Hollands Vogue-Chefin Karin Swerink

„Normal ist verrückt genug“

Karin Swerink, Chefredakteurin der niederländischen Vogue, über den Charme von Natürlichkeit und schöne Holländerinnen.

Veröffentlicht am 30.10.2017

Karin Swerink, Chefredakteurin der niederländischen Vogue.


Top-Models, Fotografen oder Designer – niemand beherrscht den Zeitgeist derzeit so souverän wie unsere niederländischen Nachbarn. Warum das so ist, weiß niemand besser als Karin Swerink, Chefredakteurin der holländischen Vogue.

Seit die Journalistin und Mutter einer Teenagertochter das Heft vor fünf Jahren lancierte, steigt die Auflage. Ihr Erfolgsgeheimnis? „Maximale Freiheit“, sagt die 48-Jährige, die an der Academy of Arts in Enschede Modedesign studiert hat. Sie meint die Freiheit, die sie ihrem Team gewährt, individuelle Leidenschaften auszuleben. „Meine Mitarbeiter dürfen alles, das Einzige, das ich ihnen immer wieder einbläue, ist: Macht nur Geschichten, von denen ihr von Herzen überzeugt seid.“ Beim Interview duzt sie einen sofort, statt Small Talk schenkt sie einem zur Begrüßung ein breites Lächeln, das wirkt, als sei man gerade vom Regen in die Sonne spaziert.

Frau Swerink, was ist das Geheimnis von weltweit erfolgreichen Models wie Lara Stone und Doutzen Kroes?
Das fragt mich Mario Testino auch immer. „Was tun Sie hier bloß ins Trinkwasser“, sagt er, „die Mädchen sind so schön!“ Ich denke, sie sind unglaublich gut darin, auf sich achtzugeben. Sie ernähren sich gesund, mixen Smoothies, bewegen sich an der frischen Luft, lachen viel und oft, sind optimistisch und alles andere als Diven. Egal, worum ich die Models bei Shootings bitte, sie machen es, und zwar mit Begeisterung.

Es kommt also auf die Einstellung an?
Jeder entscheidet für sich, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Wir Holländer wählen grundsätzlich letztere Option. Wir sind gut drauf, selbst wenn wir durch den Regen zur Arbeit radeln müssen. Holländerinnen sind außerdem für ihre Natürlichkeit bekannt. Top-Model Bella Hadid, die eine holländische Mutter hat, erzählte neulich in einem Interview: Wenn ich nur ein wenig Make-up auflege, fragen mich meine Mutter und meine Oma sofort, warum ich so angemalt bin. Das ist typisch! Wir finden: Schöne Haut ist der beste Make-up Artist.

Welche Beautyprodukte empfehlen Sie?
Sie müssen gut riechen und sich auf der Haut gut anfühlen. Das ist alles.

Kann es sein, dass das Lebensgefühl auch mit der Geschichte des Landes zu tun hat?
Bis heute beeinflusst uns das Gedankengut des Calvinismus, also die Reformation, die durch Calvin und Luther angetrieben wurde. Schönheit allein genügt uns nicht, wir mögen es praktisch und funktional.

Zum Beispiel?
Die Modedesignerin Iris van Herpen verkörpert diese Einstellung für mich am besten: Sie macht schon seit Jahren Kleider, die per 3D-Druck-Technologie hergestellt werden. Ihre innovativen Entwürfe wurden vom Time Magazine als eine der 50 besten Erfindungen gewürdigt.

Beschreiben Sie Ihre Landsleute mal.
Die Menschen hier sind unaufgeregt, bescheiden – und wissen, was sie wollen. Sie sind das Gegenteil von exzentrisch und kapriziös. Diese Haltung lässt sich auf einen Satz herunterbrechen: „Doe maar gewoon dan doe je al gek genoeg“ – „Bleib normal, das ist schon verrückt genug!“ Klar, dass dieses Denken nicht nur den Alltag, sondern auch die Mode und das Design beeinflusst. Wir hören auf unser Gefühl, sind sehr frei und aufgeschlos- sen. Geld verdient man hier nicht, um es herzuzeigen. Hier wird niemand ermutigt anzugeben, viel wichtiger ist es, freundlich zueinander zu sein.

Was können wir noch von den „Dutchies“ lernen?
Geht öfter mal an die frische Luft und lacht! Aber wir lieben die Deutschen, also ändert euch nicht zu sehr.

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