Familienbande: Rita und Daniel Falk

Dampfnudeln statt Blues

Erst alleinerziehend mit drei Kindern, dann Burnout und schließlich arbeitslos. Heute schreibt Rita Falk Bestseller über die bayrische Provinz. Ein Rückblick mit ihrem jüngsten Sohn Daniel.

Veröffentlicht am 21.04.2017
Rita Falk mit Sohn Daniel Falk.

Die deutsche J.K. Rowling, na ja, fast: Rita Falk und Sohn Daniel in dessen Smoothie Bar.


Rita Falk, 52

Ich habe drei Kinder, Daniel ist das Nesthäkchen – vielleicht fühle ich mich ihm deshalb eng verbunden. Wir haben beide etwas Rebellisches, ohne diese Eigenschaft wäre ich wohl nie Schriftstellerin geworden. 2008 hatte ich einen Burnout, damals war ich Bürokauffrau und habe ein Jahr ohne Urlaub durchgearbeitet. Ich brach an einem Donnerstag zusammen und mein Chef sagte: „Wenn sie am Montag nicht kommt, kriegt sie die Kündigung.“ Trotzdem ging ich an diesem Montag nicht zurück ins Büro. Leicht war das nicht. Wir hatten drei schulpflichtige Kinder, mussten Schulden für unser Haus abbezahlen. Aber ich konnte nicht mehr. Ich war immer ein lebensbejahender Mensch, diejenige, die sagte: Leute, wir packen das. Ich hatte schon harte Zeiten gemeistert, wie damals nach meiner Scheidung von meinem ersten Mann. Alleinerziehend mit drei kleinen Kindern, hatte ich manchmal drei Jobs gleichzeitig. Und jetzt brauchte plötzlich ich Hilfe. Vor meinen Kindern konnte ich das ganz gut verbergen. Aber wenn sie im Bett waren, saß ich heulend neben meinem zweiten Mann auf dem Sofa.

Nach sechs Wochen fing ich mich wieder und dachte: Bevor du rumsitzt und traurig bist, schreibst du einfach. Als die Kinder noch klein waren, hatte ich schon Kurzgeschichten und Gedichte verfasst. Mein erstes Buch war ein Reinfall, es ging um einen Mann im Koma. Die Verlage antworteten erst gar nicht oder sagten: Zu schwere Kost. Da brach der Trotz in mir wieder durch: Dann schreibe ich halt was Lustiges! Etwas, worin ich mich auskenne als Ehefrau eines Polizisten. So entstand mein erster Krimi „Winterkartoffelknödel“ über einen Polizisten, tratschende Nachbarn und skurrile Charaktere aus der bayrischen Provinz.

Mein Sohn ist unangepasst, wie ich. Ein Dickkopf. Deshalb geraten wir schon mal aneinander. Vielleicht bin ich zu nachsichtig mit ihm, aber mir war ja selbst in jungen Jahren vieles zu eng, zu spießig auf dem Land. Trotzdem teilen wir die Liebe zur Provinz. Aus dem Garten kann ich direkt in den Wald laufen. Ich habe mir inzwischen zwei Esel und zwei Pferde gekauft und mit über 50 Jahren das Reiten angefangen. Und ich mag den bayrischen Dialekt und die direkte Art der Leute. Wenn jemand ein Arschloch ist, sagt man auch Arschloch.

Es macht mich stolz, dass mein Sohn einen Sinn für das Schöne hat. Seine neue Saftbar hat er toll eingerichtet. Bei der Finanzierung habe ich ihm mit einem Darlehen geholfen, aber das muss er zurückzahlen. Ich wünsche mir, dass er mit dieser Bar die Kurve kriegt. Und ehrlich gesagt verwirklicht er hier auch einen Traum von mir: Vielleicht mache ich irgendwann ja ein Café auf.

Rita Falk.

Rita Falk, früher Bürokauffrau, heute bayrische Auflagenkönigin.


Daniel Korn, 25, der Sohn

Es klingt abgedroschen, aber meine Mutter ist meine beste Freundin. Mein Stiefvater sagte neulich: „Wenn Daniel nicht jeden Abend die Rita anrufen könnte ...“ Da hat er nicht unrecht. Als ich vier war, fing ich mit Eishockey an, meine Mutter ist jahrelang am Wochenende um fünf Uhr früh aufgestanden, um mit mir zu den Spielen zu fahren. Und selbst heute ist sie noch stolz, wenn sie mich auf dem Eis sieht. Sie dachte, dass ich Profi werden könnte, aber da kam die Pubertät dazwischen. Das Tolle an meiner Mutter ist, dass sie hinter allem steht, was ihre Kinder tun. Meine Arbeit bei ihrem Münchner Buchverlag habe ich beendet, weil ich nicht immer nur der Sohn von Rita Falk sein wollte. Jetzt habe ich eine Smoothie-Bar eröffnet, das war ihre Idee. Auch das Startkapital kam von ihr, aber wir gehen das professionell an, mit Bank, Steuerberater und Businessplan. Wenn ich den Laden nicht um sieben Uhr morgens, sondern erst um neun aufmachen würde, gäbe es von ihr eine Ansage.

Meine Mutter hilft immer, für Familie, Freunde und Bekannte geht sie durchs Feuer. Und sie beschwert sich nie. Wenn wir essen gehen und es richtig schlecht schmeckt, sagt sie: „Wie schön, dass wir zusammen sind!“ Ihre Krisen hat sie von uns ferngehalten. Bei der Scheidung von meinem Vater hat sie darauf geachtet, dass wir Kinder abgelenkt sind, mit Sport und Freunden. Auch mit dem Burnout, ihrer Arbeitslosigkeit und damit, dass sie lange unglücklich war, hat sie uns nie belastet. Durch den Erfolg ihrer Bücher hat sich unser Leben verändert, klar. Meine Mutter leistet sich jetzt auch mal was, aber trotzdem bleibt alles im Rahmen. Diese Lebensnähe mag ich – auch in ihren Büchern. Dabei muss ich ehrlich sagen: Ich lese sie eher weniger, ich bin der Sachbuch-Typ. Sie sind auch keine Hochliteratur, das sollen sie auch gar nicht sein, sondern kurzweilig und unterhaltsam.

Gerade waren wir alle zusammen in Rom, es war kühl und meine Mutter hatte nur eine leichte Jacke dabei. Sie hätte sich einen Mantel kaufen können, stattdessen hat sie gesagt: „Wozu? Ich habe doch schon drei daheim.“

Daniel Falk.

Was Daniel Falk an seiner Mutter schätzt: den bedingungslosen Glauben an ihre Kinder.


Protokolle: Marika Schaertl