Beauty-Kolumne: Parfum

Hauptsache, er riecht gut!

Was Männer wirklich attraktiv macht sind weder Macht noch Moneten. Die entscheidende Rolle spielt – sein Parfum. Erfahren Sie, warum ein Holzfäller theoretisch beste Chancen hätte…

Veröffentlicht am 17.09.2016


Neulich habe ich meinen Traummann im Flugzeug getroffen. Gang, Reihe sieben. Er thronte dort wie ein rundlicher italienischer Tenor mit DalÌ-Schnurrbart im teigigen Gesicht und tippte mit seinen immerhin sehr gepflegten Wurstfingern auf einem Laptop herum. Ich quetschte mich vorbei, atmete durch und war zum ersten Mal im Leben froh über meinen Mittelplatz. Binnen Sekunden war ich diesem Mann verfallen – rein olfaktorisch. Er packte mich mit einem Hauch Oud, diesem unverkennbar holzig-würzigen Duft, so an der Nase, dass ich ihn trotz aller ausladenden Körpermaße und Wurstfingrigkeit vom Take-off bis zur Landung anhimmelte wie ein unerzogener Dackel die Wursttheke.   

Nun ist der Zusammenhang zwischen Amor und Aroma, Liebe und Duft, wissenschaftlich ja längst bewiesen. Gerade haben Riechforscher der Uni Dresden ermittelt, dass Paare mit unterschiedlichen sogenannten HLA-Allelen – nur unbewusst wahrnehmbaren Oberflächenduftmolekülen – ein erfüllteres Liebesleben haben, Gegensätze sich also tatsächlich anziehen. Meine nasalen Affären hatten jedoch weniger mit erotischen Höhenflügen zu tun als mit der Faszination für gut riechende Kerle, eine rare Spezies, schade eigentlich. Laut Statistik leben in Deutschland 39 Millionen Männer. Lediglich jeder neunte benutzt täglich ein Parfum. Der Rest verlässt sich vermutlich auf die aphrodisierende Wirkung von Status oder Achselschweiß. Dabei hinterlässt ein extravaganter, aber dezenter Duft auf der Haut mehr Eindruck als 1000 PS unter der Motorhaube. Das Parfum kann nach Abenteuer riechen, wenn Leder Assoziationen von Sattel und Pampa weckt. Es kann Freiheit versprechen, wenn salzige Nuancen die Gedanken verleiten, in See zu stechen, Heimatgefühle auslösen mit Vanille, die an warmen Pudding erinnert, was zugegeben uncharmant klingt, aber positiv gemeint ist. 

Mein olfaktorischer Appetithappen sah nach vielen Desserts aus, roch aber nach Wüstensohn und Baldachin unter dem Sternenhimmel. Diese Diskrepanz zwischen Optik und Geruch hat den kleinen, dicken Mann ziemlich interessant gemacht. Statt Parfum passend zur Persönlichkeit zu wählen, hat er sich einfach ein anderes Ich aufgesprüht, ein verführerisches, kostbares Alter Ego. Auf das ich – und Frauen generell – positiv reagiere. Eine Umfrage des amerikanischen Parfum-Aboservice Scentbird ergab unlängst, dass 92 Prozent einen gut duftenden Mann als besonders anziehend empfinden. Frische und holzige Noten sind der Hit und bringen den weiblichen Verstand wie Baumstämme zu Fall. In der gleichen Untersuchung gaben übrigens 60 Prozent an, bei einem gut riechenden Exemplar sogar die Initiative zu ergreifen und ihn auf seinen Duft anzusprechen. Das habe ich mich beim Typ auf dem Gangplatz am Ende des Fluges auch getraut. Er schaute erst irritiert, dann stolz und verriet mir sein Duftgeheimnis, mit dem er sich in mein Hirn und ein kleines bisschen in mein Herz gemogelt hat: „Nawab of Oudh“ von Ormonde Jayne. Ein in der Tat kostbares Elixier mit holziger Note (quasi eine Bestätigung der obigen Theorie) für beinahe 400 Euro. Ich werde es meinem Mann zum fünften Hochzeitstag schenken. Und ihm selbstverständlich verschweigen, dass es auf einen olfaktorischen Seitensprung in der Luft beruht.