Digitalexperte Robert Franken

Der Feminist

Es gibt immer mehr von ihnen: Männer, die für Frauenrechte kämpfen. Digitalexperte Robert Franken ist einer von ihnen. Was in antreibt, erklärt er im Interview.

Veröffentlicht am 31.07.2017
Schild mit „Women, we support you”.

Immer mehr Männer kämpfen für Frauenrechte.


Herr Franken, Sie twittern, bloggen und sprechen bei Podiumsdiskussionen zum Thema. Wie finden Feministinnen es eigentlich, dass Sie sich für die Frauenbewegung einsetzen?
Viele finden es gut, andere haben Probleme damit, und Dritte sagen: Das Beste, was ein Mann zum Feminismus beitragen kann, ist abzuwaschen. Interessante Haltung, aber nicht meine. Bei einer Women-in-Tech-Konferenz habe ich meinem Sohn mal ein Gläschen gefüttert. Dabei wurde ich fotografiert, und jemand hat das Bild auf Twitter geteilt, wo es begeistert kommentiert wurde.

Für das gleiche Motiv mit Ihrer Frau hätte sich niemand interessiert.
Man hätte sie gar nicht erst fotografiert. Dieses Gefälle nervt Feministinnen zu Recht. Aber was ist die Konsequenz? Ich bin ja kein mansplainer, der Leuten ungefragt den Feminismus erklärt – dafür weiß ich zu wenig darüber. Ich verfolge die Diskussionen als Lernender und versuche, eine männliche Perspektive aufzuzeigen. Der zweite Vorwurf, der immer wieder kommt, lautet übrigens: Du willst dich doch bloß bei Frauen interessant machen.

Und, liegen Ihnen Frauen zu Füßen?
Die häufigste Reaktion ist ein skeptischer Blick, das Warten darauf, dass ich sage: War bloß ein Scherz. Nur in Einzelfällen will jemand wissen, warum ich Feminist bin.

Was antworten Sie?
Ich glaube an Gleichberechtigung, und Feminismus ist die logische Konsequenz: Frauen verdienen eine faire Bezahlung, Spitzenjobs, sie haben ein Recht darauf auszusehen, wie sie wollen, sollten Partner haben, die sich bei der Erziehung und Pflege genauso einbringen und noch viel mehr als das.

2016 haben Sie die Initiative Male Feminists Europe gegründet und sind inzwischen ein gefragter Diskussionsgast.
Vielleicht weil es im Alltag so wenige bekennende Feministen gibt. Justin Trudeau oder Patrick Stewart kennt jeder. Im Freundes- oder Kollegenkreis muss man oft lange suchen. Ich finde es wichtig, in der Öffentlichkeit zu zeigen: Normale Männer finden Feminismus gut.

Sie waren Vorstand bei der Familien-Community urbia.de und CEO von chefkoch.de. Hat der Job aus Ihnen einen Feministen gemacht?
Irgendwie schon. Wenn man viel mit weiblichen Zielgruppen und Mitarbeiterinnen zu tun hat, setzt man sich mit Fragen und Problemen auseinander, die vorwiegend Frauen haben. Anfangs hat man mich einen Frauenversteher genannt. Wenn schon, dann Feminist.

Der Begriff ist nicht gerade positiv besetzt.
Ich kann damit leben, wenn ich dafür belächelt werde, besonders von älteren Männern. Bei den jüngeren ist das anders. Vor Kurzem habe ich in einer Bank einen Vortrag über diversity gehalten. Hinterher haben sich männliche Azubis bei mir bedankt. Sie beschäftigt, wo all die Frauen am Ende bleiben und wieso sie nur männliche Chefs haben. Demnächst darf ich vor Jugendlichen in einer Schule sprechen.

Was erzählen Sie dann?
Von Themen aus dem beruflichen Umfeld. Wo wird wer diskriminiert? Das versuche ich als jemand zu verstehen, der zu einer der privilegiertesten Gruppen überhaupt gehört: Mann, Europäer, weiß, finanziell mehr oder weniger gut gestellt.

Wenn Frauen die gleichen Rechte und Freiheiten fordern, fürchten Männer um ihre Privilegien – die sie vorher gar nicht wahrgenommen haben.
Man muss erst mal ein Bewusstsein für diese Privilegien schaffen und aufzeigen, dass Männer – genau wie Frauen – von der Gleichberechtigung profitieren. Sie haben dann zum Beispiel mehr Zeit für ihre Kinder oder pflegebedürftigen Eltern. Es gibt sicher einige, die das nicht wollen. Aber viele andere sind es leid, Alphamännchen zu mimen.

Wie oft müssen Sie anderen Männern erklären, dass es beim Feminismus nicht darum geht, ihnen etwas wegzunehmen?     
Das kommt gerade bei Maskulisten, also Antifeministen vor. Die antworten reflexhaft, Männer würden doch auch benachteiligt. Stimmt, aber die Ursachen dafür sind oft dieselben wie bei Frauen, was letztlich ein Argument für  den Feminismus ist. Diese letzte Schleife im Kopf kriegen diese Leute nicht hin. Ich muss nur was zum gender pay gap  twittern – schon kann ich wieder 20 Maskulisten löschen.

Unter #men4equality werben Sie dafür, Podiumsdiskussionen zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Reine Männerrunden werden boykottiert. Wie reagieren die Veranstalter?  
Vielen ist unsere Forderung egal. Die finden schon irgendeinen Mann, der sich aufs Podium setzt. Das verargumentieren sie dann so, dass es bei ihnen nach Interesse gehe und nicht nach Geschlecht – was doppelt diskriminierend ist, weil es impliziert, Frauen seien uninteressante Gesprächspartnerinnen. Wir sagen den Veranstaltern: Die Wahrscheinlichkeit für eine langweilige Diskussion steigt, wenn 50 Prozent des Potenzials auf dem Podium fehlen. 

Damit verkaufen Sie Männern Feminismus über wirtschaftliches Kalkül.
Ich weiß. Und ich ärgere mich darüber. Heiligt der Zweck die Mittel? Bis zu einem gewissen Grad tut er das im Kapitalismus. Im Kern ist diese Art der Argumentation natürlich falsch. In einer besseren Welt würden Männer anerkennen, dass Frauen gleichberechtigt sind. Sie würden sich dafür einsetzen, und zwar nicht erst, wenn diese Männer Töchter haben, die benachteiligt werden. 

Sie selbst haben einen zweijährigen Sohn. Hat die Vaterrolle Sie als Feministen nach vorne gebracht oder zurückgeworfen?
Sie meinen, ob ich privat lebe, was ich öffentlich predige? Eine starre Fifty-fifty-Regel gibt es bei uns nicht. Hat meine Frau am nächsten Tag einen wichtigen Termin, kümmere ich mich nachts um unseren Sohn, wenn er aufwacht. Im umgekehrten Fall nimmt sie ihn. Wobei ich zugeben muss: Weil ich beruflich öfter unterwegs bin, ist meine Frau mit dem Kleinen häufiger allein. Im Gegenzug versuchen wir, Ausgleiche für sie zu schaffen. Das wird immer wieder neu ausgehandelt.

Weil Sie sonst glauben, bei der Gleichberechtigung zu schummeln?
Womöglich. Es ist doch so: Wenn man einmal anfängt, im feministischen Kontext zu denken, kann man wahnsinnig werden bei dem Versuch, es besser zu machen, denn die Ungleichheit begegnet einem überall. Aber ich sehe keinen anderen Weg, als im Rahmen meiner Möglichkeiten zu tun, was ich kann. So betrachtet, hat der Feminismus mein Leben alternativlos komplizierter gemacht.

Männer, die auch ohne Motto-Shirt als Feministen auffallen     

Justin Trudeau, 45, Premierminister

„Ich werde so lange laut und deutlich sagen, dass ich Feminist bin, bis die Leute bei diesem Satz nur noch mit der Achsel zucken.“

Justin Trudeau.

Justin Trudeau, Premierminister.


Matt Damon, 46, Schauspieler

„Hätte ich eine bucket list, würde an erster Stelle stehen, meine vier Mädchen zu starken, guten Frauen zu erziehen.“    

Matt Damon.

Matt Damon, Schauspieler.


Patrick Stewart, 76, Schauspieler

„Diejenigen, die tatsächlich am meisten tun könnten, um die Situation von vielen Frauen und Kindern zu verbessern, sind Männer.“     

Patrick Stewart.

Patrick Stewart, Schauspieler.