Fitnesstrend Crawling im Test

Auf die Knie!

Klingt einfach und sieht spaßig aus: Crawling, Krabbeln, ist der neue Fitnesstrend aus den USA. Unsere Autorin hat es auf allen vieren getestet.

Veröffentlicht am 21.07.2017
Frau auf allen vieren.

Fitnesstrend „Crawling”.


Beten, ein Heiratsantrag, ein unters Bett gerollter Ring – es gibt viele Gründe, auf die Knie zu gehen. Ich tue es für einen festeren Po und Bauch, straffe Arme und Oberschenkel und die Haltung einer Ballerina. Das alles verspricht mir Krabbel-Coach Johannes Randolf beim Probetraining. Vorausgesetzt, ich ziehe sein sechswöchiges Programm durch. Jeden zweiten Tag soll ich eine halbe Stunde durch meine Wohnung krabbeln und dabei zwölf Übungen absolvieren.

Muskelkater ist vorprogrammiert

Crawling ist der Fitnesstrend aus den USA. Krabbeln? Soll wohl ein Witz sein. Kann doch jedes Baby! Die Erkenntnis nach fünf Minuten im Vierfüßlerstand: Hochmut kommt vor dem Schmerz. Beim Crawling, so der Tanzlehrer und Physiotherapeut aus Linz, trainiere man mehr Muskeln als bei anderen Workouts. Vor allem die Rumpfmuskulatur, die wir im Alltag so gut wie gar nicht beanspruchen. Außerdem arbeitet man dreidimensional. Das heißt, das Zusammenspiel verschiedener Muskeln wird trainiert – besonders wichtig für einen gesunden Rücken.

Nach dem Aufwärmen streife ich mir Knieschoner (unverzichtbar!) über, und los geht’s mit der Vorbereitungsphase. Beim „Drumming“ etwa trommle ich im Vierfüßlerstand mit den Handflächen auf den Boden. Sieht harmlos aus, aber meine Oberarme zittern nach wenigen Sekunden. Als ich die Übungen zwei Tage später zu Hause wiederhole, vermisse ich die Motivation des Coaches. Ein fieser Muskelkater bremst meinen Elan.

Workout oder Lachnummer?

Sechs Mal pro Seite den „High Screwdriver“ wiederholen? Ach, drei Mal tun’s auch… Ein Workout mit Fun-Faktor habe er entwickeln wollen, hat mir der 49-Jährige erzählt. Tatsächlich lacht sich mein Mann schlapp, als ich ächzend an der Küche vorbeikrabble. „Simple Crawl“ heißt die Lachnummer, und simpel ist es nun überhaupt nicht.

Wenn ich mich nicht konzentriere, bricht Chaos aus. Nicht im Passgang gehen wie ein Kamel! Schultern nicht zu den Ohren ziehen! Brustwirbelsäule nach oben drücken! Woher kommt eigentlich die Wollmäuse-Großfamilie, die an der Sockelleiste entlanghuscht? Rums, knalle ich mit dem Kopf gegen den Flurschrank. Ein Kichern aus der Küche. Ich pfeif’ auf meine Würde und mach weiter. Die Übungen variieren, wobei ich mich nicht zu jeder durchringen kann. Beim „Military Crawl“ übers Parkett robben? Ich passe.

Fazit

Fazit bei Halbzeit: Schon nach dem Probetraining war mein Rücken entspannter, die Wirbelsäule aufgerichtet. Muskelkater bekomme ich nicht mehr, Arme, Bauch und Po sind deutlich fester. Ich gehe und sitze aufrechter, und der Dauerschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule ist verschwunden. Dafür schmerzen die Handgelenke von der ungewohnten Belastung.

Nach zahlreichen Kollisionen mit den Möbeln steht allerdings fest: Meine Wohnung ist nicht krabbel-kompatibel. Zu vollgestellt, der Flur zu schmal und zu kurz. Hilfreich ist auch, von einem Coach angeleitet zu werden, sonst muss man ständig im Buch blättern, wie das war mit der Atmung, mit der Fuß- oder Armhaltung. Zwei Aufwärmübungen werde ich garantiert in mein Rückentraining aufnehmen, aber Babys können in jedem Fall besser krabbeln als ich.