Das Douro-Tal in Portugal

Im Tal des guten Geschmacks

Wer im Urlaub genießen will, muss dieses Jahr nach Portugal. Das Douro-Tal im Norden ist (noch!) ein Geheimtipp. Auf der Suche nach Entspannung und gutem Wein ist man hier goldrichtig.

Veröffentlicht am 10.06.2017
Douro-Tal in Portugal.


Eine Zeit lang sah es nicht gut aus für Portugal: der Staat beinahe bankrott, die Menschen arbeitslos, die Wirtschaft am Boden. Das Land am westlichen Rand Europas drohte über die Klippen seiner Schuldenmisere zu kippen. Das Gerede von der „Krise als Chance“ hat jedoch seine Berechtigung, das beweist besonders Porto im Norden des Landes: Die morbide Hafenstadt mit bröckelnden Fassaden und Fado-Melancholie als permanentem Lebensgefühl hat sich in den letzten drei Jahren zu einem Hotspot entwickelt. Junge Kreative sind in die leer stehenden Werkstätten und Fabriken der Hafenstadt gezogen, jetzt werden dort Teppiche gewebt, Korkmöbel gebaut, Keramiken hergestellt – traditionelles portugiesisches Handwerk, neu interpretiert.

Auch die Winzer haben ihre Methoden in den letzten Jahren hinterfragt. Das Douro-Tal westlich von Porto ist das älteste Weinanbaugebiet der Welt. So behäbig sich hier der „Goldfluss“ durch die grünen Hügel schlängelt, so geruhsam ging es jahrzehntelang auch auf den Quintas zu. Man produzierte Port. Punkt. Inzwischen gehen viele Winzer neue Wege – allen voran die Douro Boys um Dirk van der Niepoort – und steigen auf den Anbau regionaler Rebsorten um. Das Ergebnis sind würzig-frische Weiße oder kraftvolle Rote wie der „Duorum Tons“, einer der Top-Weine auf der renommierten internationalen Liste des Wine Spectator

Wein und Wellness

Die Goldgräberstimmung hat auch eine der größten Luxushotelketten an den goldenen Fluss gezogen. Vor zwei Jahren eröffnete hier „Six Senses“ mit dem „Douro Valley“ sein erstes europäisches Resort. Wir verbringen vier Tage dort und kapieren sofort: Hinter der Fassade eines historischen Herrenhauses aus dem 19. Jahrhundert vereinen sich Wellness, Wohnen und Weinkultur. Was dieses Resort neben all seinen Annehmlichkeiten vor allem auszeichnet, ist das Spa. Auch hier kann man dem omnipräsenten Weinthema treu bleiben und ein Trauben-Treatment oder eine Hot-Stone-Massage mit Schiefer buchen.

Internationale Preise hat jedoch vor allem das Integrated Wellness-Programm gewonnen, das mit einer Rundum-Analyse und darauf abgestimmten Behandlungen sowie einem Fitness- und Ernährungscoaching auch langfristig ein neues Wohl befinden garantieren soll. Residiert man – dieses Verb ist das einzig passende – im „Six Senses“, ist der Geist ohnehin in kürzester Zeit auf Om eingestellt: Outdoor-Yoga im Pinienwald, Radtouren durch die Reben, Abendessen im Restaurant „Vale de Abraão“ oder einfach süßes Garnichtstun am Pool, auf der Terrasse, am Kamin oder in der Weinbibliothek. 

Weinberge und Pastéis de Nata.

Weltklasse: Der Blick auf die Weinberge. Am Frühstücksbuffet duften die Pastéis de Nata.


Klassiker neu interpretiert

Barkeeper Luis serviert uns einen Portonic, die portugiesische Antwort auf Spritz und Hugo aus trockenem weißem Portwein und Tonic Water. Sehr erfrischend und irgendwie der Inbegriff dieses neuen Portugal, das seine Wurzeln nicht vergisst, aber mutig und raffiniert neu interpretiert. Dieser Haltung begegnen wir überall im Douro-Tal: Sehenswürdigkeiten wie die fast 300 Jahre alte Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios in Lamego mit ihrer Doppeltreppe, die von wunderschönen Azulejos mit sakralen Motiven verziert ist, bekommen mit dem Pavilhão Multiusos eine hypermoderne Mehrzweckhalle zu Füßen gelegt – und beide ergänzen sich optisch prächtig.

Ähnliches kann man auf den unzähligen Quintas beobachten. Weinproben sind bislang der Hauptgrund, warum es Touristen in das Tal verschlägt. Der Charme der alten Herrenhäuser wird nicht selten mit moderner Bauhaus-Architektur aufgebrochen, wie zum Beispiel in der „Quinta do Vallado“ in Peso da Régua, deren schlichter Schieferanbau 13 minimalistische, aber luxuriöse Zimmer beherbergt. Auch die auf Önotourismus spezialisierte „Quinta Morgadio da Calçada“ in Sabrosa hat die ehemaligen Stallungen zu acht stilvollen Zimmern umgebaut, in die man nach ausgiebigem Dinner mit passender Weinbegleitung dankbar taumelt. 

Portugal bietet Entschleunigung

Von seinem eigenen Abwärtstaumel hat sich Portugals Norden sicher noch nicht hundertprozentig erholt. Nicht alles ist renoviert und herausgeputzt, das neue Portugal erfindet sich in einem ähnlich gemächlichen Tempo, mit dem der Douro durch die Weinberge fließt. Vielleicht ist dieses Tal gerade deshalb so angesagt. Nir gendwo wird Entschleunigung schließlich konsequenter gelebt als hier.

Unsere Empfehlungen für Goldene Zeiten im „Douro“

Hotels:

  • Das „Six Senses Douro Valley“ bietet Highend-Urlaub. DZ 428 Euro, buchbar über ewtc.de
  • In der „Quinta Morgadio da Calçada“ kann man nach der (Port-)Weinprobe direkt in einem der acht Zimmer in die schmiedeeisernen Betten sinken. DZ ab 90 Euro, morgadiodacalcada.com

Restaurant:

  • „D.O.C.“-Koch Rui Paula serviert in Folgosa kreative Spitzenküche direkt am Douro. Ableger in Porto: das „D.O.P.“, ruipaula.com

Bar und Infinite-Pool.

Nicht nur der Infinity-Pool des „Six Senses” verspricht Unendlichkeit. Auch die Barkarte, das Wellness-Menü oder die Ausflüge sind schier unerschöpflich.