kroker, 51

Geschäftführerin der Pink-University

Status:
Man lernt nie aus. Als Programmchefin vom Campus Verlag verantwortet sie u. a. die Karrieresparte, als sie erkennt: Digitales Lernen wird immer wichtiger. 2011 gründet sie ihren Video-Learning-Anbieter, der hochwertige Inhalte produziert und die Art der beruflichen Weiterbildung revolutioniert.

Was sie antreibt:
„Menschen, die lernen und sich weiterbilden, erweitern ihren Horizont. Bildung ist die Basis eines friedlicheren Miteinanders.“

Joana Breidenbach, 51

Co­-Gründerin­ von­ Betterplace

Status:
Tut Gutes. Joana Breidenbach ist die Frau hinter der­ Online-Spendenplattform für soziale Projekte. Seit 2010 kümmert sich die Kulturwissenschaftlerin auch um das Betterplace Lab – ein Think­-and­-do­-Tank für digitale Innovationen im Sozialsektor.

Ihr Motto:
Karma statt Kohle. Selbst Urlaube mit der Familie stellt sie oft in den Dienst der guten Sache und reist zum Beispiel nach Kenia, um Projekte für Waisenkinder zu besuchen. 

(Text: Tina Groll, Marija Latkovic)