Influencer Derek Blasberg

Hahn im Korb

Buddy von Beruf: Derek Blasbergs Job ist es, der beste Freund der Reichen und Schönen zu sein – oder zumindest so zu tun. Heute gehört er zu den Stars der Influencer-Szene. Wie hat der Amerikaner das gemacht?

Veröffentlicht am 15.05.2017
Derek Blasberg Instagram Gruppenfoto mit Katy Perry, Elton John, Dakota Johnson.

Von links: Katy Perry, Derek Blasberg, Elton John, Dakota Johnson.


Er kennt sie alle. Kendall Jenner, Reese Witherspoon, Tom Ford, Karlie Kloss, Naomi Campbell – die Liste von Derek Blasbergs Freunden ist lang. Er gilt als bestvernetzter Mann der Mode- und Glamour-Welt. Er sitzt bei sämtlichen Fashion Weeks in der ersten Reihe, geht auf jeden Empfang, jede Party, erst recht auf die privaten. Geburtstag zu Hause bei Kate Hudson, Spontan-Gig mit Katy Perry im Hotelzimmer, Headbanging mit Sienna Miller im Cabrio – Derek ist dabei. Und die Fotos auf seinem Instagram-Account zeigen: Der 34-Jährige ist nicht nur dabei. Er ist mittendrin! Wie in aller Welt ist er da gelandet? Und warum hat der Typ plötzlich selbst über eine halbe Million Follower?

„Wird es mal weit bringen“, steht unter seinem Foto im Jahrbuch der Affton High School in St. Louis, Missouri. Wie weit, das war im analogen Zeitalter um die Jahrtausendwende noch nicht abzusehen. Niemand konnte ahnen, dass die sozialen Medien einmal Aufmerksamkeits-Millionäre hervorbringen würden, die hübsche Selfies von sich machen und dann dafür bekannt sind, bekannt zu sein. Dabei greift bei Derek Blasberg nicht die übliche Erfolgsstrategie von influencers, die sich mit einer Mischung aus netter Alles-eitel-Sonnenschein-Optik und gezielter Produktplatzierung selbst vermarkten und sich damit weit nach oben in den Social-Media-Olymp posten. Blasberg sieht gut, aber nicht überdurchschnittlich gut aus. Doch während Instagram-Stars wie Pamela Reif und Nicole Warne Detox-Tees und It-Bags in die Kamera halten, zeigt sich Derek Blasberg mit – Stars. Er ist schlicht dafür bekannt, mit den Bekannten bekannt zu sein.

Schon in der Schule sei der junge Derek extrem beliebt gewesen, erzählt seine Mutter in einem Interview. Als er mit 18 mit einem Stipendium nach New York aufs College geht, um Journalismus und Literatur zu studieren, teilt er sich mit einem Model die Wohnung. Bald kennt er ihren kompletten aufregenden Freundeskreis, bestehend aus noch mehr Models, Fotografen, Bookern. Er wird Assistent bei Vogue,fliegt raus (weil er lieber Kontakte knüpft als organisiert), schreibt aber bald für andere Modemagazine. Spezialität: Insider-Kolumnen, ganz nah dran am Mode-Jetset. 2010 erscheint sein Ratgeber „Classy – Aufregende Tipps für die Lady von heute“; auf der Buchpremiere tanzt Schauspielerin Chloé Sevigny neben Art-Direktorin Julia Restoin Roitfeld. Natürlich wird das Buch ein Bestseller.

Die New York Times nennt ihn ein „Unterhaltungstalent“. Laure Hériard Dubreuil, Socialite und Gründerin der Luxusboutique „The Webster“, sagt, es gebe niemanden, der so amüsant sei wie er: „Derek hat eine Energie, die ansteckend ist. Jeder ist gut drauf und hat die Zeit seines Lebens.“ Gwyneth Paltrow gestand kürzlich, dass sie zunächst skeptisch gegenüber diesem „Promi-Freund-Profi“ gewesen sei, der plötzlich immer und überall auftauchte. „Aber dann verliebte ich mich binnen zehn Sekunden unsterblich in ihn.“

Ein Truman Capote mit Social-Media-Bewusstsein

Nicht zufällig ist Derek Blasberg meist nur von schönen Frauen umringt: Männer sind ohnehin Mangelware in der Modebranche. Aber keiner ist dabei so sehr Gentleman und Personal Entertainer zugleich. Er sei ein Truman Capote mit Social-Media-Bewusstsein, sagte der Künstler Francesco Vezzoli – ein Freund, was sonst – einmal über ihn. Blasberg mag den Vergleich nicht, schließlich hätte es mit Capote ein böses Ende genommen. Und der Autor Blasberg hat sicher nicht die literarische Fallhöhe des Schriftstellers Capote, aber bei den social skills in Sachen Society kann er locker mithalten. Überflüssig zu erwähnen, was heute wichtiger ist.

Blasbergs wichtigste „Werke“ sind vor allem Bilder, Gruppen-Selfies, ähnlich denen, die auf Fotowänden in Restaurants zu finden sind, für die sich Popund Fußballstars mit dem Chefkoch ablichten lassen. Seine versieht er auf Instagram mit schmissigen, selbstironischen Kommentaren, so witzig, dass Gwyneth Paltrow ihn manchmal bittet, für sie zu schreiben. Einen Post von sich und Jamie „Mr. Grey“ Dornan beim Dinner, beide mit Fünf-Tage-Bart, kommentierte er mit: „Ich und Jamie haben letzte Nacht unsere neue Bart- und Rasier- App besprochen.“ Dafür gab es über 11 000 Herzchen, Blasbergs neuer Spitzname: Mr. Likes.  Lieben und geliebt werden – sein größtes Talent. 

Derek Blasberg mit Jamie Dornan.

„Ich und Jamie haben letzte Nacht unsere neue Bart- und Rasier-App besprochen.”


Wenig überraschend, dass es Leute gibt, die ihn für einen Schleimer halten. Wer so viel Aufmerksamkeit bekommt, ist in jedem Fall ein ziemlich gutes Medium. Längst verdient der Mann mit seinen Kontakten Geld. Seit letztem Jahr moderiert er bei CNN die Sendung „Style“, weil nur er an Kate Moss oder Elton John herankommt. Er berät Firmen bei den Gästelisten für ihre Events und ist im Image-Film des Schuhlabels Berluti zu sehen. Wenn er in Paris ist, also ziemlich oft, wohnt er im Luxusappartementvon Society-Lady Lauren Santo Domingo, Neujahr verbringt er auf der Yacht der russischen Kunstmäzenin Dasha Zhukova. Aber, und das ist der entscheidende Punkt: Er verkauft seine Kontakte nicht. Im Gegenteil. Im Grunde ist Derek Blasberg ein Klatschreporter, der keinen Klatsch verbreitet. Er öffnet die Tür nur einen Spalt breit, lässt uns kurz reinblinzeln und macht sie dann mit einem netten Spruch wieder zu. Seine berühmten Freunde können sicher sein, dass er nichts ausplaudert, was ihnen schaden würde. 

„Ich will nur nette Sachen schreiben“, hat er einmal gesagt. Der Typ ist clever und weiß: Die Hände, die einen füttern, beißt man nicht.