Jennifer Weist und der neue Feminismus

Wer einsteckt, darf austeilen

Jennifer Weist, Frontfrau der Band Jennifer Rostock, wird dafür angefeindet, dass sie Position bezieht. Ihre Antwort? Noch entschiedener für mehr Selbstbestimmung und einen neuen Feminismus kämpfen.

Veröffentlicht am 22.03.2017
Jennifer Weist mit ihrer Band Jennifer Rostock.

Mehr Selbstbestimmung und ein neuer Feminismus – dafür kämpft Jennifer Weist, 30.


„Genau wegen solcher Schlampen wie dir wähle ich die AfD“ steht auf dem Zettel, den Jennifer Weist vergangenes Jahr aus ihrem privaten Briefkasten fischt, nachdem die Sängerin der deutschen Rockband Jennifer Rostock einen Anti-AfD-Song ins Netz stellte. Neben den Likes ihrer Fans, die ihren Mut anerkennen, erntet sie für ihre unmissverständliche Haltung vom anonymen Mob Beleidigungen, Anfeindungen, Drohungen. „Aber“, sagt sie, „all das kommt bei mir nur bis an meine äußere Hülle, es dringt nie bis zum Herzen durch. Aus einem einfachen Grund: Ich kenne diesen Menschen nicht und er mich auch nicht.“

Die 30-Jährige polarisiert mit klaren Statements: Auf der Bühne zeigt sie ihre Brüste, weil sie nicht einsieht, dass nur Männer obenrum blankziehen dürfen. In ihrem Video zur letzten Single „Hengstin“ gibt sie sich komplett hüllenlos und singt „Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist“. Jennifer Weist feiert einen wütenden Feminismus, von dem man glaubte, er sei längst obsolet. Dabei sagt die Sängerin, sie habe sich nie wirklich von irgendetwas emanzipiert: „Ich bin mit dem Selbstverständnis von Gleichberechtigung aufgewachsen und hatte nie den Eindruck, diskriminiert zu werden, weil ich eine Frau bin.“ Bis die Musik kam und die Öffentlichkeit. Von einem Tag auf den anderen sei sie den Blicken und Worten von Menschen ausgesetzt gewesen, die sie für die banalsten Dinge kritisierten und diskriminierten.

Doch trotz des Gegenwinds kämpft Jennifer Weist weiter für ihre Überzeugungen und ist selbstbewusst genug, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ihr neues Video „Kann man liken, kann man hassen“ ging vor Kurzem online und ist so etwas wie ein lächelnder Mittelfinger für ihre treuen Hater. Ganz nach der Devise: Wer einsteckt, muss auch austeilen dürfen. „Leider gibt es für Stärke keine Formel“, sagt Jennifer Weist. „Deshalb ist es so schwer, anderen Menschen zu erklären, wie man stark und selbstbewusst wird.“ Was ihr helfe? Ungerechtigkeiten nicht hinzunehmen und den Mund aufzumachen. „Das ist für uns die größte Herausforderung. Und unser größtes Geschenk.“