Kulturgeschichte des Dutts

Wie konnte es nur so weit kommen?

Messy Hair Bun, Half Bun oder Men Bun: Frauen und Männer knoten ihre Haare seit der Antike mit Vorliebe zum Dutt – weil es die demokratischste Frisur der Welt ist.

Veröffentlicht am 17.11.2017
Moderner Dutt.

Seit jeher eine beliebte Frisur: Der Dutt in allen Variationen. 


500 v. bis 180 n. Chr.

Das Naomi Campbell-Syndrom, sprich Gegenstände ­wutentbrannt nach seinen Angestellten schmeißen, geht auf attische Frauen zurück, die mit ihrem Dutt unzufrieden sind. Zofen stecken in quälend langen Sitzungen die Strähnen ihrer Herrinnen zum Nodus zusammen. Sitzt der nicht akkurat, fliegen Haarnadeln aus Elfenbein, oder es hagelt Peitschenhiebe. Denn Athens Tribunal bestraft unordentliche Haarknoten mit Geldbußen – auch bei Männern.

400 bis 1700

Während Jungfrauen mit ihrer Wallemähne um Aufmerksamkeit heischen, tragen gesittete Damen weiter den Chignon (Frankreich), den Püürzi (Schweiz) oder Knödel (Österreich). Dabei ist er nicht nur züchtig, sondern ziemlich praktisch. Germanische Sueben-Krieger zwirbeln sich den Knoten an die Stirn, um im Kampf größer zu wirken. Und japanische Samurai falten sich ihren Chonmage auf dem Oberkopf, damit sie beim Schwertschwingen freie Sicht auf den Gegner haben.

Last Samurai.

The Last Samurai um 1200. Kam für Tom Cruise nicht infrage: rasierter Oberkopf und gefalteter „Chonmage".


1930er bis 1970er

Ballerinas und Bibliothekarinnen mit Fräulein Rottenmeierhafter Strenge verpassen dem Dutt ein spaßbefreites Image, ­Großmütter ein ältliches. Es braucht Catherine Deneuve in „Belle de Jour“, um ihm glamouröse Sinnlichkeit zu verleihen. Plötzlich sieht man keine gespannten Schläfen mehr – sondern einen frei liegenden Nacken, der geküsst werden will. Später wird der Dutt nachfrisiert von: Angelina Jolie, Jennifer Lopez, David Beckham und Jared Leto. 

Catherine Deneuve und Audrey Hepburn.

Ladylike in den 1960ern: Catherine Deneuve und Audrey Hepburn verleihen dem Dutt Glamour. 


Prinzessin Leia in Star Wars.

Modell „Zimtschnecke" im Jahr 1977: 40 Frisuren werden getestet, bevor Prinzessin Leia aus „Star Wars" nach einer Hopi-Indianerin gestylt wird. 


2000er bis heute

Ein Heer an Beauty-Bloggern zupft sich den Messy Hair Bun zurecht. Stilbewusste Manufactum-Städter versuchen sich am Man Bun, während Hollandrad fahrende Szenemiezen immer häufiger Half Bun tragen. Der eignet sich für rote Teppiche ebenso wie fürs Yogastudio oder den verkaterten Gang zum Bäcker. Mehr Demokratie war nie. Und die ist am Ende eben doch: reine Kopfsache.

Streetstyle mit Dutt.

Heute ist „Oduhila" angesagt: „Oben Dutt, hinten lang" – der Signature-Look für unentschlossene Szenemiezen.