Frag Frieda: Künstliche Befruchtung

Spätes Baby-Glück

Künstliche Befruchtung ist für viele Paare eine große Hoffnung. Gerade wenn man spät Mutter wird, kann man mit unangenehmen Fragen konfrontiert werden. Wichtig ist: Sie sind niemandem eine Antwort schuldig – und manchmal ist die beste Antwort ganz einfach.

Veröffentlicht am 10.11.2017
Frag Frieda.


Ich bin mit 44 dank künstlicher Befruch­tung Mutter von Zwillingen gewor­den. Viele fragen mich, ob wir nachgeholfen hätten. Ich will weder lügen noch Details erzählen.

Sie sind niemandem eine Antwort schuldig. Selbst engen Freunden nicht, und auch dann nicht, wenn es sich so anfühlt, als wären Sie es doch. Manchmal schlittern wir in Gespräche hinein, weil wir denken, dass wir ehrlich sein müssen. Weil man glaubt: Ehrliche Fragen verlangen ehrliche Antworten. Ein Irrtum. Wer so unverblümt nachhakt, ist unverschämt direkt. Gerade so, als würde man Sie fragen, wie oft Sie mit Ihrem Mann schlafen oder wie lange Sie nicht mehr verhüten.

Kurz: Die Frage verletzt Ihre Intimsphäre und bringt Sie in Bedrängnis. Manchmal denke ich, dass uns die Reproduktionsmedizin nicht auf-, sondern abgeklärt hat. Zwillingsgeburten nach künstlicher Befruchtung scheinen nichts Besonderes mehr zu sein, viele sprechen ganz unbefangen darüber – also einfach mal nachforschen. Und schon verliert man, ohne es zu merken, sein Feingefühl. Ihre innere Einstellung kann Sie vor diesen Fragen schützen: Sie haben ein Recht auf Diskretion. Dass Sie und Ihr Mann zu jenen Tausenden von Paaren gehören, die mit medizinischer Unterstützung Eltern geworden sind. Und dass Sie für Ihre Familie kämpfen mussten. Wie belastend eine solche Behandlung sein kann, versteht nur, wer das einmal durchgemacht hat. Sie haben zwei Kinder, nach denen Sie sich gesehnt haben und um die Sie sich mehr als andere bemühen mussten. Die Zwillinge sind ein großes Glück – das ist die einfachste aller Antworten.

Wenn Sie ebenfalls ein Thema haben, das Sie umtreibt – mailen Sie an: fragfrieda@myself.de.