Interview mit Josef Hader

Humor rettet uns nicht

Kabarettist, Schauspieler und Regisseur Josef Hader erklärt im Interview, warum man Erfolg wie einen guten Schnaps genießen sollte und humorlose Männer lustige Frauen nicht verdient haben.

Veröffentlicht am 03.06.2017
Porträt Josef Hader.

Josef Hader, 55, lebt in Wien, ist Vater von zwei Söhnen und mit der Kollegin Pia Hierzegger liiert.


Ein Treffen mit Josef Hader im Café des Literaturhauses. Der Kabarettist und Schauspieler ist in Berlin, um über sein Regiedebüt zu sprechen. Ein freundlicher Mann mit leichtem Rundrücken, kleinem Bauch und einem Charisma, das alles überstrahlt. Er lächelt bei der Begrüßung, hält die Tür auf und bestellt seinen Kurzen erst, als ich geordert habe. Das Charmanteste an ihm: der österreichische Singsang, in dem er antwortet. Den müssen Sie sich beim Lesen bitte dazudenken.

Herr Hader, Ihr Film „Wilde Maus“ erzählt von der Midlife-Crisis eines Wiener Musikkritikers. Sind Sie Ihren eigenen Krisen mit Humor begegnet?
Sie setzen voraus, dass ich welche hatte! Zwischen 30 und 40 gab es verschiedene kleinere, aber nicht die eine große Sinnkrise. Humor hilft einem dabei übrigens nicht. In traurigen Momenten brauche ich den Blick von außen. Sich rauszoomen und die Perspektive wechseln hilft. Ich bin ein sehr selbstmitleidiger Mensch. Irgendwann habe ich begonnen, meine eigene Tragik zu konsumieren. Das war die halbe Rettung.

Ist Scheitern auch immer eine Chance?
Ich denke schon. Die „Wilde Maus“ entstand nur, weil ein anderes Projekt abgelehnt wurde. Kein Dreh, keine Arbeit, freier Sommer. Drei Tage lang war ich traurig. Dann habe ich mich gefragt, was ich mit der geschenkten Zeit anfangen könnte. Es war die Chance, mein eigenes Drehbuch zu schreiben. Plötzlich war ich unglaublich gut gelaunt und motiviert.

Sie haben Ihre Karriere in den 80ern als politischer Kabarettist in Wien begonnen und treten bis heute viel auf. Kann man Lustigsein trainieren?
Ich nehme mir nie vor, witzig zu sein. Das wäre zu verkrampft und auf den Endzweck ausgerichtet. Witzig oder charmant zu sein funktioniert nur, wenn man es nicht plant. Manchmal nehme ich mir vor, ein Problem mit Humor zu lösen. Das gelingt, wenn man sich auf ein absurdes Detail konzentriert.

Was bereitet langfristig gute Laune?
Interessante Arbeit! Es wäre gut möglich gewesen, dass mein Film nicht zur Berlinale eingeladen worden wäre. Deshalb wäre er für mich nicht schlechter gewesen. Ich hätte immer noch diese tollen Erfahrungen gemacht, und die kann mir keiner nehmen.

Sie scheinen kein besonders großes Ego zu haben?
Doch. Aber ich bin ja kein Trottel. Für mich sind nicht die Dinge von Wert, die von anderen abhängig sind. Ich definiere das als größte Freude, was ich selbst erreicht habe. Es ist gar nicht so entscheidend, was eintritt, sondern vielmehr, dass es für mich spannend war.

Wie wichtig ist Erfolg für Sie?
Man sollte ihn wie einen guten Schnaps behandeln: Den trinkt man, ist sich dessen Wirkung bewusst, sollte ihm aber nicht mehr Bedeutung zugestehen als einer vorübergehenden guten Laune.

Sie sind auf einem Bauernhof groß geworden. Kommt daher diese eher bodenständige Einstellung?
Bauern sind generell vielleicht realistischer. Bei mir war klar, dass ich den Hof verlassen würde. Es gab also keine Erwartungshaltung. Das Lehramtsstudium war so langweilig, dass ich Kabarettist wurde. Ich bin nicht frei von Narzissmus, eben weil ich mir alles selbst erarbeitet habe. Der Erfolg in der Quantität ist nicht mein Ziel. Wenn aber niemandem gefallen würde, was ich mache, hätte ich ein Problem. Das wäre, als würde man meine ganze Person ablehnen. Mir genügt es, wenn mich nur wenige mögen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Kritikern?
Entspannt. Weil ich das Gefühl habe, die gehören auch zu dem Theater, in dem ich mitspiele. Die sind die Krokodile, ich der Kasperl.

Was finden Sie lustig?
Den tragisch-komischen Bereich. Das kann ein Film des Finnen Aki Kaurismäki sein, das amerikanische Drama „Silver Linings“, „Höhere Gewalt“ aus Schweden oder natürlich: „Toni Erdmann“. Ich schätze den Komiker Louis C. K. Er macht selber kleine Serien im Internet. Das ist Kafka und lustig und alles auf einmal – grandios! Ich schätze Helmut Qualtinger, Gerhard Polt und Woody Allen. 

Gibt es Frauen, die Sie lustig fnden?
Klar, da fallen mir sofort Martina Schwarzmann, Anna Mateur und die junge und talentierte Kollegin Lisa Eckhart ein. Ich habe den Eindruck, dass die Befreiung der Frauen in Comedy und Kabarett eingesetzt hat. Vor zwanzig Jahren herrschte noch die Meinung, dass eine Frau es schwerer hat, komisch zu sein. Die Gesellschaft erwartet von einem Mann, dass er stark ist. Wenn er dann schwach ist, finden das viele amüsant. Stellen Sie sich vor, Woody Allen wäre eine Frau. Da würden alle nur sagen, sie sei selbstmitleidig, jammere rum und nerve. Bei einem Mann ist es lustig. 

Witz bei Männern wirkt auf Frauen of erotsierend. Umgekehrt scheint das nicht der Fall zu sein, oder?
Wenn ein Mann intelligent ist, schätzt er witzige Frauen. Denn er weiß, dass nach zwei Jahren der Sex weniger wird, und dann darf es nicht fad werden. Ein Mann, der Humor nicht schätzt, hat sowieso keine lustige Frau verdient.

Ist ein ähnlicher Humor zwingend für das Gelingen einer Partnerschaf?
Ich weiß nicht, ob das zwingend ist. Aber man sollte sich auf Augenhöhe begegnen. Das ist für mich ein guter Garant für eine interessante und dauerhafte Beziehung.

Was macht humorvolle Menschen aus?
Soziale Intelligenz. Damit kann man bei seinen Mitmenschen viel erreichen und sie kann zu großem Erfolg führen. Fehlt sie, muss man definitiv härter arbeiten. 

Zum Schluss: Lachen Sie laut? 
Wahnsinnig laut. Und viel.