Mehr Optimismus

Das Streben nach Glück

Eckart von Hirschhausen erklärt, warum wir das Beste erwarten sollten – und es so selten tun.

Veröffentlicht am 15.09.2017

Wer zuversichtlich ist, bleibt länger fit.


Es gibt einige Dinge über Optimismus und Glück, die Sie nie wissen wollten, aber eigentlich schon wissen. Allen voran: Wir sind nicht auf der Erde, um optimistisch zu sein. Das Ziel der Evolution war immer bloß: überleben. Wenn Sie diesen Text hier lesen, hat Ihr Hirn seinen Job erfüllt. Glücksmomente sollen uns antreiben, unsere Überlebenschancen zu verbessern. Deshalb macht Essen Spaß. Deshalb macht Sex Spaß (einige erinnern sich). Aber auf Dauer zufrieden und optimistisch sein? Das wäre der Tod.

Die Urmenschen, die nach Mammutsteak und Orgie glücklich über die Wiese liefen, hat der Säbelzahntiger gefressen. Von denen stammen wir also definitiv nicht ab. Die frohe Botschaft: Noch nie haben wir so lange und so gesund gelebt wie heute. Erzählen Sie das mal Ihren Ängsten! Glück kommt und geht. Shit happens. Mal bist du die Taube, mal bist du das Denkmal. Und ebenso, wie Glück kommt und geht, ist es auch mit dem Unglück. Aber im Unglück denken wir automatisch: Das bleibt jetzt für immer so. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Traumaforschung ist aber, dass über 80 Prozent der Menschen, die brutale Schicksalsschläge erleben, gut damit klarkommen. Unfälle, Krankheit, Trennung und Tod sind Teil des Lebens. Es gibt „das Böse“ auf der Welt – warum, weiß Gott oder der Geier. Und ich hoffe inständig, es sind zwei verschiedene Instanzen.

Wir unterschätzen oft, wie sehr Menschen über sich selbst hinauswachsen können. Das macht mich optimistisch – auch wenn wir im Grunde ganz gerne unglücklich und pessimistisch sind. Meine Theorie: Wir Deutschen haben ein zusätzliches Hirnteil. Nicht nur den Frontallappen, der plant, und den Seitenlappen, der vernetzt. Wir haben auch noch den Jammerlappen – der verhindert. Viele meinen ja, Optimismus sei nur ein Mangel an Information. Quatsch, Pessimisten machen es sich einfach zu einfach. Hypochonder zum Beispiel – denen geht es nicht gut, wenn es ihnen gut geht. Masochisten wollen, dass es wehtut, wenn es nicht wehtut. Singles fehlt der Partner. Wozu? Na, zum Glück! Offenbar lieben wir Schmerz, der nachlässt, mehr, als wir wahrhaben wollen.

Mein Tipp: Gehen Sie mal wieder auf die Straße für etwas, das wirklich wichtig ist. Leben Sie die Veränderung, die Sie von der Welt erwarten, oder wie Gandhi es etwas schöner formuliert hat: „Be the change you want to see in the world.“ Wir brauchen Optimisten, weil sonst keiner etwas anfängt, das ein bisschen verrückt ist. Ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung ist Teil unserer seelischen Gesundheit. Wir brauchen die Menschen, die etwas sehen und gleichzeitig denken und fühlen: Es könnte auch anders sein. Und das wäre besser! Sie brauchen die Welt. Und die Welt braucht Sie! Womit fangen Sie an?

Sie wollen mehr Optimismus in Ihr Leben bringen? Hier ist Ihre Aufgabe:
Führen Sie ein Glückstagebuch: Notieren Sie regelmäßig abends fünf Dinge, die schön oder besser als erwartet waren. Verändert die Stimmung – langfristig!

Mehr Regeln für eine gute Zukunft: zum Beispiel Selbstvertrauen und Mut zur Leidenschaft!