Hormonumstellung

Neues von den Wechseljahren

Die Wechseljahre sind noch kein Thema? Diese fünf neuen Erkenntnisse sind schon jetzt interessant.

Veröffentlicht am 07.12.2016
Sanduhr

Sie kommen – früher oder später: Die Wechseljahre.


1. Wer spät in die Wechseljahre kommt, lebt länger

Das spannende Ergebnis einer neuen US-Studie mit 16 000 Teilnehmerinnen: Frauen, die später in die Wechseljahre kommen, sind im Schnitt gesünder, leiden seltener an Diabetes und leben länger. Warum ist unklar. Was man weiß: Die Wechseljahre kommen eher später, wenn man die erste Regelblutung früh hatte. Auch mehrere Kinder, hormonelle Verhütung und Übergewicht sprechen für ein späteres Klimakterium. Raucherinnen erwischt es tendenziell früher. Und fünf Prozent der Frauen sind sogar vor dem 40. Geburtstag betroffen. 

2. Wechseljahre und Menopause sind nicht dasselbe

Die vielen Begriffe rund um das Thema führen nach wie vor zu Missverständnissen, etwa der Vorstellung, Frauen kämen erst mit dem Ausbleiben der Menstruation ins Klimakterium. Richtig ist: Als Wechsel­jahre bezeichnet man die gesamte hormonelle Umstellung am Ende der fruchtbaren Periode. Sie dauert fünf bis zehn Jahre, beginnt zwischen 40 und 50 und besteht aus drei Phasen: Es beginnt mit der Prämenopause, bei der stärkere Blutungen und Stimmungsschwankungen auftauchen können. Darauf folgt die Menopause – die definitiv letzte Monatsblutung, bei der Frauen im Schnitt 51 Jahre sind. Daran schließt sich die Postmenopause an, bei der die Produktion weiblicher Geschlechtshormone weitgehend versiegt – was dann unter Umständen zu Haarausfall, Gewichtszunahme und Hitzewallungen führt. Grundsätzlich haben sportlich aktive Frauen weniger Probleme. Allerdings haben neue Studien gezeigt, dass bei manchen Frauen die Hitzewallungen durch intensives Training stärker werden.

3. Schlecht gelaunt? Liegt nicht unbedingt an den Hormonen

Wenn der Östrogenspiegel sinkt, lässt auch die stimmungsaufhellende Wirkung des Hormons nach. Deshalb reagieren viele Frauen zu Beginn der Wechseljahre nervös und reizbar. Aber nicht immer sind es nur die Hormone. Studien von Entwicklungspsychologen zeigen, dass die Lebenszufriedenheit eine U-Kurve beschreibt: Mit Mitte 40 haben viele Frauen (und Männer) einen Durchhänger, Stress im Job, Beziehungskrisen etc. Wer schlechte Laune hat, sollte deshalb nicht gleich die Wechseljahre dafür verantwortlich machen. Zumal man nicht weiß (und medizinisch auch nicht feststellen kann), in welcher Phase man sich befindet. Wird beim Arzt ein Hormonstatus erstellt, ist dieser allenfalls eine Momentaufnahme.

4. Lieber länger verhüten

Frauen, die hormonell verhüten, merken oft gar nicht, dass sie in die Wechseljah­­re kommen, sagt der Gynäkologe Christian Albring aus Hannover. Wer die Hormonspirale verwendet, hat mit­un­­ter gar keine Periode. Die Pille wieder­um erzeugt einen künstlichen Zyklus, auch wenn die Eierstöcke nicht mehr funk­­ti­o­­nieren. Wer Gewissheit haben will, muss mit der Verhütung ausset­zen – aber lieber später als früher, denn man kann bis 52 noch schwanger werden. Bei der Frage nach der besten Verhütungsmethode ab 45 verweist der Experte auf die Hormonspirale. Hat man sie vorher gut vertragen, sollte man dabei bleiben. Die darin enthaltenen Gestagene beeinflussen die Blut­gerinnung weniger stark als etwa die Pil­le. Damit kann man also auch bei einem erhöhten Thrombose­risiko verhüten.

5. Die Hormontherapie hat ihren Schrecken verloren

Der zweifelhafte Ruf der Hormontherapie stammt aus den 80er-Jahren. Damals wurden Präparate verschrieben, egal, ob die Frau Wechseljahrsbeschwerden hatte oder nicht. Später zeigte sich in Studien, dass mit den Hormonen das Risiko von Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunahm. Heute weiß man: Eine in­di­­viduell abgestimmte, kurzfristige Hormon­therapie sei bei Beschwerden sinn­voll, so die Hamburger Gynäko­lo­­gin und Hormonexpertin Anneliese Schwenkhagen, „wobei die Dosierung so hoch wie nötig und so niedrig wie möglich sein sollte“. Entscheidend ist, dass man sich besser fühlt. Der Trend geht übrigens weg von Tabletten hin zu Gels, Pflastern oder Sprays. Alternativ gibt es auch eine Reihe pflanzlicher Mittel, die gute Ergebnisse bringen können. In der Homöopathie werden verschiedene Wirkstoffe kombinert. Die klassische Naturheilkunde setzt auf Präparate der Traubensilberkerze.

(Text: Almut Siegert)