Gesunde Ernährung

Caro-Kaffee für den Darm

Wir hatten ja schon immer so ein Bauchgefühl: Die richtige Ernährung macht schön, und schlank. Expertin Michaela Axt-Gadermann erklärt, wie wir uns gesund ernähren und warum Caro-Kaffee gut für den Darm ist.

Veröffentlicht am 25.11.2017

Zarte Haut, die uns schützt: mit der richtigen Ernährung kein Problem.


Noch bis vor zehn Jahren wusste man relativ wenig über die Bakterien im Darm. Das änderte sich 2007: Plötzlich war es Forschern gelungen, die Bakterienbesiedlung genauer zu analysieren – eine medizinische Sensation. Seither gibt es fast wöchentlich neue Erkenntnisse. Auch Professor Michaela Axt-Gadermann von der Hochschule Coburg forscht zu dem Thema. Die Dermatologin fand zum Beispiel heraus, dass das Mikrobiom Einfluss auf das Körpergewicht hat und sich durch die richtige Ernährung verbessern lässt. Ihr Buch „Schlank mit Darm“ (Südwest) verkaufte sich über 800000 Mal. Jetzt geht die Expertin der Frage nach, welche Keime dafür sorgen, dass Haut und Haare profitieren.

Haut und Darm sind ziemlich beste Freunde

Die beiden Organe gehören anatomisch unmittelbar zusammen: Die Haut endet nicht an den Lippen, sondern stülpt sich am Mund nach innen, wird zur Schleimhaut – und die zieht sich durch den gesamten Verdauungstrakt. „Die Keimbesiedlung beider Organe steht in direkter Verbindung“, sagt Michaela Axt-Gadermann. Sie schützt den Körper vor Feuchtigkeitsverlust, schädlichen Substanzen und Krankheitserregern. Die Abwehr übernehmen Billionen von Keimen. Ohne diese freundlichen Mikroorganismen wären wir stressanfälliger, und die Haut würde schneller altern. Gesunde Haut hat einen sauren pH-Wert zwischen 4,5 und 5,75, er kann bei manchen Hautärzten mit speziellen Messinstrumenten bestimmt werden. Voraussetzung für einen stabilen Wert sind bestimmte Milchsäurebakterien im Darm.

Kühler duschen für eine gesündere Haut

Klingt zunächst kurios: Bakterien machen schön. Je dichter Darm und Haut besiedelt sind, desto besser. „Diese Vielfalt ist wichtig, weil jeder Keim eine andere Aufgabe hat. Der eine wirkt entzündungshemmend, der andere produziert Enzyme, die die Haut strahlen lassen, oder Milchsäure, um die Hornschicht abzulösen.“ Ist eine Keimgruppe unter- oder überrepräsentiert, gerät die Hautflora aus der Balance. Das passiert übrigens auch, wenn man zu heiß, zu lange und zu häufig duscht. Eine kalte Dusche reduziert die Keime um ein Drittel, bei heißem Wasser plus Seife gehen deutlich mehr drauf. Gesunde Haut regeneriert sich zwar nach ein paar Stunden, eine Körperpflege mit saurem pH-Wert ist trotzdem sinnvoll (als „hautneutral“ gekennzeichnet). „Theoretisch würde es reichen, nur zweimal pro Woche zu duschen – wenn man nicht geschwitzt hat – und sich ansonsten zu waschen,“ sagt die Ärztin. Das ist kaum praktikabel, deshalb kürzer und nicht so heiß duschen. Und im Urlaub die Frequenz probehalber mal runterfahren.

Neu: Probiotische Kosmetik

Seit man die Fähigkeiten von Milchsäurebakterien kennt, haben sie eine beachtliche Karriere hingelegt und werden gezielt als Beauty-Wirkstoff eingesetzt. Bestimmte Stämme reduzieren langfristig Schuppen. Andere wiederum regen die Bildung von Hyaluronsäure an. Die Bakterien produzieren sogar Vitamine, etwa Biotin, das für feste Nägel, glänzende Haare und glatte Haut sorgt. Neben der richtigen Ernährung (siehe Kasten) sind auch sogenannte Synbiotika gute Keimlieferanten, also Nahrungsergänzungspräparate mit Ballaststoffen und Milchsäurebakterien (z. B. „Madena Darmkur“). Eine Tagesdosis sollte zehn Milliarden Keime enthalten, das ist etwa das Zehnfache dessen, was ein probiotischer Drink aus dem Kühlregal enthält. Inzwischen gibt es sogar probiotische Kosmetik (etwa von Anadolu, Aurelia, Clinique, Ella Baché und Monteil), die Bestandteile oder Stoffwechselprodukte von Bakterien enthalten. Keine Sorge: Diese Produkte riechen angenehm und sind ebenso lange haltbar wie jede andere Creme. Lebende Bakterien sind laut Kosmetik-Verordnung bei uns nicht erlaubt.

Darmreinigung? Lieber nicht!

Die Sanierung des Verdauungstrakts ist gerade ziemlich angesagt. Doch „den Darm zu entgiften ist Quatsch“, sagt Michaela Axt-Gadermann. Schließlich sei er ein Detox-Organ, dessen Stoffwechselleistung größer ist als die der Leber. Zudem vergifte sich ein gesunder Körper nicht, und dass sich „Schlacken“ ablagern, ist ebenfalls ein Mythos. Zumindest aber eine sehr vereinfachte Vorstellung von den Abläufen im Körper. „Die Darmflora baut Giftstoffe und Chemikalien ab und kann uns Stoffe zugänglich machen, die gesund sind.“ Eine Darmreinigung (per Einlauf oder Abführmittel) schadet also mehr, als sie hilft, weil das Leben im Verdauungstrakt dadurch völlig durcheinandergerät – vergleichbar mit einer Antibiotikabehandlung: Gute und schlechte Bakterien werden gekillt, bzw. einfach ausgespült. Und danach ist der Darm, das zeigen Studien, anfälliger für Entzündungen. Noch ungünstiger ist es, wenn die Darmreinigung der Auftakt einer Fastenkur ist. Bekommen die „freundlichen“ Mikroorganismen danach nämlich tagelang keine Nahrung, also Ballaststoffe, gewinnen schädliche Keime leichter die Oberhand. „Außer zu diagnostischen Zwecken sollte man einen großen Bogen um Darmreinigungen machen“, rät die Expertin. Und wenn es wirklich mal nicht anders geht, muss das Keimklima danach wieder behutsam aufgebaut werden – mit synbiotischen Nahrungsergänzungspräparaten (z. B. „UK Darmflora 10 Mega-Kapseln“) und ausgewogener Ernährung.

Eat-List

Gut für Haut, Haare und Figur

  • Joghurt und Kefir sind Hautpflege von innen. Sie sollten nicht stark erhitzt werden (keine H-Milch!). Joghurt und Quark eignen sich für Masken.
  • Fermentieren ist im Trend – gut für den Darm. Am besten frisches Sauerkraut auf dem Markt besorgen oder asiatisches Kimchi-Gemüse selbst fermentieren. Beim Sauerkraut aus der Dose sind keine Keime mehr enthalten.
  • Wer abnehmen möchte, sollte Folgendes essen: Topinambur, Pastinaken, Chicorée, Artischo- cken, Schwarzwurzeln, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Endiviensalat und auch Caro-Kaffee. Sie enthalten Inulin, das die Aktivität bestimmter Bakterien im Dickdarm anregt und dabei hilft, Gewicht zu verlieren.
  • Achtung: Kartoffeln, Nudeln und Reis können schlank machen – wenn sie gekocht und kalt sind, sie enthalten sogenannte resistente Stärke. Ebenso grüne Bananen. Der Effekt bleibt, auch wenn man das Essen nach dem Abkühlen wieder erhitzt.
  • Zucker und Fett meiden, damit schlank machende Bakterien gedeihen können.

Die Expertin Michaela Axt-Gadermann hat in ihrem Buch „Schön mit Darm“ spannende Fakten zum Thema zusammengetragen (Südwest).