Marie Nasemann über Nachhaltigkeit

„Erinnerungen sind viel wertvoller“

Die ehemalige „Germany's next Topmodel"-Kandidatin Marie Nasemann setzt sich mit „Fairknallt“ für nachhaltige Mode ein. Im Interview erklärt sie, warum es bei diesem Thema keine Ausreden mehr geben sollte.

Veröffentlicht am 21.12.2017
Marie Nassmann sieht sich die neue Kollektion von Armedangels an.

Marie Nasemann beim Ludwig Beck x Armedangels Event in München. 


Marie Nasemann wurde 2009 als Finalistin von „Germany’s next Topmodel“ bekannt. Seither ist einiges passiert. Neben ihrer Schauspiel- und Modelkarriere, widmet sich die 28-Jährige seit 2016 einem echten Herzensthema – ihrem Fashion-Blog „Fairknallt“ für nachhaltige, faire Mode. Warum das Thema Nachhaltigkeit jeden etwas angeht und warum die richtige Lebensweise sogar glücklicher macht, verrät sie im Interview mit myself. 

Frau Nasemann, wie sind Sie auf die Idee zu „Fairknallt“ gekommen?
Mit Nachhaltigkeit beschäftige ich mich schon lange. Früher habe ich viel geshoppt und Firmen haben mich ausgestattet. Es war ein Aus- und Einsortieren in meinem Kleiderschrank – schrecklich! Irgendwann hat sich das alles nicht mehr gut angefühlt. Bei meiner Recherche bin ich auf tolle, nachhaltige Labels gestoßen. Das wollte ich den Leuten mitteilen. Als Rana Plaza, eine Textilfabrik in Bangladesch, einstürzte, war das Thema plötzlich in aller Munde, also habe ich „Fairknallt“ gestartet.

Was unterscheidet „Fairknallt“ von anderen Blogs?
Ich möchte zeigen, dass nachhaltige Mode sexy und cool sein kann. Es gibt viele gute Fair-Fashion-Blogs, die meisten sind mir in ihrem Look aber ein bisschen zu „ökig“. Nachhaltigkeit wird oft mit einem veganen Yoga-Meditations-Lifestyle gleichgesetzt. Ich wollte einen Standard-Fashionblog gründen, der durch einen stylischen Look aus nachhaltiger, fairer Mode hervorsticht. Früher oder später entwickeln die meisten Menschen ein Bewusstsein dafür, wie sie leben und einkaufen möchten, davon bin ich überzeugt.

Geraten Sie mit nachhaltiger Mode manchmal an Ihre Grenzen?
Was den Red Carpet betrifft, schon. Bodenlange Kleider aus nachhaltiger Produktion zu finden ist schwierig. Deshalb suche ich eher nach regionalen Designern, die können einem meist ganz genau sagen, wo die Kleidung herkommt. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich aber gerne mal eine Kollektion mit richtig Glamour und Glitzer für den Red Carpet designen.

Und andersrum: Was kann man gut kaufen?
Bei Basics hat niemand eine Ausrede. Es gibt Kleidungsstücke in meinem Schrank, die ich immer wieder auspacke. Wie zum Beispiel meinen Lieblingsmantel, weil er einfach einen tollen Schnitt und ein klassisches Design hat. Genauso wie die Kombination von Armedangels, bestehend aus Rock und Oberteil, die ich heute trage. Man kann die Kombi als Kleid tragen oder auch nur ein Teil. Ich stehe auf Kleidungsstücke, die vielseitig sind, da ich oft reise und dabei auf wenig Gepäck beschränkt bin.

Marie sieht sich die Bio-Schurwolle von Armedangels an.

Marie begutachet die Bio-Schurwolle, die das Label in den Kollektionen verwendet. 


Fühlt sich nachhaltige Mode auch besser an?
Definitiv! Ich fühle ich mich viel besser, wenn ich weiß, wo meine Kleidung herkommt. Natürlich besitze ich auch noch normale Kleidung, schließlich wäre es auch nicht sonderlich nachhaltig, zu sagen, ich werfe alle anderen Teile aus meinem Schrank.

Warum denken Sie, hat nachhaltig produzierte Mode noch nicht den Stellenwert in unserer Gesellschaft, den sie haben sollte?
Viele Menschen sehen Shopping als reine Freizeitbeschäftigung, das liegt unter anderem daran, dass Kleidung bei vielen großen Labels so günstig geworden ist. Man kann es sich leisten, jedes Wochenende einkaufen zu gehen, was einen kurzen Kick gibt. Ich habe damit aufgehört, stattdessen mache ich Dinge, die mich wirklich glücklich machen. Ich gönne mir einen Tag im Spa oder treffe mich mit Freunden – das schafft Erinnerungen, was viel wertvoller ist.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit in anderen Bereichen wie der Beauty umsetzen?
Der Bereich Beauty, so kommt es mir vor, ist in dieser Hinsicht sogar schon weiter. Cremes und andere Pflegeprodukte ziehen direkt in die Haut ein, darüber machen sich viele Leute mehr Gedanken, als um beispielsweise chromgegerbtes Leder, was auch extrem ungesund ist. Das scheint hingegen noch nicht so stark angekommen zu sein. Außerdem gibt es inzwischen große Naturkosmetik-Firmen wie Lavera, die es sich leisten können, Produkte für den kleinen Geldbeutel zu fertigen.

Besteht das Red-Carpet-Problem auch hier?
Ich kriege wirklich alles, was ich brauche – auch für glamouröse Events – von Naturkosmetik-Marken. Die Firmen produzieren mittlerweile fantastische Produkte mit Glitzer und Schimmer. Dass man mit Naturkosmetik die gleichen Effekte erzielen kann, hätte ich früher nicht gedacht. Ich bin aber auch niemand, der sich stark schminkt. Naturkosmetik fühlt sich etwas leichter und dadurch natürlicher an, was ich sehr schön finde, da Make-up meiner Meinung nach die natürliche Schönheit unterstreichen sollte.

Was tun Sie sonst noch für eine nachhaltige Lebensweise?
Bei mir fing es step by step an, auch wenn mein Lebensstil längst nicht perfekt ist. Ich bin seit acht Jahren Vegetarierin und versuche so oft wie möglich mit der Bahn zu fahren. Wenn ich fliege, dann mache ich einen CO2-Ausgleich auf atmosfair.de. Außerdem beziehe ich Ökostrom.

Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp für unsere Leser und Leserinnen. Eine Sache, die jeder von uns tun sollte?
Machen Sie den ersten Schritt und kaufen Sie faire Basics wie schlichte T-Shirts und Jeans. Die sind wirklich nicht teuer und sehen super aus – es lohnt sich!