Kind und Karriere

Bin ich eine Rabenmutter?

Frauen, die nach einer Schwangerschaft schnell wieder ins Berufsleben zurückkehren, gelten gerade in Deutschland häufig als Rabenmütter. Aber muss man sich diese Unterstellung auch gefallen lassen? Eine Psychologin klärt auf.

Veröffentlicht am 19.07.2017
Kind sitzt allein am Fenster.


Ich habe vor einem halben Jahr eine Tochter bekommen und arbeite seit kurzem wieder. Jetzt höre ich von Freunden und Verwandten ständig, dass ich mindestens zwei bis drei Jahre zu Hause bleiben sollte. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?

Nein, das müssen Sie nicht! Aus welchen Gründen auch immer Sie sich entschieden haben, wieder zu arbeiten (nicht selten stecken auch finanzielle Notwendigkeiten dahinter) – was Sie tun, ist völlig in Ordnung. Lassen Sie die anderen denken (und sagen), was sie wollen. Hinter solchem Gerede steckt oft Neid. Weil man das mit Karriere und Kindern selbst nicht hingekriegt hat, beschimpft man die, die das schaffen.

Hinzu kommt, dass dieses Thema gerade in Deutschland schnell zur ideologischen Diskussion wird, in der man „Rabenmüttern“ gern unterstellt, sie seien egoistisch und wollten alles auf einmal. Möglich auch, dass Verwandte und Freunde durch ihre ablehnende Haltung schon mal vorab signalisieren, mit ihnen sei als Babysitter nicht zu rechnen. Sie müssen herausfinden, wo Ihre Bedürfnisse liegen – und diese umsetzen. Eine Mutter, die unzufrieden ist, würde weder sich selbst noch ihrem Kind guttun.