Laufen aus Leidenschaft

Läuft bei uns!

Eine Runde im Park drehen? Tolle Sache. Wer mehr Herausforderungen sucht, könnte sich von diesen Frauen inspirieren lassen.

Veröffentlicht am 03.11.2017

Selbstoptimierung Laufen.


„Marathon zu laufen gibt mir Kraft“

PR-Managerin Sara Roloff, 35, lief ihr Marathon-Debüt ohne richtige Vorbereitung

Das erste Mal

Vor elf Jahren hat ein Freund aus Spaß vorgeschlagen, am Berlin-Marathon teilzunehmen. Wir haben das zwar geschafft, es kurz danach aber bereut, der Muskelkater war die Hölle. Irgendwo zwischen Kilometer eins und der Ziellinie habe ich mich ins Laufen verliebt, ich wollte wieder starten, wenn ich besser in Form bin.

Die Motivation

Jeder kennt diese Stimme im Kopf, die sagt: „Du kannst das nicht!“, „Gib auf!“ Dagegen anzukämpfen, seine Grenzen auszutesten, schneller, stärker und ausdauernder zu werden, das gibt mir Kraft. Laufen ist meine Ich-Zeit, in der ich mich erhole.

Die größten Hürden

Die schlichte Zahl von 42 Kilometern kann einem Angst machen. Wer sich aber mental und körperlich vorbereitet, kann es schaffen. Ich habe viele Läuferinnen kennengelernt, die ungünstige Voraussetzungen hatten und das Ziel trotzdem erreicht haben. Ich trainiere für einen Marathon vier Monate, laufe bis zu sechsmal die Woche. Wenn es so weit ist, versuche ich, mich abzulenken, setze mir Etappenziele oder stelle mir Rechenaufgaben. Hauptsache, nicht an die 42 Kilometer denken, das blockiert.

Das schönste Erlebnis

Der Wien-Marathon 2016. Ich wollte ihn unbedingt in vier Stunden schaffen – und war sogar 20 Minuten schneller. Der eigene Körper kann manchmal viel mehr, als man ihm zutraut.

Nächstes Jahr will Sara Roloff am London-Marathon teilnehmen. Dafür trainiert sie in der Stadt. Auf dem Laufband, sagt sie, würde sie keine fünf Kilometer schaffen.


„Trail-Running hat mich stark gemacht“

Marlen Franke, 35, rennt am liebsten querfeldein, abseits von Wanderwegen

Die erste Lauferfahrung

Auf meiner üblichen Strecke gab es mehrere kleine Berge, so fing ich an, Höhenmeter zu sammeln. Mit der Zeit wurde ich besser, die Berge höher, die Wege länger. Das Laufen in der Natur kann sehr aufregend sein.

Das Besondere

Trail-Running wird nie langweilig. Enge Wurzelwege, Abschnitte, bei denen ich mal kraxeln muss, durch diese Abwechslung vergisst man schnell, wie anstrengend das ist. Am liebsten starte ich ganz früh, wenn noch keine Wanderer unterwegs sind und außer Vogelgezwitscher nichts zu hören ist, der Tau noch auf den Gräsern liegt und der Nebel aus den Wäldern aufsteigt.

Die größte Herausforderung

Der Lavaredo Ultra Trail in den Dolomiten. Nach mehr als 27 Stunden, 120 Kilometern und 6000 Höhenmetern die Ziellinie in Cortina d’Ampezzo mitten in der Nacht zu überqueren war überwältigend. Die Zeit spielt dabei keine Rolle, der Weg und der Wille zählen: 80, 100 oder 120 Kilometer zu laufen, das ist Wahnsinn. Umso wichtiger ist es, ruhig zu bleiben, das Ziel zu fokussieren und unbedingt Pausen einzulegen. Trail-Running hat mich mental unglaublich stark gemacht.

In  Hongkong: Marlen Franke nahm bei einem Trail-Running-Wettkampf auf Lamma Island teil – und wurde zweitbeste Frau.


„Beim Urban Running lernt man fürs Leben“

Bordsteinkanten, Fußgängerampeln, U-Bahn-Passagen – integriert Andrea Löw, 44, einfach in ihr Training

Warum Urban Running

Kreuz und quer durch Städte zu laufen und Neues zu entdecken fasziniert mich. Ich bin Historikerin, viel unterwegs und besuche internationale Konferenzen. Während meine Kollegen meist nur Flughäfen und Tagungsräume sehen, erlaufe ich mir mor- gens die Stadt; Toronto, Jerusalem, New York, die Liste ist lang. Zusammen mit zwei anderen Guides leite ich auch eine Laufgruppe, die Urban Runners Munich. Wir treffen uns einmal die Woche, joggen durch die City, weichen Passanten aus und überlegen uns lustige Spiele wie den Pac Man Run. Wir Guides versuchen, die anderen zu fangen. Wer erwischt wird, macht 30 Hampelmänner.

Die Motivation

Wenn ich keine Lust habe, denke ich daran, wie frei ich mich beim Laufen fühle und dass es mir guttut. Mit 30 Jahren sollte ich wegen meines Hüftschiefstandes operiert werden. Ein Sportmediziner riet mir zu mehr Bewegung. Ich fing an zu laufen, immer öfter und weiter. Mittlerweile renne ich sogar Ultra-Marathons, ohne Schmerzen in der Hüfte.

Das nächste Ziel

Vor Kurzem habe ich Etappenläufe für mich entdeckt. Im November werde ich beim Ultra Africa Race teilnehmen und in fünf Etappen 220 Kilometer durch Mosambik laufen. Das ist extrem, aber beim Laufen lernt man fürs Leben: sich durchzubeißen, einen langen Atem zu beweisen und weiterzumachen, wenn andere aufgeben.

Andrea Löw ist ausgebildete Lauftrainerin und bloggt auf runninghappy.de über ihre Leidenschaft.