Geschenke machen

Nach der Bescherung ist vor dem Umtausch

Freunde und Familie richtig beschenken, ist eine Kunst. Jeder bedankt sich zwar artig, meint aber womöglich etwas ganz anderes damit. Eine Übersetzungshilfe, um Missverständnissen vorzubeugen.

Veröffentlicht am 25.12.2016
Eine Frau erhält von einem Mann ein paar Geschenke.

Die Geschenkübergabe: ein Drahtseilakt.


Das sagt man: „Wenn es dir nicht gefällt, kannst du es gern umtauschen.“
Das meint man: Wenn du es zurückbringst, bin ich todbeleidigt und rede nie wieder ein Wort mit dir.

Das sagt man: „Ach, das ist ja toll. Und sicher sehr wertvoll!“
Das meint man: Was das wohl auf Ebay einbringt?

Das sagt man:„Es war sehr schwer, etwas für dich zu finden.“
Das meint man: Mir gefällt es eigentlich auch nicht.

Das sagt man: „Das hast du aber schön gebastelt.“
Das meint man: Sind wir im Kindergarten?

Das sagt man: „Ein Gutschein passt immer.“
Das meint man: Einfallsloser geht’s ja wohl nicht.

Das sagt man: „Nein, ich finde auch, dass man ein Geschenk nicht über den Preis definieren sollte.“
Das meint man: Gut zu wissen, was ich dir wert bin.

Das sagt man: „Das wäre doch nicht nötig gewesen.“
Das meint man: Mist, ich hab gar nichts für dich!

Das sagt man: „Der Schal passt toll zu der Mütze, die du mir letztes Jahr geschenkt hast.“
Das meint man: Der ist ja genauso hässlich und kratzig wie das Wollzeug vom letzten Jahr.

Das sagt man: „Was für den Haushalt – wie praktisch.“
Das meint man: Wenn ich ein Bügeleisen brauche, kaufe ich es mir selbst!

Das sagt man: „Wow!, ... dass du dir das gemerkt hast.“
Das meint man: Wenn ich gewusst hätte, was alles bei dir hängen bleibt, hätte ich öfter mal im Tiffany-Katalog geblättert.

Das sagt man: „Unterwäsche! Toll!“
Das meint man: ... sah vielleicht an der spindeldürren Schaufensterpuppe gut aus.

(Text: Kerstin Weng)