Toleranz

Muss ich den Partner meiner Freundin mögen?

Familie kann man sich nicht aussuchen, Freundinnen schon – deren Freunde nicht mehr. Was aber tun, wenn man den Partner der Freundin nicht mag? Eine Übung in Nachsicht.

Veröffentlicht am 14.09.2017
Frag Frieda.


Ich würde gern ein Fest orga­nisieren – und zwei Freundinnen ohne ihre Männer ein­laden. Kann man so was bringen?

Laden Sie ein, wen Sie wollen, würde ich Ihnen gerne zurufen, folgen Sie Ihren Sympathien, es ist Ihr Fest! Wann, wenn nicht jetzt, haben Sie das Recht, sich mit den Menschen zu umgeben, die Ihnen am Herzen liegen. Schluss mit angestaubten Konventionen! Wenn es nur so einfach wäre. Ist es aber nicht, denn Ihre radikale Gästeselektion stürzt Ihre Freundinnen in einen Loyalitätskonflikt. Sollen sie die Einladung annehmen und ihren Männern erklären, dass Sie sie nicht ertragen? Oder sollen sie fernbleiben aus Solidarität zu dem Mann, den sie lieben, für den sie sich nun mal entschieden haben? Sie bringen sie in Schwierigkeiten, da hilft auch kein offenes Gespräch.

Ungeduldig habe ich einmal meiner Freundin erklärt, dass das Verhalten ihres Mannes unterirdisch sei, sie Grenzen ziehen solle. Ich war wütend, meine Freundin verstummte. Und ich habe begriffen, dass dieser Mann, mit dem sie zwei Kinder hat, zu ihrem Leben gehört. Lehne ich ihn ab, lehne ich einen Teil von ihr selbst ab – und das kostet uns Nähe, schmälert unser Vertrauen.

Familie können wir nicht wählen, heißt es, Freundinnen schon – ihre Freunde nicht mehr. Sie zu akzeptieren ist eine Herausforderung, eine Übung in Großmut, Nachsicht, kurz: Toleranz. Eine, die auf einem Sommerfest nicht allzu schwerfallen sollte. Wahrscheinlich laden Sie mehr als eine Handvoll Leute ein – und die zwei unliebsamen Gäste fügen sich unauffällig in Ihre Gesellschaft.

Wenn Sie ebenfalls ein Thema haben, das Sie umtreibt – mailen Sie an: fragfrieda@myself.de.