Liebes-Aus

Warum Männer das Ende einer Beziehung nicht wahrhaben wollen

Autor Michalis Pantelouris über das männliche Unvermögen, Krisen richtig einzuschätzen.

Veröffentlicht am 13.11.2017

Michalis Pantelouris ist nach zehn Jahren Ehe wieder Single und schrieb „Liebe zukünftige Lieblingsfrau“ (Kein & Aber).


Die leere Seite des Bettes fühlt sich an wie der Krater einer Explosion, tief und schwarz und verbrannt, voller Ruß und Asche, und wie die Reste eines Feuers haben die Reste einer erloschenen Liebe für den, der überrascht zurückbleibt, diese schlimmste Kombination von Eigenschaften: Sie machen dreckig, und gleichzeitig sind sie steril. Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist, mich selbst im Dreck zu wälzen, aber es entsteht kein Leben mehr aus dem, was verbrannt ist. Es gäbe keinen besseren Moment für einen Mann, wahre Größe und echte, selbstlose Liebe zu bekweisen, als den, in dem die eigene Frau für immer geht. Man könnte ihr von Herzen Glück wünschen und großzügig die Verflechtungen lösen, die so viele gegenseitige Abhängigkeiten geschaffen haben. Stattdessen suhlt man sich, bettelt, fordert und klagt an.

Denn wenn Männer merken, dass Frauen gehen, ist es regelmäßig viel zu spät. Frauen trennen sich erst, wenn längst alles vorbei ist. Für Männer fängt der Kampf dann oft erst an. Am Ende ist es ein großes Missverständnis, gebaut aus vielen kleinen Momenten, in denen jeder denkt, er hätte sich verständlich gemacht. Und wenn der andere sich nicht danach richtet, dann fühlt es sich an wie die Missachtung von allem, was man ist. Dem liegt eine Tendenz zugrunde, von der ich nicht weiß, warum man sie nicht schon in der Schule den Kindern beibringt, damit sie zumindest ein Muster haben, mit dem sie die Welt vergleichen können – der Hinweis darauf, dass nicht jeder die Welt gleich versteht und dass Männer und Frauen nicht unbedingt das Gleiche meinen, wenn sie das Gleiche tun.

Es ist nur eine Tendenz, aber Frauen reden über das, was sie bewegt, um es zu teilen. Männer teilen mit, um die Lösung für ein Problem zu finden. Sie sagt ihm, wie es sie nervt, dass er unordentlich ist, und er schlägt vor, die Putzfrau zwei Stunden länger zu bezahlen. Und im Ergebnis fühlt sie sich missachtet in ihrem Wunsch, er möge das gemeinsame Nest so wichtig nehmen wie  sie, „das muss ihm doch etwas bedeuten“, und er fühlt sich missachtet, weil seine elegante Lösung für ein Problem abgelehnt wird, das nagend bleibt, obwohl es ihm unwichtig erscheint. Sie will teilen, nämlich die Sorge für die gemeinsame Wohnung, er will lösen, nämlich das Problem der herumliegenden Wäsche. Keiner hat recht, aber alle verlieren.

Und irgendwann fühlt sie sich so lange missachtet, dass sie geht. Er wäre weniger überrascht, wenn er die Zeichen hätte sehen können. Dabei hat er sie gesehen: der Streit, die Genervtheit. Aber er hat auch andere Zeichen gesehen, den Sex zum Beispiel. Solange es Sex gibt in einer Beziehung, ist für Männer alles in Ordnung. Jede schöne Nacht stellt den Zähler wieder auf Null. „Wir schlafen ja noch miteinander, da muss eigentlich alles gut sein, und die Probleme sind nicht so groß.“ Es sind nur dreckige Socken vor dem Bett, aber im Bett selbst, da läuft es ja. Manchmal. Nicht oft. Aber wenn, dann läuft es, und alles beginnt von vorn. Deshalb schlägt die Bombe bei Männern erst ein, wenn sie geht. Und erst dann, wenn da der Krater in der leeren Seite des Bettes ist, plötzlich und brutal, beginnt für ihn die Arbeit der Trauer. Erst dann hat er Wunden, alles vorher waren Kratzer, nichts, worum man sich hätte kümmern müssen. Und jetzt ist es zu spät.

Und was sagt eine Frau dazu? Schriftstellerin Sarah Stricker über den Optimierungswahn von Frauen in "Eine Frau, ein Thema: Liebe".