Homestory: Neisha Crosland

Die Power-Flower-Frau

Die Textildesignerin Neisha Crosland hat mit viel Energie ihr Zuhause renoviert. Heute blühen hier sogar Blumen ihre Wände. Ein Hausbesuch.

Veröffentlicht am 12.12.2016
Gedeckter Tisch.

Ein reines Blumenmeer - auf dem Marmortisch vor dem Fenster eine Sammlung Silberglasvasen.


Die alten Römer waren leidenschaftliche Städter. Ein Leben in der Provinz, fern vom kulturellen Spektakel? Unvorstellbar. Ein bisschen Naturidylle musste dann aber doch sein. Also legten sie grüne Innenhöfe an und ließen die Wohnräume ihrer Häuser mit großflächigen Landschaftsfresken bemalen.

Eine Stadtoase dieser Art schwebte auch Neisha Crosland vor, als sie in den Neunzigern einen leer stehenden Gebäudekomplex im Londoner Südwesten kaufte: eine Ansammlung alter Garagen, ehemaliger Handwerksbetriebe, Büros und Lagerhallen. „Ich sah das Potenzial auf Anhieb“, erinnert sich die Textildesignerin. Aber es brauchte siebzehn Jahre und die Hilfe von Architekt Alex Greenway, bis Neisha Crosland mit ihrem Mann Stephane und den Söhnen Oscar und Samuel einziehen konnte. In der Zwischenzeit war das verfallene Ensemble zu einem L-förmigen Komplex zusammengefügt worden. Große, französische Fenstertüren öffnen das Gebäude zum Innenhof. Heute wachsen dort Oliven- und Judasbäume. Eine kleine Allee gestutzter Steineichen schlängelt sich durch den Garten. An den Außenwänden des Hauses ranken Rosen, Clematis und Wilder Wein. Dazu ein Dutzend Blumen­kübel und Kräutertöpfe, deren Inhalt je nach Saison wechselt. 

Neisha Crosland.

Die Wände des Gartenzimmers zieren Chinoiserien, davor sitzt die Hausherrin Neisha Crosland.


Seit Neisha Crosland denken kann, haben Pflanzen sie fasziniert. Als Kind sammelte sie Blüten, trocknete sie und fertigte Zeichnungen an. Nach dem Studium am Londoner Royal College of Art entwickelten sich daraus – „auch bedingt durch meine extreme Kurzsichtigkeit“ – filigrane, mikroskopische Pflanzen­studien, die sie auf Stoffe, Tapeten und Fliesen drucken ließ. Ihre ornamentalen Entwürfe wurden in die Sammlung des Victoria and Albert Museum aufgenommen und schmücken Londoner Luxushotels wie das „Claridge’s“ und das „Dorchester“. Selbstverständlich gehören sie auch zu Neisha Croslands Zuhause. Die floralen Wandmalereien im Salon sind inspiriert von den stilisierten Blüten eines Kimonos.

Blumentapete

Diese handbemalte Seidentapete stammt aus dem Archiv Neisha Croslands.


Als Vorlage für das Gartenzimmer dienten Chinoiserien aus dem 18. Jahrhundert. Dazwischen mit Messingblättern umrankte Lüster, Töpfe, Vasen, Palmen, Kakteen. Und überall – vor allem im Studio, das auf der anderen Seite des Gartens liegt – stapelweise Pflanzenskizzen und Botanikbücher, darunter echte Schätze wie Nicholas Culpepers „Complete Herbal“ von 1653.

Gartenzimmer

Auch im Pflanzenständer des Gartenzimmers haben Teile der Keramiksammlung ein Zuhause gefunden.


Es sei so ruhig und friedlich, sagt Neisha Crosland: „Wir leben mitten in London, aber gefühlt weit draußen auf dem Land.“ Ihr Plan einer Stadtoase wie im alten Rom – der ist aufgegangen.

Flurboden

Ein Flurboden bemalt mit Blütenornamenten von der Londoner Künstlerin Rosie Mennem.