Lesefestival lit.Love

Schöner schmachten

Mit der lit.Love bekommt der Liebesroman endlich sein eigenes Lesefestival in Deutschland. Ideengeberin Astrid von Willmann im Interview über die Faszination an zeitgemäßer Frauenunterhaltung und kitschige Buchcover.

Veröffentlicht am 10.11.2016
Astrid von Willmann.

Liebesschmöker machen sie glücklich: Astrid von Willmann, Ideengeberin des lit.Love-Festivals.


Warum widmen Sie ein ganzes Festival der Frauenunterhaltung rund um Liebe, Romantik und Erotik?
Weil diese Themen Millionen von Leserinnen begeistern. Bisher wurde dieses Genre sehr stiefmütterlich behandelt. Auf Literaturfestivals war es so gut wie nicht vertreten, dort konzentriert man sich auf „höhere Literatur“, auf Krimis oder auf Fantasy. Wir folgen mit der lit.Love einer Tradition aus den USA: Dort gibt es schon lange die Romance Writers Conference, bei denen Leserinnen mit ihren liebsten Autorinnen aus dem romantischen Genre Zeit verbringen können.

Neben Anne Freytag sind auch internationale Stars der Branche wie Katherine Webb (aktuell mit „Das Versprechen der Wüste“) vertreten. Warum ist Leserinnen ein persönliches Treffen so wichtig?
Weil dabei ganz andere Gespräche möglich sind. Man begegnet sich unmittelbar, wie einer Nachbarin oder einer Freundin, verbringt Zeit miteinander. Wir glauben, dies kommt dem Bedürfnis der Zielgruppe sehr entgegen. Und umgekehrt merken wir, dass diese Idee die Autoren genauso begeistert.

Was mögen Sie am klassischen Schmöker?
Ich liebe es, wenn ich einfach mal in eine andere Welt entführt werde. Ich kann völlig abtauchen und mich dabei gut unterhalten.

lit.Love

Die lit.Love findet am 12. und 13. November in München statt.


Das trifft aber so ziemlich auf jeden Unterhaltungsroman zu.
Beim Liebesroman stimmt einfach die thematische Mischung: Meist findet die Handlung zu einem positiven Ende, eine Prise Humor darf auch mit dabei sein und ich kann mich gefühlsmäßig auf die Figuren einlassen. Ich kann mit ihnen mitleiden, mitfiebern, mitschmachten.

Unser Frauenbild hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Unser Bild von romantischer Liebe ist nicht mehr das, was es einmal war. Verändert das auch die Liebes-Literatur?
Es gibt immer wieder neue Trends in diesem Genre und diese verändern sich fortwährend. Ist chick-lit von gestern? Kommt jetzt die sick-lit? Und was ist eigentlich snowmance oder space fantasy? All diese Stile wechseln wie in der Mode.

Gibt es einen Trend, der sich 2016 besonders durchgesetzt hat?
Was sich nicht erst seit diesem Jahr, aber eben auch 2016 fortwährend besonders gut verkauft, sind erotische Reihen à la Geneva Lee oder Sylvia Day.

Was können Leserinnen auf der lit.Love alles erwarten?
Viele Talkrunden zu Themen wie z.B.„Autoren und ihre Pseudonyme“ oder zum „Phänomen All-Age“. Wir erklären, wie wichtig gute Recherche im Historienroman ist, oder diskutieren das Motiv der Lebenskrise im Liebesroman. Und wir gewähren einen spannenden Blick hinter die Kulissen eines Verlagshauses, zeigen z.B., wie Self-Publishing funktioniert oder laden in das hauseigene litlounge.TV-Studio ein.

Noch eine Frage zu Schluss: Liebesromane sind vor allem für eines bekannt: kitschige Cover. Was hat es damit auf sich?
(lacht) Das trifft ja nicht auf alle zu. Die Cover sollen emotional ansprechen, meist werden sie in weiblichen Farben gehalten und es verirren sich tatsächlich überdurchschnittlich viele Blumen und Früchte darauf. Aber da gibt es sehr unterschiedliche Abstufungen. Worauf Sie anspielen, das sind die muskulösen Männer mit nacktem Oberkörper als Covermotiv – da sprechen wir von den sogenannten „Nackenbeißern“, zugegeben: eine sehr spezielle Variante.