Politiker-Frisuren

Frau Merkel, zum Friseur

Ihren Job machen sie gut, nur den Haar-Stylisten sollten sie wechseln. Ein fiktives Vorher-Nachher für die einflussreichsten Frauen der Welt.

Veröffentlicht am 28.07.2017

Der größte Unterschied zwischen einem Politiker und einer Politikerin, erklärte Nicola Sturgeon kürzlich sinngemäß, sei die Verpflichtung, adäquat auszusehen. Die Wahl einer Krawatte? Nichts im Vergleich zum Aufwand, den Frauen wie sie betreiben müssten. Die schottische Regierungschefin zählt zu einer neuen Generation von Spitzen-Politikerinnen – einer modisch ambitionierten. Wer souverän wirken will, setzt heute auf Shift-Kleider statt kanisterartiger Kostüme.

Nur in Sachen Haar-Styling tut sich – noch immer – nichts: Ihre Frisur erklären viele Staats- und Wirtschaftschefinnen zur spaßbefreiten Zone. Kurzhaarschnitte sind die Norm. Und zwar vom Typ unauffällig bis unscheinbar. „Schade“, findet Star-Stylistin Serena Goldenbaum und rät zu Frisuren, die businesstauglich, aber nicht zu burschikos sind. Ein fiktives Vorher-Nachher für die mächtigsten Frauen der Welt.     

Angela Merkel

Das sagt der Profi: Bob statt Stirnfransen

„Was soll ich sagen? So kennen und schätzen wir sie. Der Kanzlerin ein Makeover zu verpassen wäre, als ob man das Brandenburger Tor pink streichen würde. Mit einem zeitgemäßen Schnitt könnte Frau Merkel trotzdem ein paar Pluspunkte sammeln.

Zum Beispiel mit einem kinnlangen, dezent gestuften Bob. Aus dem Gesicht frisiert, würde er sie weicher wirken lassen. Mir gefällt, dass sie sich auf helle Highlights im Haar einlässt. Davon könnte sie sogar noch mehr vertragen.“

Angela Merkel.

Angela Merkel, 62, Bundeskanzlerin.


Melania Trump

Das sagt der Profi: Weniger Effekthascherei, bitte

„Ja, Melania ist eine trophy wife: viel Botox, viel Haarspray. Mit einem natürlichen Look à la Michelle Obama wäre ihr trotzdem nicht geholfen – der würde sie unglaubwürdig wirken lassen. Meine Empfehlung: Etwas mehr Mut zur Lässigkeit. Die Haarfarbe entspricht ihrem Typ, aber Schnitt und Styling sind ausbaufähig.

Ich rate zu schulterlangem Haar und mehr Stufen am Oberkopf – für einen weicheren Gesamteindruck. Und statt der tadellosen Außenwelle, mit der man sie oft sieht, würde ich ihr gesamtes Haar mit einem Lockenstab eindrehen und über Kopf schütteln. Beim Make-up wäre ein Hauch weniger tatsächlich besser.“

Melania Trump.

Melania Trump, 47, Amerikas First Lady.


Christine Lagarde

Das sagt der Profi: Noch strenger, noch schicker

„Ein seltener Beweis dafür, dass sich wirtschaftliches und modisches Know-how vertragen. Christine Lagarde sieht fantastisch aus. An ihrer Haarfarbe würde ich rein gar nichts ändern; die passt perfekt zu ihren grünlichen Augen.

Den Garçonne-Look, den sie offensichtlich schätzt, kann sie aber noch selbstbewusster zur Schau tragen – ich würde ihr Haar mit Volumenschaum nach hinten stylen. Punktabzug gibt es für den Lagarde-typischen, sonnengegerbten Teint. Nicht mein Fall.“

Christine Lagarde.

Christine Lagarde, 61, geschäftsführende Direktorin des internationalen Währungsfonds.


Nicola Sturgeon

Das sagt der Profi: Bob statt Perücken-Optik, Mut zu Farbe

„Wer vom Forbes Magazin als eine der einflussreichsten Frauen Großbritanniens gelistet wird, muss nicht zwangsläufig biestig aussehen. Mit dieser Frisur wirkt sie allerdings fünf bis zehn Jahre älter – und maximal unentspannt. Ein angeschrägter Vidal-Sassoon-Bob mit sanften Wellen wäre besser.

Mit der Haarfarbe liegt Schottlands Regierungschefin zumindest nicht völlig daneben, aber statt der hellen Strähnchen würde ich ihr zu einem kräftigen Cognac-Ton raten. Der – und ein auffälligeres Lippenrot – passen zu ihrem ausgeprägten Selbstbewusstsein.“

Nicola Sturgeon.

Nicola Sturgeon, 46, schottische Regierungschefin.


Hillary Clinton

Das sagt der Profi: Längere Haare, bitte

„Hillary hat ihrem Aussehen mit dem sogenannten Power Bouffant, bauschiges Volumen im Deckhaar und nach hinten gestylte Längen und Spitzen, einen vermeintlich wahlkampftauglichen Anstrich verpasst – das ist nachvollziehbar, aber unnötig. Ihr früherer Look – weiblicher, weniger politisch – hat mir besser gefallen.

Mein Tipp: Haare wachsen lassen. Ein stumpf geschnittener Bob, der sich schnell und unkompliziert stylen lässt, würde ihr ausgezeichnet stehen. An der Farbe habe ich nichts auszusetzen. Die wirkt überraschend natürlich, fast wie von der Sonne geküsst.“

Hillary Clinton

Hillary Clinton, 69, ehemalige amerikanische Präsidentschaftskandidatin.


Beata Szydlo

Das sagt der Profi: Mehr Fransen, mehr Farbe

„Eine nicht ganz unumstrittene Politikerin, die in Sachen Styling aber viel richtig macht. Die Haarfarbe, ein kupferstichiges Braun, steht ihr ausgezeichnet. Auch der Pixie-Cut passt. Mein Tipp: ein fransigeres Finish. Mehr Bewegung im Haar würde sie weniger formell und deutlich weiblicher aussehen lassen.

Zu ihrem Hauttyp passen Beerentöne, die sie beim Make-up zwar andeutet, aber durchaus mutiger verwenden kann. Wäre sie meine Kundin, würde sie das Rednerpult nur noch mit kräftigem Lippenstift betreten – sorgt für Frische und einen bleibenden Eindruck.“

Beata Szydlo.

Beata Szydlo, 54, Ministerpräsidentin von Polen.


Theresa May

Das sagt der Profi: Farbe klasse, der Schnitt nicht

„Wer den Brexit schultern muss, braucht Aufmunterung. Für Mays Haarfarbe, die offensichtlich naturgewachsen ist, gibt es von mir eine Eins mit Sternchen. Die Frisur? Keine ganz so gute Wahl. Ihr sogenanntes Marionetten- Kinn – das dem von Frau Merkel übrigens ähnelt – sticht bei ultrakurzer Nackenpartie noch mehr ins Auge. Länger wäre schmeichelhafter. Ich würde ihr außerdem zu einem softeren, stufigeren Cut raten – für mehr Dynamik.“

Theresa May

Theresa May, 60, Premierministerin von Großbritannien.