Kosmetik und Pflege

Das neue Beauty-Lexikon

Was ist denn bitteschön Air-dry? Oder Fur-Care? Oder die sogenannte Jungblut-Therapie? Und vor allen Dingen: Was bringt das? Das große Beauty-Lexikon.

Veröffentlicht am 26.09.2017
Roter Föhn auf grünem Hintergrund.

Klimper-Wimpern und Apfelbäckchen? Nennt man „Doll ­Make-up“ und ist glück­licherweise nur in YouTube-Kreisen ein Trend.


Air-dry

Warum Zufallsfrisuren meistens besser aussehen als ­zurechtgeföhnte? Liegt wohl an der Laissez-faire-Attitude, die man damit ausstrahlt. Luftgetrocknete Styles, also Air-Drys, werden im Netz gefeiert und gelingen so: Das handtuchtrockene, mittig gescheitelte Haar hinter die Ohren kämmen, mit je einer Metallklammer ­fixieren und trocknen lassen. Klammern entfernen, die Haare mit den Fingern nach vorn kämmen – und mit lässigen Wellen protzen. Gut möglich, dass sich Blow-Dry-Bars bald in Luft auflösen.

Boy-Brow

Die Pinzetten-Industrie hat’s schwer. Seit Cara Delevingne ist die jungenhafte Augenbraue zur Boyfriend-Jeans unter den Beauty-Trends herangewachsen. Dieses Jahr wird’s noch buschiger: Wer früher zu oft gezupft hat, kann jetzt zu – Achtung – Augenbrauenperücken greifen. 

Customized Foundation

Nach maßgeschneiderten Düften und Cremes gibt es jetzt die erste Foun­dation, die – Trommelwirbel – wirklich zu uns passt. Für Lancômes „Le Teint Particulier“ wird per Messgerät der individuelle Hautton ermittelt. Frei nach dem Baumarkt-Farbmisch-Prinzip werden passende Pigmente maschinell ineinander­gegossen und geschüttelt. Solche „Mix-Stationen“ gibt es vorerst nur in den USA, demnächst in Deutschland.

Double-Masking

Wer die maximale Wirkkraft aus seinen Lieblingsmasken kitzeln will, kombiniert sie ab sofort. Das Prinzip: Maske eins bereitet die Haut auf Maske zwei vor. Für einen ebenmäßigen Teint z. B. erst die klärende „Tonerde Absolue“-Maske von L’Oréal Paris, 10 Euro, auftragen, anschließend die reichhaltige „Feuchtigkeitsmaske“ von Susanne Kaufmann, 46 Euro. 

Creme-Masken von Susanne Kaufmann und L'Oreal Paris.


Earlobe-Filler

Treten Sie näher! Und heißen Sie das klitzekleine Ohrläppchen-Lifting im Beauty-Zirkus will­kommen. Klingt überflüssig, aber altersbedingt erschlaffte Ohrläppchen könnten stören und das Tragen von Ohrringen unmöglich machen. Mit einer Hyaluronsäure-Unterspritzung – die Behandlung dauert etwa 30 Minuten und hält sechs bis zwölf Monate – lässt sich verloren gegan­genes Volumen rekon­struieren. Kosten: ab ca. 300 Euro.

Fur-Care

Tierfreunde dürfen aufatmen. Gemeint ist keine Creme mit zweifel­haftem Pelz-Zusatz, sondern eine Pflegelinie fürs Schamhaar. Ja, richtig gelesen. Alle Produkte aus der Fur-Serie (über furyou.comab 24 Euro) zielen darauf ab, struppige Härchen down under zu zähmen und eingewachsenen den Garaus zu machen. Braucht man das? Nicht zwangsläufig. Andererseits: Männer pflegen ihre Vollbärte ja auch.

Garage-Doors

Alles kommt zurück, sogar Lidschatten, der bis zur Augenbraue hochgezogen wird. Obwohl wir uns diese Make-up-Marotte längst abgeschminkt hatten, feiert sie auf Instagram ein Comeback. Kajalstiftdünnen, grungy gekleideten Influencern steht’s. Allen anderen nicht.

Hair-Dusting

„Maximal einen Zentimeter!“ Überzeugte Langhaarige fürchten sich vorm Spitzenschneiden und dürften sich jetzt umso mehr freuen. Beim Hair-Dusting, einer wiederent­deckten Schnitttechnik, werden nur die geschädigten Haare (die spröde hervorstehen) gekürzt, die Gesamtlänge bleibt erhalten. 

Produkte aus dem Beauty-Lexikon.


lluminating

Unter Schminkenden herrscht seit Jahren ­Meinungskrieg: Die einen mögen’s matt, die anderen so „glowy“ wie möglich. Produkte, die das Licht reflektieren, machen sich jetzt breit. Und zwar nicht nur, was das Make-up angeht. Auch Seren, Bodysprays und Haarprodukte illuminieren den Körper. Mehr Glanz, mehr Gloria! Für strahlende Haut und glänzendes Haar: „Météorites Baby Glow Touch“ von Guerlain, 39 Euro (ab September), „Lumicia Illuminating Shine Rinse“ von ­René Furterer, 20 Euro.

Jungblut-Therapie

Sie gruseln sich vorm „Vampire Lifting“? Dann haben Sie noch nichts von der „Teenage Blood Therapy“ gehört. Bei dem höchst umstrittenen Anti-Aging-Treatment (das – natürlich – aus den USA kommt), wird Patientinnen Plasma­konzentrat injiziert, das vom Blut junger Menschen stammt. Was man sich davon verspricht: taufrische statt müder Haut. Naheliegend? Ja, aber gefährlich. Das Infektionsrisiko ist bei jeder Art von Bluttransfusionen immens. Bis dieser minimal­invasive, aber maximal durch­gedrehte Eingriff zum Standard wird, vergehen hoffentlich noch Jahrzehnte.

Knit Mask

Vergessen Sie Vlies. Den eitlen Koreanerinnen sei Dank, wir sind wieder um eine Beauty-Erfindung reicher: Strickmasken (von Neogen, ca. 9 Euro), die zwar ähnlich wie andere „Sheet Masks“ aussehen und angewendet werden, sind aus gestricktem Material und können entsprechend mehr Wirkstoffe aufnehmen – und an die Haut abgeben. „Kamsahamnida“, Korea! Gut gemacht. 

Lippenreduktion

Ein Asien-Export, für den es keinen Beifall gibt. Wer glaubt, volle Lippen loswerden zu müssen, kann die jetzt operativ verkleinern lassen. Tja, schon Henry David Thoreau wusste: „Der Nörgler wird sogar im Paradies Fehler finden.“

Methylenblau

Keine Trendnuance, sondern ein Farbstoff, der als ­potenzieller Anti-Aging-Wirkstoff Furore macht. Laut Forschern der University of Maryland ist Methylenblau in der Lage, die Hautalterung zu verlangsamen und die Zellteilung zu beschleu­nigen. Dürfen wir in Zukunft auf ein blaues Wunder hoffen?

Pinsel Beauty-Lexikon


Neutralizing Service

Wenn der Haarton nach dem Sommer unschöne gelbliche oder gar rötliche Züge angenommen hat, einfach den neuen Neutralizing Service in Anspruch nehmen. L’Oréal Professionnel hat die farbausgleichende Colorationstechnik (ab ca. 60 Euro) entwickelt und bietet sie in einigen Salons an. Infos unter friseur.lorealprofessionnel.de.

Phiit

Wilde Workout-Kreuzungen sind wir von der Fitness-Industrie gewohnt. Phiit steht für Pilates High Intensity Interval Training und kombiniert muskulaturstärkende Pilates-Übungen mit hochintensiven Kardio-Einheiten. Ergebnis: maximale Fettverbrennung und schlanke, definierte Muskeln. Im Moment ist Phiit ein London-Ding, bis es auf den Kurs-Menüs deutscher Studios auftaucht, dürfte aber nicht mehr viel Zeit vergehen. 

Schaumschläger

Der „Marshmallow Whip Maker“ von Nooni (ca. 28 Euro, über Amazon) ist das possierlichste ­Bad-Accessoire, das uns seit Langem untergekommen ist. Und durchaus sinnvoll: Gibt man Waschgel zusammen mit etwas Wasser in den rosafarbenen Mixer, schlägt er es nach ein paar Pumpstößen zu cremiger Mousse. Ideal für sensible Haut.

Top Shelfie

Seit die Gründer des Beauty-Blogs „Into The Gloss“ Menschen ihre am ­meisten benutzten Tiegel und Tuben fotografieren und kommentieren lassen, macht der Begriff (der gleichzeitig Name dieser Rubrik ist) im Netz die Runde. Top Shelfies – von „top shelf“ wie „oberstes Regal“ – sind reinster Badezimmer-Voyeurismus. Und ein Riesenspaß! 

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Volite

Dass Unterspritzungen nicht nur glatt bügeln, sondern die Haut auch zum Strahlen bringen können, sollte klar sein. Trotzdem skeptisch? Dann könnte „Juvéderm Volite“ interessant sein. Das neuartige Hyaluronsäure-Gel verbessert laut Hersteller Durchfeuchtung, Geschmeidigkeit und Elastizität der Haut. Feilt also am viel zitierten „Glow“, anstatt primär zu straffen. Ärztinnen wie Dr. Simone Hellmann in Köln oder Dr. Patricia Ogilvie in München bieten es an.

Yoga 2.0

In den Staaten bringen Yogis neuerdings Bier oder Joints mit zum Training. Oder sie rollen ihre Matten gleich im Ziegenstall aus. Kein Witz. Dope-, Beer- oder Goat Yoga ist der letzte Schrei in Übersee und soll Übende in andere Sphären katapultieren.