Frau der Woche

Mein Sohn, der Massenmörder

Sue Klebolds Sohn Dylan tötete beim Amoklauf von Columbine 13 Menschen. Heute macht sie ihre Schuld und Scham öffentlich und zeigt, dass das Schicksal jeden treffen kann.

Veröffentlicht am 19.09.2016

Sue Klebold, Mutter des Columbine-Attentäters Dylan Klebold.


Vor 17 Jahren verwandelte sich Sue Klebolds Leben in einen Albtraum: Ihr Sohn Dylan wurde ein Massenmöder. Dylan Klebold und ein Freund töteten 1999 beim Amoklauf von Columbine 13 Menschen. Jetzt tritt seine Mutter Sue Klebold an die Öffentlichkeit. Sie gibt Interviews, am 22. September erscheint ihr Buch auf deutsch („Liebe ist nicht genug – ich bin die Mutter eines Amokläufers“, Fischer). Sue Klebold versucht, das Unerklärliche zu erklären. Warum ein ganz normaler Teenager zum Massenmörder werden kann. Welche Last der Schuld und Scham sie als Mutter zu tragen hat. Dass sie kurz nach der Tat darum betete, ihr Sohn möge tot sein. Und dass sie ihn doch bis heute liebt, er war doch ihr Sohn. Und wie hilflos man Depressionen gegenüber ist. Denn im Nachhinein kam ans Licht, dass Dylan Klebold an schweren Depressionen litt und eine Innenwelt aufgebaut hatte, die nur er kannte. Sue Klebold sagt, sie sei eine gute Mutter gewesen. In einem aktuellen Interview mit dem stern gibt sie auch zu: „Ich will mich auf keinen Fall aus der Verantwortung stehlen. Ich habe nicht bemerkt, was direkt vor meiner Nase passierte.“ 

Es habe bei Dylan immer wieder kurze Momente der Entrückheit gegeben, die sie überging – heute weiß sie, die geistige Abwesenheit des Sohnes hatte einen schrecklichen Hintergrund. Heute will Sue Klebold die Aufmerksamkeit darauf legen, wachsamer zu sein, wenn es um Jugendliche und psychische Erkrankungen geht. Sie selbst schont sich dabei nie, obwohl sie nach der Amoktat an Brustkrebs erkrankt ist. Ihre Ehe ist nach 43 Jahren in die Brüche gegangen. Weil ihr Mann sie auf dem Weg in die Öffentlichkeit nicht begleiten wollte. Sue Klebold hat eine Botschaft, die sie nicht loslässt: Eine psychische Krankheit kann jeden treffen, jeden Erwachsenen, jeden Teenager. Und es geht darum, erste Anzeichen zu registrieren, wachsam zu sein. Dafür macht sie ihren Alptraum öffentlich und spendet alle Einnahmen ihres Buches zum Wohl psychisch Kranker. Das ist mehr als mutig. Das ist groß.