Lektorin Katharina Dornhöfer

Die Buchmacherin

Sie steht hinter Erfolgs-Autorinnen wie Jojo Moyes: Katharina Dornhöfer. Die Rowohlt-Lektorin weiß, wie man aus einem Buch einen Bestseller macht.

Veröffentlicht am 10.11.2016
Katharina Dornhöfer.

Sie bringt Romane (stapelweise) auf die Bestseller-Listen: Rowohlt-Lektorin Katharina Dornhöfer.


Als Kind verschlingt sie ein Buch nach dem anderen, als Germanistikstudentin schwärmt sie für Thomas Mann und in den Ferien liest sie Manuskripte für Verlage. Aber selbst einen Roman schreiben, daran hat Katharina Dornhöfer noch nie gedacht: „Wenn ich das Gefühl hätte, ich könnte es besser als die Autoren, mit denen ich zusammenarbeite, wäre ich falsch in meinem Job“, sagt sie.

Katharina Dornhöfer ist Lektorin und möchte genau das sein: die Frau, die nicht auf dem Cover zu sehen ist, aber mitdenkt, mitschreibt, kürzt, korrigiert und den Autoren, sagen wir mal, Hilfestellung leistet. Die 34-Jährige ist nich kokett oder eitel, sondern ernsthaft begeistert. Beim Reinbeker Verlagshaus Rowohlt ist sie unter anderem zuständig für Frauenunterhaltung, die gefühlvoll und rührend ist, komisch und tragisch. Sie sucht nach der perfekten Sommerlektüre, nach Urlaubsbüchern und Romanen, die einen nicht mehr loslassen. Nur eines dürfen die Bücher nicht sein: niveaulos.

Sobald ein Manuskript auf ihrem Tisch liegt, arbeitet sie daran, es auf die Bestsellerliste zu bekommen. Fünf bis zehn liest sie in der Woche, manche komplett, andere quer. Wie stark sie in einen Text eingreift? „Kommt auf den Autor an“, sagt sie. Wichtig seien Respekt und Vertrauen. Manche sehnten sich nach einem Korrektiv und schonungsloser Kritik, andere seien empfindlicher und schwieriger. „Zu einer professionellen Zusammenarbeit gehört eben auch, dass ich manchmal Sachen sagen muss, die das Gegenüber nicht gern hört.“

Seit vier Jahren arbeitet sie eng mit der englischen Bestsellerautorin Jojo Moyes zusammen. Die war nach acht Romanen, die okay liefen, aber nicht gut, eigentlich schon fast „verbrannt“, bis sie 2012 mit ihrem neunten Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ einen gigantischen Wurf landete – bis heute hat sich der Roman 2,8 Millionen Mal verkauft. „So ein Erfolg gebührt in erster Linie der Autorin“, sagt Dornhöfer, der Rest sei Teamarbeit. Danach kommen Titel, Übersetzung, Cover, Marketing, der richtige Moment und Glück. Sie selbst habe vor allem mit der Übersetzerin Karolina Fell zusammengearbeitet, der es gelungen ist, Moyes’ Ton ins Deutsche zu übertragen. Das sei gar nicht so leicht, denn häufig sei die wörtliche Übersetzung nicht die richtige, sagt Katharina Dornhöfer.

„Wenn ich beim Lesen eines Textes nicht mehr merke, dass es Arbeit ist, macht das Buch etwas richtig.“ Bei „Ein ganzes halbes Jahr“ sei das so gewesen. Sie habe das englische Manuskript gelesen und gewusst: Das funktioniert, das funktioniert sogar sehr gut. Tolle Story, komplexe Figuren, gefühlvoll, humorvoll, lebensnah. Dass es dermaßen einschlägt, habe man nicht ahnen können, aber dass auf einmal jeder ihrer Kollegen das Buch lesen wollte, noch ehe es erschienen war, war ein Zeichen. Als die ersten Händler es gelesen hatten, kamen Mails, viele Mails: „Ich musste weinen“ stand da. Oder: „Ich konnte nicht aufhören.“ Und: „Was für ein Buch!“

Drei Monate nach Erscheinen landete ein riesiges Paket auf Katharina Dornhöfers Schreibtisch. In der Kiste: mehrere Flaschen Champagner. Absenderin: Jojo Moyes. Sie wolle sich bedanken, für 500 000 verkaufte Exemplare und die wunderbare Zusammenarbeit.