Kanarische Inseln

7 Gründe für Lanzarote

Die östlichste der Kanarischen Inseln erlebt gerade ein Comeback. Zu Recht! Sieben Gründe, wieso sich Lanzarote und ein Besuch mehr als lohnen.

Veröffentlicht am 28.03.2017
Playa de Papagayo.

So gut wie unberührt: die Playa de Papagayo.


1. Die Insel – ein Energiezentrum

Manche behaupten, das merke man bereits, wenn man aus dem Flugzeug steigt. Vor 15 Millionen Jahren wurde Lanzarote durch gewaltige Vulkanausbrüche aus dem Atlantik geschoben. Drei Viertel der Inselfläche sind mit bizarr geformter Lava bedeckt, aus der etwa 300 Krater ragen. Eine archaische Landschaft und alles andere als öde. Im Gegenteil: magisch! Diese Ruhe. Dieses Licht. Das Schwarz der Lava lässt andere Farben leuchten: das Blau von Meer und Himmel, das satte Grün vereinzelter Sukkulenten, das strahlende Pink von Mittagsblumen. Die schönste Vulkanwanderung ist zwölf Kilometer lang und führt um den größten Krater, die Caldera Blanca bei Mancha Blanca. Wenn man über das Lavameer bis zum Atlantik blickt, versteht man, warum Lanzarote auch die Insel der Elemente genannt wird: Feuer, Wasser, Luft und Erde.

Weiße, quaderförmige Häuser auf Lanzarote.

Weiße, quaderförmige Häuser sind typisch für die Insel.


2. Architektur-Highlights

Beton, Bettenburgen, Partymeilen – nicht auf Lanzarote! Man hat aus den Fehlern von Gran Canaria und Teneriffa gelernt. Zu verdanken ist die umsichtige Bebauungspolitik vor allem dem bekanntesten Sohn der Insel, César Manrique. Der Architekt und Umweltschützer setzte sich bis zu seinem Tod vor knapp dreißig Jahren dafür ein, die Kultur und Naturschönheit der Insel zu bewahren. Mit der Suche nach seinen Spuren beginnt man idealerweise in Tahiche. Dort steht sein Wohnhaus, heute ein Museum und Kultstätte. Fünf miteinander verbundene Lavablasen bilden den Kern des Anwesens und wurden – teils über-, teils unterirdisch – als Wohnzimmer, Atelier und Schlafräume genutzt. Atemberaubend, wie die Natur in den Bau miteinbezogen wurde. Hier bekommt man auch Hintergrundinformationen zu Manriques anderen Bauten auf Lanzarote, etwa dem Museo Internacional de Arte Contemporáneo (MIAC) in der Hauptstadt Arrecife oder dem „El Diabolo“-Restaurant im Nationalpark Timanfaya mit Blick auf die Feuerberge.

Das einstige Anwesen von César Manrique in Tahiche.

Das einstige Anwesen von César Manrique in Tahiche.


3. Das Essen? Einzigartig und gesund

Die Inselküche steht für die Kunst, frische Köstlichkeiten aus dem wenigen zu komponieren, was das karge Land und der raue Atlantik hergeben. Wenn Restaurants cocina casera bieten, also Hausmannskost, ist das immer ein gutes Zeichen. Dann gibt es Zackenbarsch, Barrakuda, Meerbrasse und Papageienfisch, meist schlicht a la plancha, auf der Metallplatte gebrutzelt. Dazu papas arrugadas con mojo, in Salzlake gekochte Minikartoffeln mit einer sämigen Sauce aus Olivenöl, Knoblauch, Essig, Salz und roten Peperoni (rojo) oder Korianderkraut (verde). Unbedingt auch mal lapas probieren, gegrillte Napfschnecken aus dem Meer, fein zubereitet etwa im Restaurant „El Disco“ mit Blick auf die Sandbucht von Famara.

Der Blick vom „Mirador del Río“ auf den Chinijo-Archipel.

Da wird der Kaffee schon mal kalt: Der Blick vom „Mirador del Río“ auf den Chinijo-Archipel fesselt jeden Besucher.


4. Spielplatz der Kreativen

Zum schönsten Ort der Welt wollte César Manrique seine Insel machen – und immer mehr folgen seinem Beispiel. Die „Buenavista Lanzarote Country Suites“ bei Tias wurden von dem in Berlin lebenden Architekten Néstor Pérez Batista konzipiert: weiße Quader, reduziertes Design, traumhafter Blick durch Panoramafenster auf die Weinfelder. Nur wenige Kilometer weiter, in Masdache, führen die Briten Tarnya und Richard Norse-Evans die „Finca Malvasia“, vier Apartments und ein Haupthaus mit türkisfarbenem Lagunenpool. Oder Mikel Otaegui: Der Koch kehrte mit Frau Marta in seine Heimat zurück, um das inzwischen hochgelobte Restaurant „Naia“ in Arrecife zu führen.

Einblick in eine der „Buenavista Lanzarote Country Suites“.

„Buenavista Lanzarote Country Suites“ mit Tarnya und Richard Norse-Evans – sie führen die „Finca Malvasia“ mit oasenhaftem Pool.


5. In Kunst baden – hier funktioniert’s

In Paris geht man in den Louvre, in Madrid in den Prado, in Venedig zur Biennale. Auf Lanzarote taucht man für Kunstgenuss einfach ab. Der Skulpturenpark des Museo Atlántico auf dem Meeresgrund bei Playa Blanca ist seit seiner Eröffnung vor einem knappen Jahr Europas erstes Unterwassermuseum. Die Lanzaroteños sind hellauf begeistert. Sie lieben es, wenn die Schönheit ihrer Insel mit Kunst in Verbindung gebracht wird. Der britische Installations-Experte Jason deCaires Taylor formte sechzig lebensechte Skulpturen aus Beton – mal Selfies knipsend, mal mit resigniertem Blick in einem Flüchtlingsboot oder an einem Schreibtisch sitzend – und ließ diese in zwölf bis 15 Meter Wassertiefe versenken. Nach und nach sollen Korallen, Algen und Fische alles in ein lebendiges Riff verwandeln. Wer die Skulpturen aus der Nähe anschauen möchte, darf nicht wasserscheu sein: Vom Künstler selbst geschulte Tauch-Guides bieten Unterwassertouren an. An ruhigen Tagen ist das Meer so klar, dass Schnorchler die Werke auch von der Oberfläche aus bestaunen können.

Playa de Papagayo.

So gut wie unberührt: die Playa de Papagayo.


6. Artesanía Canaria statt Aller­weltsprodukte

An jedem Tag der Woche findet irgendwo auf Lanzarote ein Markt statt. Bäuerinnen bieten Spezialitäten wie Kaktusfeigenkonfitüre, Dattellikör und die kanarische Würzsauce Mojo an. Im charmanten Städtchen Teguise findet man inseltypisches Kunsthandwerk wie Keramik und Stickereien sowie Mode junger Designer, etwa bei Canary Cotton (Calle Reyes Católicos 1). Schicke Taschen, Hüte und Matten aus Palmfasern fertigen Flechter im oasenhaft grünen Haría im „Tal der 1000 Palmen“. Von dort ist es dann nur noch ein Katzensprung zum Sundowner an Lanzarotes atemberaubendstem Aussichtspunkt, dem „Mirador del Río“. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung in den Siebzigerjahren galt er nicht umsonst als eines der bedeutendsten modernen Bauwerke weltweit. Entworfen von, genau, César Manrique.

Mirador del Río.

Spektakulärer Aussichtspunkt: „Mirador del Río“.


7. ... und wer will, meditiert

Nach dem Tod seiner Mutter suchte Star-Regisseur Pedro Almodóvar Zuflucht auf Lanzarote. „Die Farben der Insel reflektierten meine Gefühle – ich fand das tröstlich. Ich fühlte eine positive Energie und konnte endlich wieder schlafen“, erinnerte er sich später. Almodóvar fand nicht nur Seelenheil, sondern auch Inspiration für seine 2009 gedrehte Liebestragödie „Zerrissene Umarmungen“ mit Penélope Cruz. Es ist, als würden die Feuerberge den Stoffwechsel von Seele und Geist ankurbeln. Schon immer zog es Künstler und Sinnsucher hierher, das Angebot an spirituellen wie kreativen Workshops ist riesig. Es reicht von Schamanismus über die Herstellung von Aloe-vera-Kosmetik bis zum Malen mit Cochenille-Farbe im Anthroposophischen Zentrum in Puerto del Carmen. Die Pigmente von der berühmten Kaktus-Laus färbten einst Campari und Lippenstifte. Ruhe und Entschleunigung findet man auch beim Sammeln von Olivinen an der Playa de Janubio. Leuchtend grün funkeln die Minerale im schwarzen Lavasand, weit und breit ist niemand zu sehen. Man sucht, sammelt, vergisst Zeit und Raum. Auch eine Art Meditation. Und am Ende nimmt man Kristall gewordene vulkanische Energie mit nach Hause.

Einblick in die „Finca Malvasia“.

Herrlich verschlafen: die „Finca Malvasia“.


Gut zu wissen

Anreise

Condor fliegt von ver­schiedenen deutschen Städten direkt nach Arrecife, die Flugzeit beträgt nur 4,5 Stunden und man ist da. Ab 120 Euro.

Anschauen

Abgesehen von den erwähnten Orten lohnt sich ein Abstecher zum Lagomar, einst Wohnhaus des Schauspielers Omar Sharif, mit Naturhöhlen, Labyrinth und einem formida­blen Restaurant.

Bewegen

Die schönsten Plätze der Insel erreicht man nur zu Fuß, per Mountainbike oder Boot. Gute Anbieter für geführte Touren sind Magma Bikes in Playa Blanca und Active Club in Costa Teguise.

Extra-Tipp

Noch gibt es kein Sterne­-Lokal auf der Insel, aber einen heißen Favoriten: „La Tega­ la“ in Mácher. Für unschlagbare 48 Euro bekommt man dort ein neungängiges Degustationsmenü.

Text: Heike Weichler