Elke Büdenbender im Porträt

Von Beruf: First Lady

Frank-Walter Steinmeier hat sein Amt als neuer Bundespräsident angetreten. Für seine Frau Elke Büdenbender bedeutet das – zumindest beruflich – einen Schritt zurück: Statt Richterin ist sie jetzt First Lady. Warum tut sie sich das an?

Veröffentlicht am 29.03.2017
Das neue Präsidentenpaar: Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender.

Das neue Präsidentenpaar: Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender.


Kann die das? First Lady? Elke Büdenbender, Ehefrau des neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, würde vermutlich mit einem souveränen Achselzucken antworten. Klar, warum denn nicht? Doch ganz so einfach ist die Sache keineswegs. 68 Jahre, nachdem Simone de Beauvoir das Geschlecht zum sozial konstruierten Phänomen erklärte und konsequente Gleichberechtigung forderte, geht es um einen Job, für den nur ein einziges Kriterium erfüllt werden muss: Gattin zu sein.

First Lady ist, um es salopp zu sagen, ein krasser Job. Jedenfalls dann, wenn eine gestandene Frau mit Grips und erfolgreich absolvierter Karriere ihn antritt. Eine Frau wie Elke Büdenbender. Das Anforderungsprofil verzeichnet weder berufliche Kompetenzen noch politische Ambitionen, sondern vor allem die Bereitschaft zum Rampenservice. Erwartet wird, dass sie ihren Mann begleitet, freundlich lächelt, nett gekleidet ist und sich inhaltlich raushält. Zudem ausgedehnte Flugreisen, protokollarisch choereografierte Meetings, Schirmherrschaften, Wohltätigkeitsaktivitäten, Ehrenämter. Und das alles unbezahlt. 

Karriere mit Bodenhaftung

Die härteste Nuss jedoch dürfte die Sache mit dem Beruf sein. So, wie Pfarrfrauen noch bis in die Siebzigerjahre hinein keiner Arbeit nachgehen durften, versteht sich quasi von selbst, dass eine First Lady alles, was sie bis dato beruflich erreicht hat, einfach stehen und liegen lässt. Auch Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Joachim Gauck, gab vor dem Einzug ins Schloss Bellevue ihren Job als Journalistin auf. Elke Büdenbender ist Verwaltungsrichterin in hochrangiger Position. Schon allein wegen möglicher Interessenkonflikte im professionellen Bereich wird es damit nun vorbei sein: Immerhin entscheidet sie, ob Klagen gegen staatliche Institutionen zugelassen werden oder nicht. First Lady, das bedeutet für sie Vollzeitehefrau. Sie wird es mit Würde tragen, einiges spricht dafür. Sie wird auf dem Parkett bella figura machen, bei Staatsbanketten für intelligente Konversation sorgen, ein gutes Team mit ihrem Mann bilden. Die Frage ist also gar nicht: Kann die das? Vielmehr lautet sie: Warum tut sie sich das an?

Eitelkeit scheidet von vornherein aus. Elke Büdenbender, Jahrgang 1962, ist weder für ein übertriebenes Ego bekannt, noch hegt sie ein Faible für glamouröse Auftritte. Als Tochter eines Tischlers und einer Hauswirtschaftslehrerin hat sie sich hochgearbeitet: das Abitur nachgeholt, Jura studiert, den Durchmarsch zur Richterin geschafft. Die Bodenhaftung verlor sie nie. Auch nicht, als ihr Mann zum Top-Politiker aufstieg. Bei Steinmeiers in Berlin-Zehlendorf wird der Rasen selbst gemäht, man schraubt an Ikea-Regalen herum, statt in teure Limousinen steigt Elke Büdenbender lieber aufs Mountainbike. Eine Bühne braucht diese Frau nicht. Wer nach ihrer Motivation fürs Amt der öffentlichen Gattin sucht, findet ein Paradox: eine absolut eigenständige Frau, deren bemerkenswerte Loyalität zum Ehemann Kompromisse einschließt. Große Kompromisse. Vielleicht sogar schmerzhafte.

Dreamteam Büdenbender-Steinmeier

Kamerascheu war sie immer. Mediale Begehrlichkeiten ignorierte sie nonchalant, keine Interviews, bitte, keine Homestorys, kein durchfotografiertes Privatleben. Dennoch wagte sie schon einmal den Sprung ins Rampenlicht, vor elf Jahren, als ihr Mann ins Kanzleramt strebte und dringend ihre weibliche Charme-Offensive brauchte. Um seinem spröden Image menschelnde Glanzlichter zu verleihen, marschierte sie tapfer in Talkshow-Studios. Plaudernd sorgte sie für Wärmegrade, wo er technokratische Kühle verströmte. Nachdem das Kanzlerthema vom Tisch war, tauchte sie flugs wieder ab, vermutlich mit einem Stoßseufzer der Erleichterung.

Diese Geschichte zeigt: Loyalität ist für das Dreamteam Büdenbender-Steinmeier mehr als eine bloße Floskel. Wenn’s drauf ankommt, gehen sie durch dick und dünn. Wie innig, wurde 2010 öffentlich, als ihr Mann ihr eine Niere spendete. Ein rührender Liebesbeweis, durch den selbst dem größten Zweifler klar wurde, wie viel Hingabe diese Ehe charakterisiert. Seither feiern sie den 24. August, den Jahrestag der Operation, als ihren gemeinsamen Geburtstag. Beruflich aber blieb es bei getrennten Sphären. „Frank macht seinen Job, ich meinen“, wehrte Elke Büdenbender wiederholt Fragen ab, ob sie nicht doch eine heimliche politische Beraterfunktion einnehme. Ein Politduett seien sie keinesfalls, Tisch und Bett blieben debattenfrei. Ganz gleich, ob das stimmt oder nicht, diese Haltung bescherte ihr den Ruf, keine Schattenfrau zu sein, die im Hintergrund die Fäden zieht. Sie steht für sich. Sogar ihren Mädchennamen hat sie behalten. Zwar wollte sie ihrem Frank das „Steinmeier“ in ihrem Pass zum zehnten Hochzeitstag schenken. Doch just in diesem Moment wurde er Außenminister und sie verwarf den Plan, damit niemand auf den Gedanken kommen konnte, sie wolle sich „mit fremden Lorbeeren“ schmücken. Respekt. Das alles klingt nach einer Beziehung auf Augenhöhe. Simone de Beauvoir hätte es gefreut.

Souverän, selbstständig, eigenwillig

Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit auf der Basis selbst erarbeiteter Leistungen, das sind nicht die schlechtesten Eigenschaften einer zeitgemäßen First Lady, der man eine gewisse Vorbildfunktion abverlangt. Als Mutter einer zwanzigjährigen Tochter wird Elke Büdenbender die Problematik eines möglichen Rollbacks kennen, die Befürchtung, jüngere Frauengenerationen könnten die Errungenschaften der Emanzipation verspielen. Hausfrau statt Karrierefrau, Weibchen statt Amazone, Model-Träume statt Bildung und Beruf. Bisher stand sie für das Gegenteil. Doch jetzt bricht eine neue Ära für sie an. 

Schaut man sich Elke Büdenbenders deutsche Vorgängerinnen an, so muss sie sich zumindest nicht verbiegen. Jede First Lady prägte ihren eigenen Stil und jeder wurde das auch zugestanden, sei es optisch, sei es bei der Auswahl gemeinnütziger Tätigkeiten. Nur Bettina Wulff bildete eine Ausnahme. Ob sie Zara trug, teure Designer oder Selbstgenähtes, es wurde alles in Fotostrecken festgehalten. Es gab Hausbesuche, Interviews und nach dem unrühmlichen Abgang des Ehemanns auch noch medial ausgebreitete schmutzige Wäsche. Ein Zwischenspiel, mehr nicht.

Liebe hat ihren Preis

Die gute Nachricht für Elke Büdenbender: Noch ist die Obamasierung politischer Repräsentation bei uns nicht angekommen. Einen Hype wie um Michelle Obamas Kleider und Frisuren, ihr Gewicht und ihr Make-up wäre bei uns undenkbar. Man darf unauffällig sein, unprätentiös, man darf sogar durch Klugheit glänzen, wenn auch nur hinter verschlossenen Türen. Wer die Abschiedsrede von Barack Obama verfolgt hat, konnte die Kehrseite betrachten: Sichtlich bewegt, dankte er seiner Frau und attestierte ihr, sie habe ihre Rolle mit „Anmut, Entschlossenheit, Stil und Humor“ ausgefüllt. Von Intelligenz oder politischem Scharfblick sprach er nicht, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, wie viel er Michelle in dieser Hinsicht verdankt.

Bleibt nur zu hoffen, dass Elke Büdenbender Memoiren über ihre Zeit in Bellevue veröffentlichen wird. Ein Blick hinter die politischen Kulissen aus weiblicher Perspektive, geschrieben von einer Frau, die etwas zu sagen hat, aber weiß, dass sie jetzt erst einmal schweigen muss. Ihrem Mann, seiner Karriere zuliebe. Loyalität hat ihren Preis. Aber vielleicht ist es ja auch ganz einfach Liebe.