Fiat-Erbe Lapo Elkann

Der letzte Playboy

Mit seinem Hang zu rasanten Autos, Drogen und Frauengeschichten wirkt der italienische Fiat-Erbe Lapo Elkann wie aus der Zeit gefallen. Liegt ihm deshalb die Welt zu Füßen?

Lapo Elkann.

Zwischen Dandy und Playboy: Lapo Elkann.


Die Vollgas-Klischees sind bei ihm unvermeidbar. Sein Leben findet „auf der Überholspur“ statt. Sein Auftreten: „großspurig“. Natürlich ist er auch schon mal „gegen die Wand gefahren“. Das alles kann man seit Jahren über Lapo Edovard Elkann lesen. Es trifft ja auch so wunderbar zu auf den 39-jährigen Fiat-Erben, Enkel des 2003 verstorbeen Patriarchen Gianni Agnelli.

Der als Sohn von Margherita Agnelli und dem ameri­kanischen Intellektuellen Alain Elkann in New York geboren wurde, in Paris und Rio aufwuchs und in London studierte. Der den Jetset und die Frauen liebt und gleichzeitig den umtriebigen Unterneh­mer gibt. Der als junger Wilder im familieneigenen Automobilkonzern steil Karriere machte und für den es dann genauso rasant bergab ging. Vor elf Jah­ren wurde er nach einer Überdosis Dro­gen bewusstlos aufgefunden – auf der Couch eines Transvestiten im Rotlicht­viertel von Turin. Drei Tage später er­wachte er aus dem Koma und war im­ merhin in drei der fünf Sprachen, die er fließend beherrscht, ansprechbar.

Lapo Elkann hat selbst diesen Ausrutscher überlebt. Er ist heu­te Stil­Ikone, Rampenitaliener, Schürzenjäger. Zu seinen Verflossenen gehört die russisch-kasachische Oligar­chin Goga Ashkenazi genauso wie die italienische Socialite Bianca Brandolini D’Adda. Im Sommer turtelte er mit der ehemaligen Miss Europe Shermine Shahrivar vor Capri, durch Berlin und in Los Angeles – inzwischen sind die beiden wieder getrennt. Auf Instagram verfolgen mittlerweile eine halbe Million Menschen jeden seiner Schritte.

„Ich akzeptiere kein Nein“

Wo der Typ auftaucht, zieht er alle Blicke auf sich, egal, ob er ein Jeanshemd oder einen lachsfarbenen Anzug trägt, unter dessen Ärmeln Manschettenknöp­fe mit dem Schriftzug „LAPS“ hervor­ blitzen – sein Spitzname. Was auch im­mer er anhat, die Faszination liegt woanders, irgendwo zwischen Bewunde­rung und Verwunderung. Weil er einen Typ Mann verkörpert, der vom Ausster­ben bedroht ist: den echten Playboy. Einer spanischen Zeitung sagte Elkann kürzlich: „Ich akzeptiere kein Nein, we­der geschäftlich noch von Frauen.“ Man würde gern sehen, was los wäre, wenn ein deutscher Manager so einen Spruch fallen ließe. Bei Elkann gab es nicht einmal einen Mini-Shitstorm. Er wirkt ohnehin wie aus der Zeit gefallen.

Der Mann ist genussorientiert, in jeder Hinsicht. Neben Autos und Frauen liebt er gutes Essen und Espresso, den er nicht trinkt, sondern quasi inhaliert. Beim Interview fällt sein stakkatohafter Singsang auf, seine Stimme, die gleichermaßen samtig und rau ist und der man anhört, dass ihr Besitzer ausgiebig raucht, selbst in der Sauna, wo er sich gern mal mit Geschäftspartnern trifft.

Lapo – ein Name wie eine Prophezeiung

Auch andere Männer sind auf der fast lane des Lebens unterwegs, etwa Kanye West. Doch neben Lapo Elkann wirkt er bestenfalls neureich, während jener – bei aller Exzentrik – Klasse und Stil reprä-sentiert. Die Agnellis sind so etwas wie die italienischen Royals. L’Avvocato, „der Anwalt“, wie Patriarch Gianni genannt wurde, machte Italien zeitweise zur sechstgrößten Wirtschaftsmacht der Welt und lebte das dolce vita archetypisch vor. Affären mit Rita Hayworth, Anita Ekberg und Jackie Kennedy wurden ihm nachgesagt. Lieblingsenkel Lapo wirkt wie ein Remake, bei dessen Anblick man nur zu gern in Nostalgie verfällt. Die Sonderrolle scheint schon immer für Lapo reserviert gewesen zu sein. Der ältere Bruder, heute Chef des Fiat-Konzerns, heißt John. Er selbst wurde nach dem italienischen Dichter Lapo Gianni benannt, von dem es um 1300 hieß, er spreche immerzu von der Liebe – ein Name wie eine Prophezeiung. John wirkt mit seinen kurzen dunklen Haaren wie ein klassischer Italiener, Lapo erbte den auffälligen Rotschopf seiner Mutter.

Während der Ältere Wirtschaftsingenieurwesen studierte und gleich bei Fiat einstieg, zog es den Jüngeren nach dem Studium in Paris und London nach New York, wo er Assistent von Henry Kissinger wurde, einem der engsten Vertrauten von Gianni Agnelli. Als der Großvater starb, erbte John die Stimmrechte bei Fiat und Lapo die maßgeschneiderten Anzüge. Er musste nicht hineinwachsen, sie passten wie angegossen und hängen immer noch in seinem Kleiderschrank, der insgesamt 400 maßgeschneiderte Zweiteiler beherbergt.

„Ich habe früh gelernt, die Karten auszuteilen“

„Das Schicksal hat mir einen Straight Flush beschert“, hat Lapo Elkann mal gesagt. „Aber wer das Spiel nicht beherrscht, kann alles verlieren. Deshalb habe ich früh gelernt, die Karten auszuteilen.“ Er hat es dann doch vermasselt, am Ende aber – um im Bild zu bleiben – das Blatt gewendet. Als er 2006 nach dem Absturz aus dem Entzug zurückkehrte, räumte er seinen Posten im Familienunternehmen. Mit einem Freund gründete er Italia Independent, eine Lifestyle-Marke, die Sonnenbrillen für Adi- das fertigt und Hublot-Uhren gestaltet. Independent, „unabhängig“, ließ sich das Enfant terrible damals auf den muskulösen Unterarm tätowieren. Später kam Never surrender hinzu – „gib niemals auf “.

Die Mischung aus italienischer Leidenschaft und amerikanischem Ehrgeiz, sie ist das Erfolgsgeheimnis von Lapo Elkann und hat ihm den Ruf als Rockstar unter den Unternehmern eingebracht. Seine Italia Independent Holding ging im Juni 2013 an die Börse. Der Handel musste dreimal unterbrochen werden, so groß war die Nachfrage. 2015 stiegen die Netto-Erlöse auf 40 Millionen Euro. Nicht schlecht für den Wahnsinnigen mit dem Drogenskandal, für den ihn bis heute viele halten.

Kreativität vs. Großspurigkeit

Wie so viele kreative Menschen habe Lapo eine Weile gebraucht, um herauszufinden, wie er seine Kreativität nutzen könne, hat Diane von Furstenberg über Elkann gesagt. Die Modedesignerin kennt ihn, seit sie in den 80ern mit seinem Vater zusammen war. Andere würden statt von Kreativität eher von Großspurigkeit sprechen. So oder so, Lapo Elkann hat es damit weit gebracht. Für Ferrari, bis vor Kurzem Teil des Fiat-Konzerns, baute er eine Tailor Made Unit auf, die Customized-Versionen des Sportwagens gestaltet – sein eigenes Modell hat eine Camouflage-Lackierung. Mit Garage Italia Customs bietet er den gleichen Service für Yachten, Flugzeuge und andere Automobilhersteller an. Neulich gab BMW seine „i8 Futurism Edition“ in Auftrag. Wieder so ein Sonderweg: der Fiat-Sprössling, der für die bayerische Konkurrenz entwirft.

Insofern stimmt die Geschichte mit dem klassischen Playboy nicht ganz. Denn der jettet ja vor allem des Vergnügens wegen durch die Welt und verprasst sein Geld, statt neues anzuhäufen. Irgendwie klar, dass Lapo Elkann auch hier aus der Rolle fallen musste.

Text: Silke Wichert


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