Multikulti ist Stil

Wir sind Deutschland

Sie haben russische, afrikanische, türkische, persische oder auch rumänische Wurzeln und sie prägen unser Land: Gründer*innen und Experten. Auch, was ihr Stilgefühl angeht. Ein Glück!

Veröffentlicht am 11.10.2017


Carola Niemann, 55

Gründerin von „The Curvy Magazine“

„Ich bin in Liberia geboren und mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen. Meine Eltern kamen später nach. Ich fühle mich als Afrika­nerin und Deutsche. Beide Kulturen stecken in mir, mal vermischen sie sich, mal kämpfen sie gegeneinander. Deshalb habe ich früher immer viel ausprobiert – eine Zeit lang aus­schließlich Pettycoats getragen, dann ein bisschen in Richtung Punk und New Wave gedriftet. Heute habe ich meinen eigenen Stil gefunden.“

Rollkragenpullover von Riani. Plisseerock von Donna Karan. Plateauschuhe: Prada. Ohrringe: Xenia Bous.


Darja Minkina, 36 

Produktmanagerin Digital beim Condé Nast Verlag

„Ich wurde in Sibirien geboren und kam in den 90ern als Teenager nach Deutschland. Mode hat in Russland eine enorme gesellschaftliche Bedeu­tung – man wird nach seiner Kleidung beurteilt. Deshalb pas­siert es dort nicht selten, dass Frauen in High Heels den Müll runterbringen. Unisex und Mini­malismus kennt der russische Mainstream nicht, aber ich mag Stilbrüche. Mein Look ist euro­päisch – mit einem winzigen russischen Hauch.“

Schwarzes Slipdress von Versus Versace über Net-a-Porter. Oversized Jeansjacke mit Karo-Besatz von Natasha Zinko über Apropos Store.


Sorana Puie, 42

PR Director bei Talbot Runhof

„Ich bin in Rumänien aufge­wachsen und kam mit 20 zum Studieren nach München. Rumänische Frauen sind modebewusster als Deutsche. Ich würde sogar sagen, Mode ist dort eine sehr emotionale Ange­legenheit. Auch mich hat das Thema immer fasziniert. Schon als kleines Mädchen habe ich die Kleider meiner Mutter bewundert und heimlich ihre Schuhe anprobiert.“

Geblümtes Maxi-Kleid von Talbot Runhof. Lack-Ballerinas: Dior.


Ninon Götz, 38

Gründerin des Online­ Magazins „Très Click“

„Meine Herkunft ist oft ein Eis­brecher bei Gesprächen. Dass ich Wienerin bin und meine Mutter Kasachin ist, das glaubt mir fast keiner. Sie hat meinen Vater in Moskau kennengelernt, und nach einer Woche haben die beiden geheiratet. Für die Österreicher bin ich durch mein exotisches Aussehen ein Paradiesvogel. Wie oft ich auf englisch angesprochen werde! Deshalb setze ich eher auf zurückhaltende Outfts. Mir ist wichtig, dass sich die Leute darauf konzentrieren, was ich zu sagen habe und nicht nur, wie ich aussehe.”

Blazer zum Binden von Cos. Graue Jeans von Weekday. Mules: Massimo Dutti. Ohrring: Marjana von Berlepsch. Ring: Pomellato. Uhr: Rolex. Armreife: Cartier, Tiffany & Co., Céline, & Other Stories, Hervé van der Straeten.


Huy und Dung Vu, beide 41

Gründer des Modelabels Distorted People und des Münchner Restaurants „Vu Tang Kitchen“

„Wir sind in Laos geboren. Unsere Eltern sind vor dem kommunistischen Regime gefohen, so sind wir als Zwei­jährige in Augsburg gelandet. Deutschland ist unsere Heimat, deshalb war es uns auch bei unserem Modelabel sehr wichtig, unser eigenes Ding zu machen.”

Huy (links): T-Shirt, Hose und Socken von Distorted People. Sneaker: Y-3. Dung (rechts): T-Shirt von Distorted People. Hose von Weekday. Stiefeletten: Zara. Hut: Distorted People. Brille: privat.


Füsun Lindner, 42

Gründerin des Blogs „Short Stories & Skirts“

„In Deutschland denkt man bei der Türkei immer an Kopftücher und Gewänder, dabei ist türki­sche Mode farbenfroh, elegant und sehr feminin – zumindest in Adana, wo meine Eltern her­kommen. Man legt überhaupt viel Wert auf sein Äußeres. Meine Mutter hat zu meiner Geburt erst einmal ihren schöns­ten roten Lippenstift aufgelegt.“

Beiger Mantel von Max Mara. Camisole-Top und passende Hose von Fleur du Mal über Net-a-Porter. Pumps: Christian Louboutin. Ohrringe: privat. 


Tijen Onaran, 32

PR­-Beraterin und Gründerin des Netzwerks Women in Digital e.V.

„Ich bin in Karlsruhe geboren und aufgewachsen. Meine Eltern kommen aus Istanbul. Ich bin schon so eingedeutscht, dass die türkische Kultur für mich eine geringere Rolle spielt. Ich habe meinen ganz eigenen, eher kosmopolitischen Stil entwickelt – und trotzdem werfe ich ab und an gern einen Blick auf die türkische Mode. Die ist nämlich meist zwei bis drei Jahre voraus. Wenn ich als Jugendliche aus dem Türkeiurlaub zurückkam, wurde ich immer gefragt: Wow, woher hast du das denn?’”

Jumpsuit von Stella McCartney über Mytheresa. Mantel von Steffen Schraut. Pumps: Salvatore Ferragamo.


Cheryl Milani, 30

Teamleiterin bei der Headhunting­-Agentur Avantgarde Experts

„Ich bin zwar in Kärnten geboren und fühle mich als Österreicherin. In Stilfragen schlägt aber mein persischer Vater durch. Perser sind sehr kontrolliert und comme il faut, vor allem was ihre Kleidung angeht. Sie mögen klare Linien mit einem Hauch Extravaganz und legen Wert auf eine gepfleg­te Erscheinung, sogar zu Hause. Gäste in Jogginghose empfan­gen? Undenkbar!”

Wickelkleid von Dolce & Gabbana über The Outnet. Ohrringe: Steinkult.


Natascha Zeljko, 45

Stellvertretende Chef­redakteurin von „myself “

„Meine Eltern kommen aus Slowenien, ich wurde in Deutsch­land geboren. Bei uns zu Hause war ein gepflegtes Äußeres enorm wichtig. Alles wurde gebügelt – und gestärkt. Blusen, Bettwäsche, sogar Geschirrtücher. Die Slowe­nen haben ein manisches Verhält­nis zur Ordnung. Nicht umsonst gilt das Land als die Schweiz des Balkans. Ich kann mich noch gut an die sozialistischen Zeiten im ehemaligen Jugoslawien erinnern. Wer eine vernünftige Jeans wollte, ist zum Einkaufen nach Triest oder Österreich gefahren. Wenn ich heute durch Ljubljana laufe und an Filialen von Zara oder Max Mara vorbeikomme, staune ich immer noch.“

Gestreifte Bluse mit Volants von Off-White über Mytheresa. Hose von Hermès.


Kozva Rigaud, 42

Gründerin der Künstleragentur Shotview

„Ich kam vor 28 Jahren nach Öster­reich, um dort eine professionelle Tanzausbildung zu absolvieren. Seit zwölf Jahren pendle ich zwischen Wien, Paris und Berlin, trotzdem fühle ich mich durch und durch als Peruane­rin. Das Land hat viele Kreative, wie den weltbekannten Modefotografen Mario Testino, hervorgebracht. Kunst, Mode, Design und Architektur spielen hier eine große Rolle. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Alpaka­-Pullover von Céline und einem aus Peru, würde ich immer den aus Peru wählen. Ich bin stolz auf mein Land.”

Hoodie von Vetements. Darunter ein Jumpsuit von Lala Berlin. Pumps: Salvatore Ferragamo.


Jeanne de Kroon, 24

Gründerin des Modelabels Zazi Vintage

„Genetisch gesehen, bin ich zu 100 Prozent Holländerin, meine kulturelle Identität aber ist viel­schichtig. Sie ist eine Sache der Konditionierung. Durch meine Reisen sind auch meine Outfts ein Zusammenspiel aus verschiedenen Kulturen. Jedes Kleidungsstück er­zählt eine Geschichte. Deshalb wollte ich ein Modelabel gründen, das mit Vintage­-Stoffen arbeitet.”

Kleid und Ohrringe von Zazi Vintage.


William Fan, 30

Gründer des Modelabels William Fan

„Meine Eltern kommen aus Hongkong, ich bin in einem Vor­ort von Hannover aufgewach­sen. Dort war ich der einzige Asiate – also ein Exot, habe das aber immer sehr genossen. Ich wollte mich nie anpassen und habe mich schon als Kind ziemlich exzentrisch gekleidet. Diese zwei Nationalitäten in mir habe ich nie als Nachteil, sondern als Luxus empfunden.“

Hemd, Pullunder und Hose von William Fan. Schuhe: Céline. Uhr und Armbänder: privat.