Kuratorin Susanne Pfeffer im Interview

„Gute Kunst ist immer politisch“

Welche Bedeutung hat Kunst in einer Gesellschaft, die aus den Fugen gerät? Drei Fragen an Susanne Pfeffer, die seit 2013 das Fridericanium in Kassel leitet und dieses Jahr den deutschen Pavillon der Biennale kuratiert.

Veröffentlicht am 12.04.2017
Susanne Pfeffer.

Susanne Pfeffer, 44, kuratiert dieses Jahr den deutschen Pavillon der Biennale.


Muss Kunst heute politisch sein?
Wir leben in einer Zeit, in der eine offe­ne Gesellschaft zunehmend in Bedräng­nis gerät. Ich denke, gute Kunst ist im­mer politisch. Sie kann gesellschaftliche Prozesse reflektieren und in dem Mo­ment reagieren, in dem etwas passiert.

Die Bilderwelt ist heute durch Kanäle wie Instagram massiv im Umbruch.
Wir sind permanent von Bildern umge­ben, diese neuen Technologien verän­dern die Funktion genauso radikal wie den Auftrag der Bilder. Sie sind losge­löst von Hierarchien, sie werden aus­tauschbar, ortlos und ohne Rücksicht auf ihre Beschaffenheit neu formatiert. In dieser Masse von ähnlichen Bildern tritt das einzelne zurück. Was zählt, ist nicht mehr das Motiv, sondern nur noch das dem Bild speziell Eigene, sein imaginäres Potenzial.

Was bedeutet das für Frauen in der Kunst?
Von einer tatsächlichen Gleichberech­tigung sind wir weit entfernt, und da­mit meine ich nicht nur die von Mann und Frau. Was es – auch angesichts der politischen Veränderungen – zu vertei­digen gilt, ist die grundsätzliche Gleich­heit der Menschen.