Homestory: Alexandra Vásquez

Im Kreis der Familie

Mit der Schwiegermutter unter einem Dach leben? Für Unternehmerin Alexandra Vásquez das pure Glück. Gemeinsam möbeln sie ihr Haus im Süden von München auf. Ein Besuch.

Veröffentlicht am 25.12.2016
Alexandra Vasquez sitzt auf dem Sofa in ihrem Haus.

Alexandra Vásquez fühlt sich gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter in ihrem 70er-Jahre Haus rundum wohl.


Mit Mann und Schwiegermutter in einem Haus zu leben – eine Vorstellung, bei der nicht alle spontan Hurra rufen. Selbst wenn das Haus mit sechs Schlafzimmern groß genug ist, das weitläufige Grundstück an seinen Rändern dramatisch in die wilde Flusslandschaft der Pupplinger Au südwestlich von München stürzt und eigenlich immer jemand auf Reisen ist.

Für Alexandra Vásquez ist es das pure Glück, besonders jetzt, wo ihre Heimat Venezuela im Chaos versinkt und Geschwister und Eltern über die ganze Welt verstreut leben. Vor drei Jahren, nach Stationen in Boston, New York und London, kam sie nach Deutschland – und war überrascht, „wie autonom“ hier alle leben, sie selbst ziehe es immer zur Familie, sagt die Südamerikanerin, die an der Universität von Boston Internationale Beziehungen und Wirtschaft studiert und dort ihren Mann kennengelernt hat. In ihrer Schwiegermutter fand sie auch einen partner in crime, was ihre Leidenschaft für Interior-Design und Handwerk anbelangt.

Immer wieder brechen die beiden zu gemeinsamen Trips quer durch Europa auf, stöbern auf Antikmärkten, besuchen Auktionen und sammeln Inspirationen, um den stetigen Umbau des Hauses aus den Siebzigern voranzutreiben. Im Süden Frankreichs erstanden sie alte Holzdielen und Schneidbretter aus dem 18. Jahrhundert, in Belgien einen drei Meter langen Refektoriumstisch, am ersten Tag einer Asienreise Holzschalen und zwei Statuen, die dann zwei Wochen durch Vietnam und Kambodscha mitgeschleppt werden mussten.

Regal und Sessel im Schlafzimmer.

Die Details machen den Unterschied: Das Regal im Schlafzimmer beherbergt Familienfotos und Reiseerinnerungen.


Letzten August in der Türkei, beim Kauf einer anatolischen Hanfdecke, dann die Idee, solch besondere Dinge in einem Online-Shop anzubieten. Innerhalb einer Woche war corotosmarket.com gegründet, wo es alles gibt, was „nicht perfekt“ ist. „Da bin ich sehr nahe an der japanischen Idee des Wabi-Sabi“, erklärt die Venezolanerin das ästhetische Prinzip, das die Unvollkommenheit und Rauheit der Dinge zelebriert; einfach sollen sie sein, poetisch, gern mit Patina. Es ist die Art von Schönheit, die ihr auch auf den täglichen Spaziergängen mit Mischlingshund Gustavo begegnet: bemooste Felsen, knorrige Bäume, modriges Unterholz, Stille.

„Ich habe immer in Metropolen gelebt“, sagt Alexandra Vásquez. In Caracas, wo sie aufgewachsen ist, hat es das ganze Jahr hindurch fünfundzwanzig Grad. „Den rauchigen Duft eines Kaminfeuers, der in kalten Winternächten durch die Landschaft wabert, das heisere Heulen der Füchse, das habe ich erst hier kennengelernt. Und ich liebe es.“ Wie Gustavo. Wenn er Alexandra nach Berlin begleitet, wo sie bisher viel beruflich zu tun hatte, vergeht ihm regelmäßig der Appetit. Vor Heimweh.

Wohnzimmer im 70er-Jahre Stil mit Galerie.

Über den Dingen: Die geschwungene Balustrade der Galerie stammt aus den Siebzigern.