Nicole Kidman im Interview

„Mutterinstinkt ist eine natürliche Macht“

In „Lion“ spielt Nicole Kidman eine Frau, die zwei Kinder aus Indien adoptiert. Im Interview erzählt sie, warum sie sich damals selbst für Adoption entschlossen hat und warum sie gerne öfter schwanger gewesen wäre.

Veröffentlicht am 03.02.2017
Nicole Kidman im Adoptidrama „Lion“.

Außergewöhnlich natürlich: Nicole Kidman im Adoptidrama „Lion“.


Frau Kidman, in Ihrem neuen Film „Lion“ spielen Sie Sue Brierley, eine Australierin, die bewusst darauf verzichtete, eigene Kinder zu bekommen und stattdessen zwei aus Indien adoptierte. Sie haben sich selbst für die Adoption entschlossen. Soll dieser Film eine Art Werbebotschaft sein?
Die traurige Wahrheit ist, dass weltweit viele Kinder ohne Eltern leben müssen. Darum sind Frauen wie Sue Brierley echte Vorbilder. Sie hat bewusst entschieden, diesen Kindern ein liebevolles Zuhause zu geben. Jeder, der sich zu diesem Schritt entschließt, hat am Ende seine eigenen Intentionen – aber jede Adoption ermöglicht einem Kind letztlich ein besseres Leben.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Dahinter steckte der Wunsch, einem Kind grenzenlose Liebe zu geben, das Beste, was ein Mensch dem anderen schenken kann.

Hatten Sie dabei jemals Angst, dass Ihnen diese Adoptivkinder fremd bleiben?
Nein. Ich glaube, Mutterliebe entwickelt sich automatisch, sobald man sich für jemanden verantwortlich fühlt. Das ist in einem drin.

Waren Kinder immer ein Thema für Sie?
Oh ja. Ich bin die Älteste in meiner Familie und hatte schon als Teenager den Drang, mich um alle anderen zu kümmern. Und das ist bist heute so geblieben. Die Natur hat das clever eingerichtet, Muttergefühle kann man auch entwickeln, wenn man keine eigenen Kinder hat. Ich habe Freunde, die ähnlich für ihre Nichten und Neffen empfinden. Für meine Friseurin sind es ihre Hunde. Mutterinstinkt ist eine natürliche Macht.

Sie sind erst mir 41 selbst Mutter geworden. Warum haben Sie sich so spät für eigene Kinder entschieden?
Während meiner ersten Ehe wollten wir bewusst adoptieren. Insgeheim hatte ich mir schon gewünscht, irgendwann selbst auch Mutter zu werden. Nach der Scheidung von Tom (Cruise, Anm. d. Red.) war ich überzeugt, dass dieser Zug für mich aufgrund meines Alters abgefahren sei. Dass es am Ende doch noch geklappt hat, macht mich umso mehr dankbar.

Hätten Sie gerne noch mehr eigene Kinder gehabt?
Ja, ich wünschte, ich wäre öfter schwanger gewesen. Das bereue ich rückblickend ein bisschen. Aber ich bin auch so rundum glücklich. Meine Schwester hat es richtig ausgelebt: Sie hat sechs Kinder, vier Jungs und zwei Mädchen. Bei unseren Familientreffen ist immer mächtig was los. Die Kinder lieben das.

Fühlt sich das Muttersein bei den leiblichen Kindern anders an als bei den adoptieren?
Nein. Der einzige Unterschied ist, dass ich bei meinen beiden Jüngsten, Sunday Rose and Faith Margaret, schon etwas älter war, als sie in unser Leben kamen. Da macht man sich etwas mehr Gedanken über die Vergänglichkeit des eigenen Lebens und wie lange man für seine Kinder da sein kann.

Sie machen sich mit knapp 50 Gedanken übers Sterben?
Nicht konkret, aber zum Mutterinstinkt gehört natürlich auch, dass man seine Kinder beschützen will, wenn sie noch klein sind und einen brauchen. Darum lebt man gesünder und vorsichtiger. Ich wünsche mir auf jeden Fall, die Hochzeit meiner beiden kleinen Mädchen irgendwann noch mal erleben zu können.

Sie sagen, „Lion“ sei eine Art Liebesbrief an Ihre Kinder. Wie meinen Sie das?
In dem Film geht es um die grenzenlose Liebe von Mütter zu ihren Kindern. Diese Liebe ist mächtig und manchmal wird sie nicht genügend gewürdigt – und auch unterschätzt. Ich wollte meinen Kindern diese Geschichte mit auf den Weg geben, als Inspiration. Meine Töchter werden eines Tages hoffentlich selbst Mütter sein und dann verstehen sie vielleicht, was ich ihnen sagen wollte.

Ist noch Familienzuwachs geplant?
Man soll ja niemals nie sagen. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich echte Zufriedenheit empfinde und mit mir im Reinen bin. Ich renne keinen Zielen mehr hinterher, sondern lebe nur noch aus dem Bauch heraus.

Das Gespräch führte Andreas Renner.