Pantelleria

Wo Armani Urlaub macht

Schwarze Vulkanfelsen, traumhafte Badebuchten und kulinarische Köstlichkeiten: die sizilianische Insel Pantelleria ist ein geheimer Hotspot und alles andere als das typische Italien-Klischee.

Veröffentlicht am 31.07.2017
Küste mit schwarzen Felsen.

Die schwarzen Felsen sind typisch für die sizilianische Insel.


Schwarzer Fels. Grüne Reben. Bernsteinfarbener Wein. Leuchtend violette Bougainvillea. Und das Meer glitzert in 1000 Türkis- und Blautönen. Wenn ich an einem verregneten Sommertag die Augen schließe und an Pantelleria denke, sehe ich diese Farben vor mir und bekomme Sehnsucht.

Pantelleria. Die kleine italienische Insel liegt näher an Tunesien als an Sizilien, ist selbst heutzutage nicht ganz leicht zu erreichen und verdankt diesem Umstand, dass sie viel von ihrer rauen Ursprünglichkeit bewahren konnte. An klaren Tagen kann man die Küste Afrikas am Horizont erkennen. Selbst ihr Name ist arabischen Ursprungs: Bent el-Rhia, Tochter des Windes, nannten die Araber die Insel. Auch sonst spürt man den orientalischen Einfluss überall – in den klangvollen Namen der kleinen verträumten Orte, die Gadir (Quelle) oder Mueggen (Zisterne) heißen, beim Essen einer sciakisciuka (Eintopf mit Zucchini), bei der Architektur.

Schwarze Felsen, steinige Strände

Schon wenn ich aus dem kleinen Flugzeug steige – der Flug von Palermo dauert 45 Minuten –, begrüßt mich der Wind, der hier immer weht. Die Insel hat nichts Liebliches, die schwarzen Felsen sind schroff, die Strände steinig. Düster und abweisend sind auf den ersten Blick auch die Dammusi, runde Häuschen aus Lavagestein mit Kuppeldach, einst Bauernhäuser der Araber und inzwischen in ihrer reduzierten Bauweise beliebte Feriendomizile. Sie sind ruhig und kühl an heißen Sommertagen, und in ihnen kann man sich erholen von den blendenden Farben.

Giorgio Armani, der vor knapp 40 Jahren Pantelleria für sich entdeckte, verliebte sich nicht gleich in das außergewöhnliche Stück Erde. Aber nachdem er abgereist war, ließ ihn die Insel nicht mehr los. Er kam zurück, baute sich eine Villa und lebt dort immerhin drei Wochen im Jahr. Touristen fahren an seinem von einer Mauer geschützten Anwesen vorbei, das im Nordosten der Insel in der Nähe des verschlafenen Örtchens Cala Gadir liegt. Nur von einem Punkt auf der Straße nach Khamma erhascht man einen Blick auf sein Anwesen, zu erkennen an den hohen Palmen. Die hat der Designer aus Tunesien importiert, weil ihm die heimische Art zu niedrig war.

Massentourismus gibt es hier nicht

Die Insel hat viele Prominente angezogen, denn der Massentourismus ist hier nie angekommen. Keine Sandstrände, wenig Infrastruktur, kaum Luxushotels. Der Modefotograf Fabrizio Ferri fotografiert seine Models am liebsten hier, wegen des Lichts und der Farben.

Auch Gérard Depardieu kam – auf Wunsch seiner ehemaligen Lebensgefährtin Carole Bouquet.Gemeinsam kauften sie einen Weinberg in der Nähe des Dörfchens Tracino. Der „Passito di Carole“ ist ein wunderbarer Dessertwein, der weiter angebaut wird, auch nachdem Depardieu weitergezogen ist. Wein gehört neben den aromatischen Kapern, die Feinschmeckern auf der ganzen Welt ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubern, zu den kulinarischen Attraktionen der Insel.

Unesco-Weltkulturerbe

Am besten erkundet man das schwarze Fleckchen Erde mit einem Roller und folgt den Straßen und immer kleineren Sträßchen der Felsküste entlang, nimmt sich aber auch Zeit für das Inselinnere, um die kunstvoll angelegten Terrassen mit den niedrigen Weinstöcken, die 2014 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurden, zu bewundern. Hier wächst die Zibibbo-Traube, aus der der goldene Moscato und Passito gewonnen werden.

Häufig ist man allein, begegnet höchstens einer klapprigen Ape und kann ungestört den Blick auf die Weinberge genießen oder in den winzigen Dörfern mit den Einheimischen ins Gespräch kommen: Sie wissen, dass die Touristen spätestens im Oktober die Insel verlassen und sie allein den Herbststürmen trotzen müssen…

Specchio di Venere statt Spa

Kaum ein Hotel auf Pantelleria hat ein Spa – aber wer braucht eins, wenn es den Specchio di Venere gibt, einen kreisrunden See, der inmitten grüner Hügel im Norden der Insel liegt. Wenn man die enge Straße hinunterfährt, denkt man, er sei von schneeweißem Sandstrand umgeben.

Am Ufer angekommen, erkenne ich jedoch, dass es sich um hellen Schlamm handelt, aus dem bis zu 56 Grad warmes Thermalwasser sprudelt. Ich lege mich auf den Rücken ins flache Wasser und lasse mich treiben – über mir der tiefblaue Himmel, um mich herum türkisfarbenes Wasser und der helle Lehm, der heilende Kräfte haben soll. Auf jeden Fall ist die Haut glatt und weich, wenn man den Schlamm abgewaschen hat.

Das Bad im Thermalwasser macht müde und hungrig, und nach einem duftenden Fischcouscous (der Fisch wird mitgekocht, was einen intensiveren Geschmack bringt) oder dem insalata pantesca aus Kartoffeln, roten Zwiebeln, Tomaten und Kapern sitze ich am liebsten mit einem Glas Zibibbo auf der Terrasse meines kleinen Dammuso und schaue aufs Meer: Das Blau färbt sich immer dunkler, bis es schließlich nicht mehr von der schwarzen Felsküste zu unterscheiden ist. Ein letzter rötlicher Streifen am Horizont, dann ist es dunkel, eine Dunkelheit, die die Insel vollkommen einhüllen würde, wären da nicht die Sterne, die hier heller leuchten als anderswo, weil sie nicht mit anderen Lichtquellen konkurrieren müssen.

Köstliche Souvenirs

Bei der Abreise packe ich immer eine Flasche Passito und ein Glas Kapern in den Koffer. Der betörend süße Wein passt zu schlichten Cantuccini, und die Kapern veredeln jeden Thunfischsugo. Was bleibt, sind die Farben Pantellerias: dieses Türkis, das Grün, das Schwarz, das Violett – sie gehen einem nie wieder aus dem Kopf.

Steinhaus an der Küste.

Das Licht und die Farben der Insel sind beeindruckend.


Die besten Tipps für Pantelleria

Hinkommen

  • Alitalia fliegt in der Saison täglich von Palermo, Sizilien, nach Pantelleria, Preis ab 67 Euro.
  • Die Airline Blue Express startet von Rom, ab 37 Euro.
  • Tragflügelboote von Trapani, Sizilien, nach Pantelleria von Juni bis Oktober. Fahrzeit ca. 2 Stunden, ab 43 Euro.

Unterkunft

  • Das im letzten Jahr eröffnete „Sikelia“ ist tatsächlich das einzige Fünf-Sterne-Resort Pantellerias mit 20 minimalistisch-eleganten Dammusi. DZ ab 340 Euro. sikeliapantelleria.com.

Für Selbstversorger

  • Im „Tenuta Borgia“ eines der sieben stylish-schlichten Dammusi mieten und jeden Abend über den Sonnenuntergang staunen. Ab 600 Euro/Woche. tenutaborgia.it.

Restaurants

  • Im „Il Principe e il Pirata“ isst auch Giorgio Armani Ravioli mit Ricotta, Minze und Seeigeln – erzählt man sich. principeepirata.it.
  • Im „L’Officina“ auf dem Weingut Coste Ghirlanda kann man vom Tisch beinahe die Reben greifen, die den Passito und Jardinu zum Essen liefern. costeghirlanda.it.
  • Auf der großen Terrasse des „Agriturismo Zinedi“ wird einfache, aber köstliche Inselküche serviert. Tipp: Kapern, Olivenöl und Süßwein aus eigener Produktion gleich vor Ort kaufen. agriturismozinedi.com.

Unbedingt machen

  • Montagna Grande, ein erloschener Vulkan, ist ein Naturschutzgebiet mit herrlich einsamen Wanderwegen. An klaren Tagen blickt man vom Gipfel bis nach Tunesien.
  • Pantelleria ist ein Paradies für Taucher. Bei Cala Gadir, einst römischer Schutzhafen, kann man römische und punische Amphoren und Anker auf dem Meeresgrund bewundern.