Meike Winnemuth: Leben für Fortgeschrittene

Nein, danke!

Zu vielen Dingen sagt man "Ja", obwohl sie einen Zeit und Ärger kosten. Warum wir deshalb öfter "Nein" sagen sollten – freundlich, direkt und entspannt. Das bringt (gerade Frauen) echte Lebensqualität.

Veröffentlicht am 14.06.2017
Winnemuth Folge 11.


Ich habe ziemlich oft im Leben Ja gesagt zu Dingen, zu denen ich hätte Nein sagen sollen. Zu Partys, für die ich zu müde, Aufträgen, für die ich zu überarbeitet war. Verabredungen aus reiner Höflichkeit. Die falschen Jobs, die falschen Männer. In den meisten Fällen weiß man erst hinterher, dass ein rechtzeitiges Nein viel Ärger und Zeitverschwendung verhindert hätte, aber in nicht wenigen Fällen wusste ich es schon vorher und habe trotzdem Ja gesagt. Und immer aus den falschen Gründen: aus Angst, was zu verpassen, aus Angst, jemanden zu enttäuschen, aus Angst, nach einem Nein nie mehr gefragt zu werden.

Auf freundliche Weise Nein zu sagen kann man lernen, das ist reine Übungssache. Freundlich heißt: So, dass der andere nicht sein Gesicht verliert. Das klappt normalerweise ganz einfach, indem man sich mit der Bitte angemessen beschäftigt (oder zumindest den Eindruck erweckt, das zu tun). „Darf ich darüber nachdenken? Ich rufe dich um sechs an und sage Bescheid.“ Es ist ohnehin immer gut, den Druck aus der Entscheidungssituation zu nehmen. Oft lässt man sich auf etwas ein, das man bei genauerer Überlegung nie versprochen hätte. Natürlich könnte man noch einen Rückzieher machen, aber es wird ungleich schwerer, denn man steht schließlich schon im Wort.

Eine kurze Erklärung für das Nein wäre ebenfalls nett. (Kurz! Bei ausführlicher Rechtfertigung wird man nur in lange Debatten und Überredungsversuche verwickelt.) Ein schlichtes „Tut mir leid, ich nehme bei Facebook prinzipiell nur Freundschaftsanfragen von Leuten an, die ich persönlich kenne“ tut’s auch.

Jeder hat das Recht auf sein Nein, das ist ja das Wunderbare an der Zivilisation. Aber jeder mit einem Anliegen oder einer Bitte hat ebenfalls das Recht, anständig behandelt zu werden. Dazu gehört auch, nicht unnötig vertröstet und hingehalten zu werden, wenn die Antwort längst klar ist. Ein eindeutiges Nein ist oft ein Zeichen von Respekt.

Die schönste Form des Neins ist natürlich diejenige, die dem anderen weiterhilft. „Das werde ich nicht schaffen. Aber ich empfehle dir Lea, die kann das genauso gut wie ich.“ Auch Alternativen wie „Ich habe leider keine Zeit, Kuchen für dein Buffet zu backen. Aber ich bringe Käse mit, okay?“ nützen (und jetzt aber bloß nicht aus schlechtem Gewissen kiloweise Rohmilchkäse einkaufen …).

Um entspannt Nein sagen zu können, muss man um seine Jas im Leben wissen. Was will man wirklich? Mehr Zeit für sich selbst? Endlich das Sportprogramm durchziehen? Dann fallen bestimmte Dinge flach – eine weitere Nachtschicht, ein weiteres Glas Wein. Aber sie fallen auch leichter flach, denn man weiß ja genau, wofür.

Vielleicht ist es am Ende ohnehin wichtiger, zu wissen, in welchen Momenten man Ja sagen sollte. Den Chor der inneren Zweifler (Das klappt sowieso nicht! Was werden die Leute sagen? Das haben wir noch nie so gemacht!) mit einem simplen „Ich mache das jetzt einfach mal“ zum Schweigen zu bringen ist eine der schönsten Heldentaten des Alltags.