Familienbande: Hannes Jaenicke und Daniel Roesner

„Verlass dich nur auf dich selbst”

Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke hätte gern eine eigene Familie gehabt. Dann wurde Daniel Roesner sein Ziehsohn, dem er Ratschläge mit auf den Weg gab. Heute können beide voneinander lernen.

Veröffentlicht am 04.08.2017
Daniel Roesner und Hannes Jaenicke.

Stärken sich gegenseitig den Rücken: Daniel Roesner (l.) und Hannes Jaenicke.


Hannes Jaenicke, 57

Tennessee Williams hat mal gesagt: „Friends are God’s way of apologizing to us for our families.“ Für seine Familie kann man nichts. Meine ist ein Haufen wunderbarer Neurotiker. Meine Mutter war ein 1,53 Meter großes südeuropäisches Energiebündel, das nach seinem Schlaganfall sehr damit zu kämpfen hat, nicht mehr so agil zu sein.

Meine Geschwister und ich versuchen jetzt abwechselnd, sie zu besuchen und zu bespaßen. Leider gibt es keine Enkelkinder. Mein Bruder wollte nie, meine Schwester konnte nie, bei mir ergab es sich nie. Manchmal vermisse ich es, eine eigene Familie zu haben. Andererseits genieße ich meine Freiheit. Ich könnte sonst nie so arbeiten, wie ich es tue. Aber klar denke ich: Wäre schön gewesen.

Deshalb sind Daniel und ich so ein gutes Gespann. Ich hatte selbst einen Ziehvater: Götz George. Ohne ihn wäre meine Karriere anders verlaufen. Wenn man als Anfänger das Glück hat, an die Hand genommen zu werden, hat man auch die Pflicht, das weiterzugeben. Das letzte Jahr war traurig: Erst ging Götz, dann starb mein Vater. Wir werden so darauf getrimmt festzuhalten. Das letzte Jahr hat mich gelehrt loszulassen.

Die einzige Person, auf die man sich zu 100 Prozent verlassen kann, ist man selbst. Ich kann gut allein sein, manchmal zu gut. Aber ich will nicht einer dieser einsamen alten Männer werden. Dani ist ein Sonnenschein, rennt durchs Leben wie ein Welpe, immer optimistisch. Bei ihm sehe ich großes Potenzial und einen unbändigen Willen, das hat mich neugierig gemacht. Er ist ein hilfsbereiter Mensch ohne Ellenbogen. Das schätze ich sehr.

Über deutsche Schauspieler wird gern geschrieben, sie seien Mittelmaß. Das stimmt oft, tut aber dennoch weh. Keiner von uns macht mit Absicht schlechte Filme. Manchmal gibt man sein Bestes und scheitert trotzdem. Das ist es, was ich Dani mit auf den Weg geben will: Egal was du machst, versuche immer, besser zu sein als der Rest. Alles andere ist Mittelmaß. Was Dani mir mit auf den Weg gibt? Lockerer zu werden. Ich übe noch.

Hannes Jaenicke.

„Freund, Mentor und Ziehvater” Hannes Jaenicke.


Daniel Roesner, 33, der Ziehsohn

Ich war 19, als mich meine Eltern zum Studieren in den Flieger nach Los Angeles setzten und mir noch einen Tipp mit auf den Weg gaben: Ich solle nach einem Käfer Cabrio Ausschau halten, die seien beliebt und wertvoll in Deutschland. Vor meinem Stammcafé stand irgendwann tatsächlich ein weißes Modell mit einem „For Sale“-Schild im Fenster. Das gehörte Hannes, so fing alles an. Er machte mir einen guten Preis, und ich bin erst mal schreiend mit offenem Verdeck durch L. A. gefahren.

Alles, was ich über das Filmbusiness weiß, weiß ich von ihm. Er sagte mir, welche Leute ich treffen, auf welche Partys ich gehen, welche Castings ich machen, welche Rollen ich spielen sollte. Ich glaube, ihm imponierte, dass ich wirklich Lust auf den Job hatte. Um Geld dazuzuverdienen, arbeitete ich nebenbei als Automechaniker und Fliesenleger. Keine Illusionen, keine „La La Land“-Träumerei.

Ein Jahr später zog ich zu ihm nach Malibu. Wenn es zwischen uns krachte, dann weil Hannes von mir forderte, mich erwachsen zu verhalten. Ich war eben noch ein Junge. Wenn ich einen Durchhänger hatte, war er streng mit mir, sagte, das seien Luxusprobleme. Er hatte recht. Was ich an ihm schätzte (und übrigens auch meine Eltern): sein echtes Interesse an mir. Ihm lag daran, dass ich als Mensch wachse – ohne dass ihm das irgendwas gebracht hätte. Das ist seine Art.

Meine Mutter ist Zahnärztin, mein Vater Pädagoge, als Kind bin ich mit meinen Eltern oft umgezogen, ich bin ohne langjährige Freunde groß geworden, musste mich der neuen Umgebung immer anpassen. Meine Eltern haben sich oft gestritten, aber sie haben mir immer das Grundvertrauen gegeben, dass mir nichts passieren kann, weil sie immer für mich da waren. Dieses Netz aus Sicherheit bedeutet für mich Familie. Freundschaft kann das nur bedingt erfüllen. Hannes ist eine Ausnahme. Er ist Freund, Mentor, Ziehpapa – eine feste Konstante in meinem Leben.

Er wäre ein toller Vater. Manchmal denke ich, dass das gut für ihn gewesen wäre, das hätte ihn von der Arbeit abgelenkt. Er ist so engagiert mit seinen Projekten, dass er sich teilweise übernimmt. Ich erinnere ihn dann daran, Pausen zu machen. Vielleicht kann er das von mir lernen: Dinge gehen zu lassen. Ich glaube, er übt noch.

Daniel Roesner.

Daniel Roesner.


Biografien

Hannes Jaenicke, am 26. Februar 1960 geboren, wuchs in Frankfurt und Pittsburgh auf. Neben Spielfilmen dreht der Schauspieler Dokus, engagiert sich für den Tier- und Umweltschutz und schrieb „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ (Gütersloher Verlagshaus). Hobbys: Klavier spielen, lesen, segeln.

Daniel Roesner, am 20. Januar 1984 in Wiesbaden geboren, studierte Schauspiel an der New York Film Academy und dem Theatre of Arts in Los Angeles. Seit 2016 ist er als Hauptkommissar Paul Renner in „Alarm für Cobra 11“ zu sehen. Hobbys: surfen, wakeboarden.