Familienbande: Franziska und Sabine Knuppe

„Du warst da, als ich dich gebraucht habe“

Model Franziska Knuppe hat mit berufstätigen Eltern früh gelernt, selbstständig zu werden. Das Beste was ihre Mutter Sabine für sie tun konnte? Nicht alles für sie zu tun.

Veröffentlicht am 07.07.2017
Franziska Knuppe mit ihrer Mutter Sabine Knuppe-Andree.

Top-Model Franziska Knuppe mit ihrer Mutter, der Kinderärztin Sabine Knuppe-Andree.


Franziska Knuppe, 42

Ich bin ein Familienmensch. Als Kind haben wir jeden Abend zusammen gegessen, obwohl meine Eltern beide berufstätig waren, meine Mutter als Ärztin, mein Vater als Ingenieur. Sie haben sich alles geteilt: Meine Mutter schmierte morgens Stullen. Mein Vater hat mir die Zöpfe geflochten und kochte abends. Zusammenhalt wurde uns nicht eingepaukt, sondern vorgelebt.

Was meine Mutter als Ärztin leistet, ist toll, ich habe selbst kurz mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren. Aber dann sah ich diese amerikanische Serie „Hotel“ und begann eine Ausbildung im „Park Hilton“ in München. Ziemlich hart, bis zu 13 Stunden pro Tag, und abends schleppte ich noch Bierkrüge im Wirtshaus, um Geld zu verdienen. Danach ging ich zurück nach Potsdam und studierte BWL. Es war 1997, als mich Wolfgang Joop im Café ansprach – und ich mein Studium schmiss. In diesem verrückten Sommer lernte ich auch meinen Mann kennen, mit dem ich bis heute glücklich bin.

Ich koche fast jeden Abend, wie früher mein Vater, und dann bleiben wir lange am Tisch sitzen und reden. Um meinen Job geht es dabei eigentlich nie – obwohl meine Tochter jetzt schon Kreuzchen in die Klamotten macht, die sie mal erben möchte.

Früher saß meine Mutter lange an meinem Bett. Sie wollte wissen, was in der Schule los war. Diese Zeit zusammen war etwas Besonderes. Auf diese Weise entsteht jenes Vertrauen, das wir alle, Kinder und Erwachsene, brauchen. Das Gefühl, dass jemand da ist, auf den ich mich verlassen kann, steckt bis heute tief in mir.

Franziska Knuppe.


Sabine Knuppe-Andree, 63, die Mutter

Im Osten war es üblich, jung zu heiraten und Kinder zu bekommen. Das war auch bei mir nicht anders. Franziska wurde nach meinem Physikum geboren, und es stand außer Frage, dass ich weiterstudiere. Ich lernte oft nachts, was mir aber nichts ausmachte. Tatsache ist, dass ich als Studentin mehr Zeit für Franzi und ihren jüngeren Bruder hatte als später als Ärztin. Einmal erzählte mir die Kindergärtnerin, dass meine Tochter ab drei Uhr am Fenster gewartet hätte, bis ich um sechs Uhr kam. Das fand ich schlimm. Aber sie hat sich nie beschwert.

Heute wird viel Theater um Kinder gemacht, und ich bin mir nicht sicher, ob es immer zu ihrem Besten ist. Ich fand die Vorstellung schrecklich, meine Kinder morgens in den Frühhort zu schicken, also mussten sie eben selbst auf die Uhr schauen, um pünktlich zur Schule zu kommen. Natürlich blieb manchmal die Haustür auf, aber so haben sie gelernt, selbstständig zu werden. Wenn man alles für die Kinder tut, worauf sollen sie dann stolz sein?

Franzi hat mir erzählt, wie ihre Chefs im Hotel sie in die Mangel nahmen: „Trauen Sie sich diesen anstrengenden Job zu, hier bei uns im Westen?“ Darauf antwortete sie ruhig und selbstbewusst: „Natürlich. Deshalb bin ich hier.“ Da wusste ich, um das Kind musst du dir keine Gedanken machen. Ich war nicht glücklich, als sie ankündigte, Model zu werden. Aber jetzt, nach 20 Jahren, beeindruckt mich die Zielstrebigkeit und Tüchtigkeit, mit der sie ihren Beruf macht. Auch wie sie Familie und Karriere unter einen Hut bringt. Ich hätte nie gedacht, dass wir alle nach diesem durchgeknallten Sommer 1997, als sie ihren Mann kennenlernte und Model wurde und ich meinen zweiten Mann kennenlernte, mit dem ich jetzt 20 Jahre verheiratet bin, einmal so eine wunderbare Großfamilie sein würden.

Kurz vor Franzis Abitur sind sie und ich einmal verreist. Wir standen auf einem Berg in Malta, ganz einsam, und ich fragte sie: Hast du denn nichts vermisst als Kind mit einer Mutter, die immer in der Klinik war? Sie sagte: „Du warst doch da, wenn ich dich gebraucht habe. Und wenn nicht, war Papa da.“ Das Schöne ist, ich kann ihr das glauben. Wenn ich mich heute mit Franzi treffe und wir einen Burger essen gehen – Kochen war nie meine Sache –, dann können wir alles besprechen. Nicht übel, oder?

Sabine Knuppe-Andree.


Biografien

Franziska Knuppe, geboren am 7. Dezember 1974 in Rostock, machte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Ihr BWL-Studium brach sie ab, als Wolfgang Joop sie 1997 im Café entdeckte. Das Model ist seit 18 Jahren verheiratet und hat mit seinem Mann eine neunjährige Tochter. Hobbys: Boot fahren, kochen.

Sabine Knuppe-Andree ist 63, wurde in Rostock geboren und studierte hier Medizin. Mit Mann und zwei Kindern zog sie nach Potsdam. Sie arbeitet als Kinderärztin, ist zum zweiten Mal verheiratet und stand mit ihrer Tochter gerade für den Werbespot von Schwarzkopfs „Diadem“ in Südafrika vor der Kamera. Hobbys: Fahrradtrips, Kino.