Ernährung im Job

Sei gut zu dir selbst

Je anstrengender der Tag, desto schlimmer werden die Essgewohnheiten. Sieben berufstätige Frauen erzählen, worauf sie für eine ausgewogene Ernährung bei Stress achten.

Veröffentlicht am 16.05.2017
Frau isst Pommes.


Die Modedesignerin

Patrizia Bambi gründete 1993 das italienische Modelabel Patrizia Pepe in Florenz und lässt in ihre Unternehmenskantine Healthy Food liefern.

Ich lebe intensiv. Ich genieße gern, bin aber auch diszipliniert. Ziele, die ich mir setze, verknüpfe ich mit positiven Bildern, damit negative Gedanken oder Zweifel gar nicht erst aufkommen. Diese Einstellung gibt mir die Kraft, das zu schaffen, was ich mir vornehme – eine neue Kollektion, mich gesund zu ernähren oder eine persönliche Bestzeit beim Laufen. 

Meine Gesundheit ist mir sehr wichtig, deshalb finde ich die Mittelmeer-Diät gut: viel frisches Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl. Ich brauche Proteine, Vitamine und gesunde Fette, damit ich genügend Energie habe. Natürlich esse ich auch mal Pizza, Pasta und Brot – ich halte nichts von low carb. Außerdem nehme ich mir Zeit; abends esse ich grundsätzlich zusammen mit meiner Familie. 

Ich esse lieber nur zweimal am Tag– dafür gut, das heißt frisch. Mein Problem: Ich koch nicht gern. Zum Glück habe ich mittlerweile jemanden, der das für mich übernimmt, das erleichtert natürlich mein Leben. Wenn ich Zeit habe, lasse ich mir manchmal eine frische Holzofen-Pizza ins Büro liefern.

Wenn ich unter Druck bin, lasse ich das Mittagessen ausfallen. Dann gehe ich lieber ein paar Minuten laufen. Ich bewältige Stress nicht mit Schokolade, darauf könnte ich sogar mal ein Jahr ganz verzichten. Stattdessen ess ich lieber ein paar Früchte, Nüsse oder Joghurt.

Beim Sport verarbeite ich den Stress. Ich gehe fast täglich joggen, außerdem laufe ich Marathon. Das ist ziemlich hart, die 42 Kilometer spürt man in jeder Muskelfaser, aber das Gefühl, durchgehalten zu haben, ist überwältigend. Wenn ich nicht laufe, tanze ich Salsa, Latein oder Modern Dance. Wer sich wie ich regelmäßig bewegt, der kann abends auch Penne mit Schinken-Tomaten-Sahne-Sauce essen – ohne zuzunehmen.

Porträt Patrizia Bambi.

Modedesignerin Patrizia Bambi.


Der Jobcoach

Pernille Behnke, 45, ist systemischer Coach und lebt mit zwei Kindern, Mann und Hund in Hamburg. Zum Mittagessen radelt sie oft nach Hause.

Kein Weißmehl, keine Fertiggerichte, keine Säfte und Schorlen. Auch auf Frittiertes, Pizza, Pommes und Burger verzichte ich meiner Figur zuliebe, das macht nicht lange satt und man bekommt automatisch Heißhunger. Wenn ich Lust auf Zucker habe, dann gönne ich mir auch mal ein Stück Kuchen, dunkle Schokolade und zu einem besonderen Anlass Crème brûlée mit Vanilleeis.

Bei Stress bloß nichts Süßes. Meine einfache Regel: Je anstrengender der Tag, desto mehr achte ich darauf, gut zu mir selbst zu sein. Dazu gehört auch, meine normalen Essgewohnheiten beizubehalten. Das rate ich übrigens auch meinen Klienten. Bei fallendem Blutzuckerspiegel habe ich Lust auf noch mehr Süßes – das macht müde statt leistungsfähiger.

Fürs Essen nehme ich mir Zeit. Dabei sollte man darauf achten, dass es keinen Mangel an Selbstliebe ausgleichen soll, das macht nur dick. Eigentlich ist es mit dem Essen wie mit Geld auf dem Bankkonto: Ein- und Ausgang müssen stimmen, sonst wird es kritisch. Wenn ich zu viel esse, muss ich viel verbrennen. Deshalb gehe ich zwei-, dreimal pro Woche morgens zum Yoga.

Porträt Pernille Behnke.

Jobcoach Pernille Behnke.


Die Konditorin

Franziska Schweiger, 31, Konditorin, betrieb zehn Jahre mit ihrem Mann ein Sterne-Restaurant in München und kreiert jetzt in ihrer Pâtisserie süße Meisterwerke, die man auch online bestellen kann.

Ohne Frühstück läuft nichts. Avocadosalat mit Physalis oder selbst gebackenes Leinsamen-Nuss-Brot – ich mag es morgens gehaltvoll, damit ich fit bin.

Weißmehl esse ich nur im Notfall, auch tierische Fette, Knödel und Kohlenhydrate landen selten auf meinem Teller, dafür viel Gemüse und Salat. An diese Regeln halte ich mich meistens; klappt natürlich nicht immer. 

Bei Heißhunger gibt’s Schokolade. Wer sich alles verkneift, wird unzufrieden. Eine kleine Tafel genügt ja.

Porträt Franziska Schweiger.

Konditorin Franziska Schweiger.


Die Ärztin

Marion Kiechle, 57, leitet die Münchner Frauenklinik rechts der Isar und nimmt sich gesundes Mittagessen von zu Hause mit – so muss sie bei Stress nicht zu Notlösungen greifen.

Bloß keine Süßigkeiten: Wenn ich aus dem OP-Saal komme, könnte ich haufenweise Süßes essen – mache ich aber nicht. Als ich nach dem Studium mit dem Arbeiten anfing, hab ich innerhalb kürzester Zeit 15 Kilo zugenommen. Beim Abnehmen habe ich mir geschworen, dass ich mich nie wieder so unwohl fühlen will. Daher bin ich eisern, esse bewusst wenig Kohlenhydrate, baue Sport in den Alltag ein (Treppenlaufen!) und gehe am Wochenende joggen – an beiden Tagen.

Sonntag ist Genießertag! Morgens frühstücke ich ausgiebig gemeinsam mit meiner Familie, am liebsten mit Brezen. Am Nachmittag gibt’s Kaffee und Kuchen – da genieße ich jeden Bissen. Und später gehe ich joggen.

Porträt Marion Kiechle.

Ärztin Marion Kiechle.


Die Start-up-Gründerin

Katharina Staudacher, 37, aus Hamburg gründete vor acht Jahren das Start-up „Foodloose“, das zucker- und zusatzstofffreie Snackriegel produziert. Sie erwartet ihr drittes Kind und ernährt sich trotz Schwangerschaftsgelüsten gesund.

„Bei Stress nehme ich eher ab als zu. Anstatt aus Frust mehr zu essen, vergesse ich leider tagsüber regelmäßige Mahlzeiten. Das raubt mir Energie – also gibt’s zwischendurch Äpfel, getrocknete Früchte oder Nüsse. Wenn ich Zeit habe, koche ich gern, die Zutaten kaufe ich auf dem Wochenmarkt. Bei mir gibt es vollwertige vegetarische Kost, gesunde Kohlenhydrate und keine fettreduzierten Diätprodukte. Um mein Gewicht zu halten, verzichte ich allerdings auf zwei Dinge: süße Getränke und Franzbrötchen.

Porträt Katharina Staudachser.

Start-up-Gründerin Katharina Staudacher.


Die Beauty-Expertin

Kaya-Line Knust, 34, CEO der Naturkosmetikmarke „Stop the Water While Using Me!“, lebt in Hamburg und ist in einer Hippie-Kommune in Norddeutschland aufgewachsen. Den bewussten Umgang mit Essen lernte sie früh.

Ich will wissen, woher mein Essen kommt. Klar, das bedeutet viel Recherche. Als ich vor acht Jahren damit anfing, habe ich noch beim Bauern angerufen, um sicherzugehen, dass die Tiere ordnungsgemäß gehalten wurden. Mittlerweile habe ich ein gutes Netzwerk und weiß, wo ich Fleisch und Gemüse einkaufen oder in welchen Restaurants ich essen kann. Alles hat Bio-, besser Demeter-Qualität. Da mache ich fast keine Ausnahme.

Ich halte mich an die 90/10-Regel: Ich glaube, dass man alles im Leben nach diesem Grundsatz schaffen kann. Also zu 90 Prozent gesund leben und zu 10 Prozent schludern. So bleibt man nicht nur schlank, sondern auch entspannt. Nach dem Aufstehen mache ich jeden Morgen 20 Minuten Yoga. Und ich fahre immer mit dem Fahrrad zur Arbeit – außer bei vereisten Straßen.

Ich brauche drei warme Mahlzeiten am Tag, sonst fühle ich mich unwohl. Liegt vielleicht daran, dass ich ein „kalter Typ“ bin. Ich starte mit einem warmen Brei mit Nüssen und Früchten. Mittags esse ich beispielsweise ein Gemüsecurry und abends koche ich im Idealfall etwas von der „Deliciously Ella“-App nach – einfache Rezepte mit gesunden Zutaten. Zwischendurch esse ich kaum was, aber meine Portionen sind auch relativ groß.

Porträt Kaya-Line Knust.

Beauty-Expertin Kaya-Line Knust.


Die Geschäftsführerin

Katrin Hermann, 46, Geschäftsführerin der Alès Group Deutschland und Österreich, lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Düsseldorf und pendelt für den Job täglich 90 Minuten nach Frankfurt und zurück – für Sport nimmt sie sich trotzdem Zeit.

Käse am Abend macht glücklich. Unter der Woche esse ich tatsächlich meistens kalt. Das liegt auch daran, dass ich nicht kochen kann. Morgens Müsli mit Joghurt, mittags Salat und abends, wie gesagt, Käse. Bei Heißhunger schwöre ich auf Magerquark, der macht lange satt und enthält viele Proteine.

Ich zähle heimlich Kalorien; merke ich, dass es zu viele waren, laufe ich eine Runde länger. Ich verzichte auch auf Brot und fettes Essen – ich will mich in meinem Körper wohlfühlen, aber ich denke nicht ständig ans Abnehmen, nur an eine gesunde Balance. Wer streng auf jedes Stückchen dunkle Schokolade schaut, nimmt zu.

Porträt Katrin Herrmann.

Geschäftsführerin Katrin Hermann.